Audi A6 Statisch Exterieur Front Seite
Beim LED-Paket beginnt beim Blinken praktisch der komplette Scheinwerfer zu leuchten.
 

Vorstellung: Audi A6

Besser konnte Audi seine derzeitige Erfolgsgeschichte nicht darstellen: Der A6 wird hochseriös.

24.01.2011 Autorevue Magazin

Konservatismus können sich nur die wirklich Erfolgreichen leisten. So war das Mercedes-Design praktisch zum Stillstand gekommen, als das Geschäft wie von selber lief. Insofern darf dieser A6 als Insignie des Erfolges der letzten Jahre gesehen werden. Aha-Effekte bleiben aus, Experimente hat man sich überhaupt verkniffen. Wie gewohnt haben die ­Audi-Designer den A6 mit ­sicherer Hand gezeichnet.

Da sitzt einfach jede Sicke, Kante, Linie. Ein Design, an dem ­geschmäcklerische Kritik abprallt wie die Radar-Welle am Stealth-Bomber. Zum Beispiel: Natürlich könnte man finden, der Neue sieht im jeweiligen zeitlichen Kontext ein bissl langweiliger aus als seine Vorgänger. Aber damit kommt er auch ernsthafter daher, wird fast so staatstragend wie ein A8 auf dem Geschäftsführer-Parkplatz stehen.

Und nicht vergessen: Die höhere Seriosität im Auftritt schafft den nötigen Platz für den A7, der ja die Speerspitze in Sachen Avantgarde übernehmen soll. Insofern hat also alles am Auftritt seine Stimmigkeit. Außerdem ist der A6 eine verkehrte Mogelpackung: So dezent seine Außenwirkung ausfiel, so inspirierend wirkt das Innenleben. Der A6 setzt damit den spürbaren Trend fort, dass der neue Luxus nach innen getragen wird, quasi wie ein Wollmantel mit Nerzfutter. Man muss auf nichts verzichten, was uns nicht schon beim A7 gefallen hätte.

Audi A6 Statisch Exterieur Scheinwerfer Detail

Alu-Optik und perfekte Haptik, das Cockpit umschwingt elegant den Fahrer, auch hier ist das neue Furnier mit spürbarer Maserung in Schichtholz-Technik erhältlich – alles perfekt am Schnittpunkt von Coolness, Heimeligkeit und Ergonomie. Bei der Ausstattung findet man alle A8/A7-Features vor, vom MMI-Bediensystem 2.0 samt Eingabe-Touchpad bis zu den diversen elektronischen Helferlein, die hilfreich sind oder auch nicht (Lane Assist, automatisches Lenken beim Einparken). Unser Tipp: Bei entspannter Finanzlage doch lieber gleich in B & O-Sound investieren. Außerdem ist der A6 Internet-tauglich, bewusst wird vom Fahrersitz aus am Bildschirm nur ein eingeschränktes Angebot gestattet, aber der Rest der Familie kann sich via WLAN voll austoben.

Auch in technischer Hinsicht ist der A7 ein guter Anhaltspunkt: Fahrwerk, Antrieb, Elektronik sind identisch. Die Anzahl der Gleichteile zum A7 ist so überwältigend, dass die über 5.000 Euro Preisunterschied schon fast ein wenig ­frivol wirken (aber hey, wir ­leben in Zeiten, in denen mit den Milliarden nur so rum­jongliert wird, was sind da schon ein paar Tausender).

Der A6 schließt die letzte Lücke im längsmodularen Baukasten, der nun durchgehend vom A4 bis zum A8 zur Anwendung kommt. Eine ­Alu-Stahl-Mischbauweise soll 15 Prozent Gewicht bei der ­Karosserie sparen, ein 3,0 TDI quattro ist am Ende 30 kg leichter als der Vorgänger. Es gelingt also die wünschenswerte Umkehrung der Gewichtsspirale.

Die bisher beliebteste Motorversion, der 2,7 TDI mit 190 PS, fällt weg, er wird ersetzt durch eine downgesizte Version des 3,0 TDI mit 204 PS, der aber auch in der bekannten 245-PS-Variante (hier ausschließlich als quattro) ­erhältlich sein wird. An der Basis soll ein neuer Zweiliter-TDI für frischen Schub sorgen: 177 PS klingen nach akzeptablem Verzicht, 4,9 Liter Prüfstand-Durchschnittsverbrauch sorgen für ein reines Gewissen – damit wird der Vierzylinderanteil wohl steigen.

Eine Hybrid-Version des 2,0 TFSI (211 PS plus 33 kW/45 PS E-Leistung) wird etwas später ins Rennen geschickt, mal sehen, ob sich ­damit der marginale Benziner-Anteil in Österreich (ca. fünf Prozent werden für 2,8 FSI/204 PS und 3,0 TFSI mit 300 PS erwartet) steigern lässt. Und für alle, die sich noch nicht so recht mit einem konservativen Audi anfreunden können, bleibt ja immer noch der Avant, der hatte in Österreich bisher ohnehin mit 65 Prozent der Verkäufe (Avant plus Allroad) die Oberhand. Obwohl: Die erstmals serienmäßigen umklappbaren Rücksitze könnten für manche den Kombi obsolet machen.

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