Audi A6 Allroad Allrad Kombi Avant
Mit robusterer Optik verdient sich der A6 die "Allroad" Bezeichnung.
 

Testbericht: Audi A6 Allroad 3,0 TDI quattro

Die Idee funktioniert auch noch in dritter Generation: Ein bissl Offroad-Folklore, ohne dass man sich gleich mit einem SUV herumschlagen muss.

27.11.2012 Autorevue Magazin

Allroad die Dritte also, und das ist schon auch ein erstaunlicher Anlass. War doch die ­erste Generation eher ein Kind der Verlegenheit. Ende der Neunziger präsentierte BMW seinen X5, während Mercedes in den USA längst fulminante Erfolge mit der M-Klasse feierte. Und Audi? Obwohl eigentlich Allradpionier, hatte man damals nicht mal was in der Pipeline, die Ingolstädter verschliefen die erste SUV-Welle einfach, u. a. weil das Thema in Europa noch mit Sozialer Unverträglichkeit (© David Staretz) übersetzt wurde.

Die Zeiten haben sich geändert, die SUVs sind kompakter und sparsamer geworden, wir haben uns auch an sie gewöhnt, man gewöhnt sich ja an so vieles. Natürlich bekam auch Audi nach mehrjähriger Schrecksekunde seine Q-Familie. Umso erstaunlicher, dass sich die Allroads noch immer ungebrochener Beliebtheit erfreuen, inzwischen auch als A4.

Aber sogar bei Audi scheint man nach all den Jahren noch Verständnis-Probleme mit dem Phänomen Allroad zu haben, sonst würde der Prospekt nicht die unnötige Frage stellen: Können Sie den Verlockungen des Geländes widerstehen? Yes, we can. (Sonst würden wir ja in einem SUV landen.)

Der Audi A6 Allroad versteht sich weiterhin als Vernunftlösung für alle, die genau wissen, dass sie ohnehin nie was mit Sportanwendungen oder gar Gelände am Hut haben werden. Er bietet locker das bissl Allrad und Bodenfreiheit, das der moderne Mensch übers Jahr so brauchen könnte, und macht sonst auf Landlust-Show. Eine Lösung für all jene also, die auffallen wollen, ohne die hochseriöse Business-­Klasse zu verlassen – sozusagen die rote Socke, das pinkfarbene Stecktuch zum feinen Zwirn.

Denn sieht man einmal vom überschaubaren Thrill ­einer Neigungswinkelanzeige und der Unnötigkeit eines Bergabfahrassistenten ab, beschränken sich die Unterschiede zum Normal-Avant auf ein paar Zentimeter mehr Bodenfreiheit und etwas Plastik statt Blech (was in anderen Klassen durchaus als Abwertung verstanden werden würde).

Spannendstes Detail ist ohne Frage die serienmäßige adaptive Luftfederung in Allroad-Konfiguration, die bis zu 18,5 cm Bodenfreiheit erlaubt, außerdem schafft das Luftfahrwerk eine bisher noch nicht erlebte Spannweite zwischen Komfort- und Sport­abstim­mung. Und weil sich der Allroad auf der Autobahn automatisch auf Normalniveau ­absenkt, reduzieren sich somit die Nachteile der Offroad-­Folklore praktisch auf null.

Der Rest des Allroad ist A6 Avant: Höchste Verarbeitungsqualität und Wohlbefinden im Innenraum, und über die allumfassende Alltags-Geschmeidigkeit des 245-PS-V6-Diesels plus Siebengang-S-Tronic geht bekanntlich kaum etwas. Kann sieben Liter auf Hundert genauso wie sieben Sekunden auf Hundert, nur halt nicht gleichzeitig. Abzüglich der Luftfederung kostet das Allroad-Paket etwas mehr als 2.500 Euro, das ist bei einem Auto, das mit ein paar Zusatzansprüchen locker die 80.000er-Latte reißt, dann auch schon egal.

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