Audi A6 Avant dyn voli
State of the art bei den Oberklassekombis: A6 Avant.
 

Testbericht: Audi A6 3,0 TDI Avant

Der A6 Avant komplettiert das Trio der deutschen Premiumkombis.

01.11.2011 Autorevue Magazin

Audi ist dermaßen auf dem Eroberungs-Trip, dass man mit regelrecht zitternden Barthaaren auf den ersten Reinfall wartet. Aber der will nicht kommen. Man ist technologisch zu sehr auf der Höhe, erfindungsreich, ohne zu verschrecken, und im Design zu sehr massenverträglich. Alles stilsicher und mit Augenmaß für das Gewünschte.
So ist folglich auch die Kombiversion des A6 Anschauungsmaterial für eine Entdeckungsreise ins automobil Machbare.
Das Machbare hat freilich seinen Preis. So sind für den sehr stark motorisierten 3,0 TDI quattro schon knapp 60.000 Euro auszulegen. Unser Testwagen langte in der Aufpreisliste mittelmäßig zu, jetzt kostet er 96.625,78 Euro. Dafür kriegt man auch einen gleich motorisierten A8 und hat immer noch 14.000 Euro für ­Extras übrig.
Hier aber hat man Kombi. Dass der Laderaum größen­mäßig klar hinter dem der ­E-Klasse zurückbleibt und sich mit dem vom BMW auf einer Höhe befindet, ist ziemlich ­irrelevant. Wichtig ist die Nutzbarkeit, und die ist durch die sogenannte Kompartimentierung gegeben – oder auch nicht. Hier ist sie serienmäßig und genial. Zwei Schienen, in denen sich Querbalken längs verschieben und fixieren lassen. Das ist einfach und wirkmächtig. An den Seiten befinden sich Haken, und ein Netz kann auch montiert werden. Nichts wird verrutschen, umfallen, scheppern oder ausrinnen.
Der Avant ist mit der Limousine technisch identisch und im Fahrgefühl im Grunde auch. Sofort fällt die geschwindigkeitsabhängige Lenkung auf, sie ist in der Stadt auf geradezu anbetungswürdige Art leichtgängig und stellt umgehend eine positive Beziehung zur Gesamthaptik des Autos her. Dank der adaptiven Luftfederung, eines der ganz wenigen Extras, die sich wirklich auszahlen (2.563 Euro), schwebt man einher wie auf einer Sänfte, so man „Comfort“ gewählt hat. Normalerweise wird man das tun. Diese generelle Knackigkeit, an der Audis sonst leiden, fällt damit weg. Sticht einen angesichts einer doppelt geschwungenen Autobahnabfahrt der Hafer, wird die Air Suspension auf sportlich geklickt und der Avant bleibt brettleben in der Kurve, bis das ESP eingreift.
Der 3,0 TDI ist natürlich eine tolle Sache, ruhig, stark, smooth. Wer zum Beispiel zum 2,0 TDI mit 177 PS greift, spart runde 14.000 Euro und wird nicht um diesen Betrag schlechter unterwegs sein, ­allerdings auch ohne Allrad.
Bedenken wir das Platz­angebot im A6, die allgemein hohe Qualität des Aufenthalts an Bord und die Tatsache, dass wir nicht den Prestigebedarf des Staatenlenkers haben, ­sehen wir – und das erklärt die preisliche Nähe – kaum einen Grund für einen A8. Ausnahme wäre natürlich dessen oberes Ende mit W12, aber das ist sowieso wieder eine andere Geschichte.
Erfreut nimmt der Neid des kleinen Mannes auch den einen oder anderen Ausrutscher zur Kenntnis. So gibt es praktisch keine Ablagen. Der Autoschlüssel findet im Aschen­becher Platz, das Handy im ­Dosenhalter, die Dose in der Hand. Etwas seltsam auch, dass man für die Einstellung von Gebläsestärke und Gebläserichtung zuerst eine Taste drücken muss und dann einen Drehregler drehen. Zwei Bedienebenen für etwas, das ­bisher auf der ganzen Welt in ­einer zu machen war.

Mehr zum Thema
pixel