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Vorstellung: Audi A5 Sportback

Eine Kreativitätswelle erfasst die Hecks dieser Welt. Und plötzlich haben Coupés vier Türen und einen neuen Namen. Sportback zum Beispiel. Ein erster Test.

01.08.2009 Autorevue Magazin

Natürlich wissen die bei Audi genau, was sie tun. More of nearly the same, aber so, dass es keiner merkt. Also klug getarnt als wirklich Neues. Und warum tun die das? Weil sie, wie alle anderen, erkannt haben, dass man als Autohersteller auf jeder Hochzeit tanzen muss, sonst bleibt man sitzen. Und war man schon auf allen Hochzeiten eingeladen, erfindet man eben neue und ist dort auch gleich der erste Gast, das schafft Innovations-Aura. Das hat Audi leider nicht hingekriegt. Den Passat CC zum Beispiel gibt es ja schon länger, wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Mercedes CLS hat’s überhaupt vorgemacht. Immerhin wurde der Name Sportback erfunden (beim A3 ist es der Fünftürer, der aber ebenfalls so auf ­irgendwas zwischen Avant und Coupé macht).
Also alles nur heiße Luft? Das auch wieder nicht. Der A5 Sportback vervollständigt die A5-Baureihe. Er gibt Menschen mit Familie die Möglichkeit, A5 zu fahren. Und er gibt Menschen, die gerne einen Porsche Panamera hätten, sich aber keinen leisten können, die Möglichkeit, etwas so halbwegs Ähnliches zu fahren. A5 Sportback, der Panamera des kleinen Mannes (so klein auch wieder nicht: wir steigen bei 38.710 Euro ein).
Der Sportback bietet Platzverhältnisse in den Dimensionen des A4, aber nur vier Sitzplätze. Er ist 36 Millimeter niedriger als der A4. Und er hat mit 480 Litern gleich viel Kofferraumvolumen wie dieser, das sich durch Umlegen der Rücksitzbank auf 980 Liter erweitern lässt. Da der Sportback aufgrund der von ihm selbst postulierten Vielfalt natürlich mit mehr als einem Auto verglichen werden muss: Der A4 Avant hat 490 Liter Kofferraum. Das mit dem Avant, der der A5 Sportback auch ist, stimmt also.
Coupé ist der Sportback in erweitertem Sinne. Von abgeschnitten (das französische coupé bedeutet genau das) kann keine Rede sein. Dafür finden wir fließende Dachlinie, nach hinten abfallend, und Fensterscheiben ohne Rahmen. Mit kurzen Überhängen, breiter Spur, geringer Fahrzeughöhe steht der Sportback auf jeden Fall reichlich aufgeladen in der Landschaft, wenn auch mit überraschend unspektakulärer Heckpartie. Kurzsichtige werden ihn mit dem A4 verwechseln.
Die Front signalisiert, wie bei Audi ­üblich, keine Verhandlungsbereitschaft. Als Limousine leistet sich der A5 Sportback keine Schwächen, abge­sehen von den nur vier Plätzen (statt fünf). Auch hinten hat man es für ein 4,7-Meter-Auto (um acht Millimeter ­länger als der A4) erstaunlich geräumig, zudem gefühlsmäßig leicht eingebunkert: Die tiefe Sitzposition und die niederen Scheiben machen das. Die Frontpassagiere blicken auf ein unverändertes A5-Cockpit. Warum auch nicht?
Man wird sich zu Recht vom A5 die technologischen Eckpfeiler aus A5 und A4 erwarten. So bei den Motoren: Zum Start im August sind drei TDI- und zwei FSI-Motoren dabei, verschiedentlich kombiniert mit Allrad und multitronic-Getriebe. Vier weitere Motoren sollten sich in Etappen bis Mitte 2010 einfinden. Mit dabei auch ein 1,8-Liter-FSI mit 160 PS und Handschaltung als Einstiegsdroge.
Die Zweilitermotoren mit Handschaltung haben ein Start-Stop-System, das bei Stillstand und Leerlauf den Motor ausschaltet. Alle Varianten nutzen die mittels Rekuperation beim Bremsen ­gewonnene Energie, um damit den vom Motor angetriebenen Generator zu ­entlasten, was ein Quäntchen Treibstoff­ersparnis bringen soll. Aber in den Zentiliterbereich dürften die Gedanken der Sportback-Kunden ohnehin nicht hineinreichen. Sind ja alles Hedonisten.
Ein erstes Abtasten in den toskanischen Hügeln: Naturgemäß macht ein Auto von 1500 Kilo, dessen Motoren­palette sich zwischen 160 und 265 PS ­bewegt, bei der Performance wenig Schwierigkeiten. Der Zweiliter-TDI mit 170 PS zieht in weniger als neun Sekunden von Null auf Hundert. Auf dem ­Niveau, über das wir hier reden, sind auch die Motorengeräusche geradezu auffällig auf Zurückhaltung bedacht. ­Entspannte Ruhe in allen Situationen.
Fahrwerksseitig konstatieren wir die Orientierung des Sportback an mittel­großen Familien, in denen niemand zur Übelkeit neigt, will heißen: durchaus Komfort, insgesamt überraschend weich gehalten. Schneidiges Kurvenfräsen ist trotzdem lustig und weitgehend ohne Stress möglich, bei schnellem Slalom ­gerät man freilich leicht ins Schwimmen.
Wer die Sache ernster nimmt, wird das Fahrdynamiksystem drive select ordern und dann zwischen comfort, auto und ­dynamic wählen können: Beeinflusst werden die Gasannahme des Motors, die Schaltpunkte der Siebengangautomatik und die Unterstützung der Lenkung. Die Klientel für derlei dürfte aber klein bleiben.
Spannend wird noch, ob jeder Sportback-Käufer mehr ein Coupé-Käufer ­weniger ist. Wir werden berichten.

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