Audi A7 dyn VoLi
Die Wald- und Wiesenseite: Von vorn ist der A7 ein Audi wie jeder Audi
 

Vorstellung: Audi A7

Zwischen A6 und A8 ist noch Platz für das gesprächigste Auto der Gegenwart.

02.11.2010 Autorevue Magazin

Basisversion geht gar nicht. Dafür ist Audi mit dem A7 viel zu weit ins Premiale hinein­gegangen, als dass man jetzt irgendwie Plastikarmaturen und simple Knöpferlspiele ertragen könnte, oder irgendeine Form von Verzicht, und sei’s aufs Unwesentliche. A7 muss in die Vollen gehen. Logischer Nebeneffekt: Der Preis zischt ab, weit hinten werden schnell kleiner die Ziffern 59920, die den kleinsten Preis eines A7 angeben. Sie müssen Theorie bleiben.

Ins Premiale vorgewagt heißt, dass hier schon wieder so ein absolutistischer Audi entstanden ist. La voiture,
c’est moi. Wie schon in der letzten Autorevue ausgeführt: Audi befindet sich machtvoll im Vorwärtsschwung. Jedes neue Modell ein Hinstauner.

Kritik am Auto prallt am Auto ab. Dass die als Inno­va­tionen vorgestellten Sachen wie Head-up-Display, Ab­stands­regeltempomat oder Side-­Assist insofern keine sind, als sie allesamt auch schon bei ­anderen Herstellern längst zu haben sind, ist eher ein F­ehler der Marketingabteilung. Die baut darauf, dass ihr eh keiner zuhorcht.

Der A7 findet, was sein ­Design betrifft, vor allem hinten statt. Und dort ist er ein astreines Audi 100 Coupé-­Zitat, aber ohne abgekupfert zu wirken. Das war ja das bestechendste Audi-Heck überhaupt, und jetzt ist es, modern interpretiert, wieder da. Vorne hingegen ist der A7, wie jeder Audi, eine Enttäuschung. Erscheint das Auto im Rück­spiegel, kann es alles zwischen A1 und A8 sein. Das ist fad. Aber jetzt sind eben alle Marken auf das sogenannte Familiengesicht ganz narrisch. Vielleicht vergeht das ja wieder.

Innen erwartungsgemäß ultrawertige Verarbeitung, vor allem aber eine Mittelkonsole, die in ihrer Breite schon in Richtung Luxusklasse weist. Darauf haften, wenn man ­bezahlt hat, die Insignien automobilen Wohlstands. Etwa das grandiose Schichtfurnier als Täfelung (Eiche. Siehe Fotos).

Und natürlich die Bedien­elemente für einen neuerdings geradezu herausfordernden Grad an elektronischer In­tel­ligenz und Vernetzung: Da ist der zentrale Befehlsstand des MMI, flankiert von einem Touchpad, auf das der Finger Buchstaben und Ziffern kritzeln kann, falls der Fahrer ­keine Lust auf Sprachbedienung hat.

Das Navigationssystem arbeitet mit Bildschirmdarstellungen aus Google-Earth und liefert dem Auto Daten, die in die verschiedenen Assistenzsysteme einfließen. Getriebe, Kurvenlicht, Fernlichtassistent und adaptiver Tempomat nutzen auf diese Weise Infos über Straßenklassifikationen und Kurvenverläufe und agieren jetzt quasi vorausschauend: Das Auto verhält sich in zahlreichen Parametern selbständig auf diese oder jene Weise, weil es vom Navi erfahren hat, wo es ist bzw. gleich sein wird.

Versteht sich, dass der A7 auf Wunsch mit UMTS-Modul und WLAN-Hotspot ausge­rüstet ist. Auch hier wieder die Vernetzung mit dem Navi: Komplexe Reiserouten (ganze Urlaube) können zu Hause ­geplant, auf der Audi-Website eingespeist und im Auto via UMTS abgerufen werden. ­Naturgemäß alles auf 3D-­Satellitenbildern visualisiert und mit Fotos und sonstigen Datenfluten unterspickt. Über den WLAN-Hotspot können bis zu acht Geräte gleichzeitig online sein. Audi empfiehlt eine Flatrate.

Wem das alles noch zu wenig Information ist, der kann zum Nachtsichtassistenten mit Fußgängererkennung greifen, und dann noch zum Head-up-Display. In dem erscheint, wenn man möchte, auch der auffällig markierte Fußgänger am Straßenrand. Und zwar schon 100 Meter im Voraus.

Auf solche und andere Weise lässt sich ein mittelhoher fünfstelliger Betrag zusätzlich zum Preis des Autos auftürmen, noch bevor auch nur ein Wort zu den Motoren gefallen ist. Deren sind zunächst einmal drei zu haben, gleich darauf noch einer (der 204-PS-Diesel), und für kommendes Jahr dürfte eine Erweiterung des Portfolios zu erwarten sein. Die beiden Benziner, kraftvoll und sanft, werden ein geplantes Schattendasein führen, für den 245-PS-Diesel erschätzt sich Audi einen Anteil von 60 Prozent, der schwächere Diesel soll 20 Prozent beitragen. Die Diesel, und das ist in dieser Ausprägung eher neu, sind so leise und so kultiviert, dass man auf den Drehzahlmesser schauen muss, um überhaupt zu erraten, woran man ist: Ist nur bis 6000/min angeschrieben, dann Diesel.

Fahrkulturell gibt sich der A7 sportlich und frisch mit ­unmittelbarer Lenkung und großer Hochgeschwindigkeits-Kompetenz auch abseits der freien Autobahn. Vielfach ­bespielbare Ledersitze sind die beste Wahl, zumal auch komfortabel. Hinten ist sehr ausreichend Kopf- und Kniefreiheit.

Der A7 wird auf Mercedes CLS, Jaguar XF und BMW GT treffen, also in ein Segment stoßen, dessen Existenzberechtigung sich vor allem daraus ableitet, dass es vor einiger Zeit erfunden wurde. Im Wesentlichen geht es um eine Wiederbelebung des Fließhecks. Das war lange als spießig verpönt und ist jetzt wieder im Kommen. Mehr Kofferraum, zum Beispiel, lässt sich dabei seltsamerweise kaum herausschlagen. Solange es aber auch nicht dramatisch weniger ist, soll’s uns recht sein. Sogar sehr.

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