Audi A6 Avant 3,0 TDI quattro tiptronic Kombi
Sparsamer High-End-Motor.
 

Testbericht: Audi A6 Avant 3,0 TDI quattro tiptronic

Die künstliche Intelligenz hat unser Trommelfell erreicht. Nun wird alles gut.

13.09.2012 Autorevue Magazin

Am Diesel haben wir zwei ­Dinge nie so richtig mögen ­gelernt: Wie er riecht und wie er klingt. Egal, was die Tech­niker auch anstellten, sein Klangbild blieb stets ähnlich sexy wie handgestrickte Strümpfe (und Auspatzen an der Tankstelle ist nach wie vor die Pest). Und dann das! Ein Brabbeln, tief, dunkel, ­geheimnisvoll, irgendwie achtzy­lindrig, aber doch eigen, härter nämlich, erdiger, grollender. Der so wohlig klingt ist der Dreiliter-V6-TDI im Audi A6 Avant. Die Leistungsvariante mit 313 PS stellt die neue Gegenkultur der Sportlichkeit made in Ingolstadt dar. BMW hat seinen 550d sogar in die M-Liga er­hoben, Audi bleibt auch bei seinem Sportdiesel bei der schlichten Bezeichnung TDI.

Zum vollmundigen Klang, der tatsächlich eine enorme emotionale Erwärmung hervorruft:

Zulieferer Eberspächer, Spezialist unter anderem für Abgasanlagen und deren Klang­qualitäten, hat eine Anlage mit Soundmodul entwickelt, die dem Dieselmotor künstlich ­jenen Klang anhängt, den er verdient, aber alleine nicht ­liefern kann. Und warum nicht? Bei den Benzin-Sportlern wird ja in der Regel auch kräftig per Soundengineering nachgeholfen.

Audi A6 Avant 3,0 TDI quattro tiptronic Kombi

Im A6 kann man sich seine Soundspur zudem aussuchen:

Das serienmäßige Drive Select-Programm kennt vier fixe Einstellungen, wobei vor allem der straffe Sport-Modus den Muskel-Sound spielt, die anderen dagegen akustisch ­unauffällig bleiben. Das fünfte, persönlich konfigurierbare Setting bietet die Möglichkeit, die dunkle Klangwolke beispielsweise mit der Komfort-Schaltweise und weicherer Luftfederung zu kombinieren. Diese Mischung kommt super. Entspannter Hör-Genuss. Null auf Hundert in 5,3 Sekunden müssten als Überzeugungs­arbeit eigentlich nicht mehr unbedingt geleistet werden.

Der Motor ist in der Tat ein beeindruckendes Kraftpaket mit hochkultivierter Leistungsentfaltung. Im Unterschied zu den anderen Dreiliter-TDI-­Varianten hat der 313-PS-Sechszylinder zwei Turbolader, die ein enorm fettes Dreh­moment anschaufeln. Der kleine Turbo ist für den unteren Drehzahlbereich zuständig, der größere für die oberen. So kommen 650 Nm zwischen 1450 und 2800 Umdrehungen zusammen, die per Achtgang-Automatik verwaltet und über alle vier Räder auf die Straße gebracht werden. Was die verblüffendste Zahl an diesem Spektakel ist? Nicht der Preis. Auch wenn es unser Testwagen mit allem Pipapo auf 104.000 Euro bringt. Es sind die gelebten 8,8 Liter auf 100 km. Und fahrerische Askese war da kein Leitmotiv.

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