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Vorstellung: Audi A8

Auflösung des Mysteriums, warum der große Audi so geriet, wie er nun da steht. (Richtig, es hat was mit China zu tun.)

01.01.2010 Autorevue Magazin

Noch bevor er überhaupt einen Meter in der Öffentlichkeit zurückgelegt hat, ist die Aufregung um den neuen A8 groß – in den Internet-Foren und sogar bei führenden VW-Managern, die über den deutschen „Spiegel“ ihr Missfallen äußerten, was in den Konzern-Gepflogenheiten nie ein gutes Zeichen für die Verantwortlichen ist.
Unstreitig ist der große Audi erstaunlich konservativ geraten, jedenfalls für eine Marke, die unter dem Anspruch Vorsprung durch Technik segelt. Mit einem in Richtung Opulenz weitergedachten Single-Frame-Design und auffälliger Scheinwerfer-Grafik – Weltneuheit: sämtliche Lichtfunktionen inklusive Fernlicht werden von LED-Leuchteinheiten übernommen – kommt die Frontpartie betont aggressiv daher. Diese Auftrittswucht verliert sich aber bereits an den vorderen Kotflügeln, der Rest des A8 erinnert eher an einen um zwei Klassen upgegradeten A4. Die Erklärung des Audi-Group-Designchefs Wolfgang Egger: „Den neuen Luxus verstehen wir als stark nach innen gerichtet. Außen klare, aberreduzierte Formen, die wahre Wertigkeit des Fahrzeugs erschließt sich erst nach dem Einsteigen.“ Und tatsächlich: Innen findet all die Kompetenz, Qualitätsversessenheit und Innovationskraft statt, die man von Audi erwartet. Laut Wolfgang Egger „werden die Materialien im architektonischen Sinn angewendet“, soll wohl heißen frei von Chichi. Gebürstetes Alu trifft auf Alcantara, exotisches Holz und Klavierlack, das könnte auch zu viel sein, wirkt aber trotzdem nicht überladen, sondern bloß auf die angenehme Art edel und modern. Audi at it’s best.
Auch die Reize der neuen Technik sind eher hintergründig angelegt: Die Audi-Leute sind nämlich den ehrlichen Weg gegangen und haben die wichtigsten Motoren für eine Luxuslimousine neu entwickelt: die Achtzylinder. Der Benziner (372 PS/219 g CO2) soll auch ohne Hybrid-Unterstützung die gleichen Verbrauchswerte wie ein Lexus LS 600h erreichen, der V8-Diesel (350 PS) wird sogar deutlich darunter liegen. Beide Varianten verfügen über eine Achtgangautomatik und Bremsenergierückgewinnung. Und mit einer im Lauf des Jahres nachgeschobenen Sparversion des 3,0-l-TDI (Frontantrieb/204 PS) will man mit sechs Litern Verbrauch und 159 Gramm CO2 sogar neue Maßstäbe in der Klasse setzen.
Alleine: Wer sich’s leisten kann und nicht wirklich verzichten will, schmückt sich heutzutage gerne mit dem Feigenblättchen eines Hybrid-Logos am Auto – die wahre Effizienz kümmert naturgemäß kaum jemanden in einer Preisliga, in der man pro Jahr mit 20.000 Euro Wertverlust und mehr rechnen muss. Und in der Hybrid-Disziplin wird der A8 erst gegen Ende 2011 mithalten können – ein eindeutiger Wettbewerbsnachteil gegenüber Mercedes und BMW.
Vielleicht aber auch nicht: Denn einiges deutet darauf hin, dass der neue A8 deutlich ostlastig konzipiert wurde: Die Chinesen lieben Audi, und ihnen ist Hybrid noch ziemlich wurscht. Sie mögen aber schlichte Formen und schiere Masse – mit 8,6 cm mehr Länge und 5,5 cm mehr Breite werden die S-Klasse und der Siebener übertroffen. Noch ein Wegweiser in Richtung China:
Das neuartige Touchpad zur Navi-Eingabe mag im Westen eine Spielerei sein, für die Eingabe von fernöstlichen Schriftzeichen ist es ein gewaltiger Fortschritt. Und ja, der A8 spricht chinesisch.
Und für den europäischen Geschmack wird ohnehin innerhalb kürzester Zeit am Genfer Salon der A7 nachgeschoben.

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  • Talisker10

    …im Lauf des Jahres nachgeschobenen Sparversion des 3,0-l-TDI (Frontantrieb/204 PS) steht hier oben. Im Heft 03/2010 steht 3,0-l-TDI (Allrad/250PS).
    Gibt es zwei Motore mit Front, bzw. Allrad oder hat da keiner die Proof gelesen?
    ciao

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