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Audi A4 2,0 TDI Testbericht

Es war ein sorgenfreies Jahr auf guter Flughöhe, ohne Grenzerfahrung und mit reichlich Wasser unterm Kiel. Von uns aus hätte die Straße der Gemeinsamkeiten noch lange nicht enden müssen.

01.04.2009 Autorevue Magazin

In der Autorevue ist die Liebe weit gesteckt. Unser Fahrzeug-Spektrum ist echt breit. Einig sind wir uns dabei aber selten. Dort, wo wir zu einem Common Sense finden, diskussionsbedingt und dem strengen demokratischen Prinzip folgend, wird es naturgemäß manchmal fad. Das ist so, wenn man das kleinste gemeinsame Vielfache sucht. Aber: Es geht auch anders. Denn in seltenen Fällen ist das gemeinsame Vielfache überhaupt nicht klein. Beim Audi A4 zum Beispiel.

Stilistisch hat Audi beim A4 den Ton perfekt getroffen. Geahnt haben wir das ja von Anfang an, nun haben wir’s auch amtlich, nach eigener Erfahrung: Wie er als Mittelklasse-Limousine jedem gleichermaßen entgegenkommt, die Lager dabei aber trotzdem sauber trennt. Als einer der lebensmäßig Aufgeschlossenen kommst du nicht in die Verlegenheit, für jemanden gehalten zu werden, dem es am liebsten wäre, wenn sich die Welt niemals verändert, die jungen Leute immer brav die Hand geben, einen akkuraten Scheitel tragen und sonntags in die Kirche gehen. Die A4 Limousine passt zu dir (und passt sich auch an). Nicht umgekehrt.

Vom progressiven Standpunkt betrachtet, gibt es zu unserem Dauertester allerdings einen Einwand: Das mit der Farbe war keine so gute Idee. Ich meine: Eissilber? Wieso haben wir bloß dieser offensichtlichen Da-muss-man-nicht-so-oft-in-die-Waschstraße-Mutlosigkeit zugestimmt? Für den Tausender, der für diese moderne Tarnfarbe extra fällig war, hätten wir ein wunderbares Arubablau-Metallic oder Granatrot mit Perleffekt haben können. Weiß oder Schwarz (immer eine Bank und serienmäßig) hätte überhaupt schon den halben Weg zu Ledersitzen bedeutet (unscharf gerechnet), womit dem Audi auch der typische Gebrauchtgeruch erspart geblieben wäre, der nach einem Jahr intensiver Nutzung nun mal in jedem Stoff steckt.

Bei Durchsicht der Sonderwunsch-Liste, die wir beim Kauf zusammengestellt haben, lässt sich im Rückblick die 3-Zonen-Klimaautomatik ein wenig in Frage stellen (736 Euro), weil wir wenig und unkapriziösen Fondbesuch hatten. Auch das Sportfahrwerk (344 Euro) war des Guten zuviel, auf den vielen Autobahnkilometern, die wir heruntergespult haben, war Komfort mehr gefragt als eine strenge Federung. Ein paar Mal, vor allem auf der Fahrt von Triest retour, als hinter uns wegen Schneechaos die Autobahn gesperrt werden musste, hätten wir gerne Allrad an Bord gehabt (3.140 Euro Aufpreis). Die vergangenen Lulu-Winter haben zu erhöhter Arglosigkeit geführt, die vom Bilderbuch-Weiß der heurigen Saison wieder ins Lot gerückt wurde.

Überraschend gute Erlebnisse hatten wir bei der A4-Limousine auch in einem Bereich, der normalerweise eher Avant-Punkte-Territorium ist: der Kofferraum. Wann immer der Deckel hochging, um Reisegepäck oder hie und da auch gröbere Fracht (Holzstaffel-Transport und eine Matratzenabholung fielen in meinem Fall an) aufzunehmen, machte sich ein inneres Boah!-Gefühl breit. 480 Liter können was. Zumal, wenn sie sich per umklappbare Rücksitzlehnen in den Passagierraum hinausweiten lassen. Da sind dann auch 2-Meter-Latten eine leichte Verbringungsaufgabe, von Ski-Mitführungen gar keine Rede, die haben ohnehin eine eigene Klappe und lassen auch noch Platz für hinten Mitreisende.

Der gewählten Motorisierung stellen wir nach 47.166 gefahrenen Kilometern das beste Zeugnis aus. Der Durchschnittsverbrauch von 7,4 Liter liegt im grünen Bereich, zumal wir uns nichts verkniffen haben. Die Autobahn-Reisegeschwindigkeit war ambitioniert (wie einige Strafmandate belegen), die gefühlt artgerechte Führung des 2,0-Liter-TDI liegt leider ein gutes Stück über dem, was die Straßenverkehrsordnung als regelkonform erachtet. Auch das sportliche Befahren von Bergpassagen machte ordentlich Freude. Die 143 PS stießen jedenfalls nie an ihre Leistungsgrenze, weshalb man sich im Umkehrschluss und als sparsamkeitsorientierter Mensch natürlich auch überlegen könnte, ob es nicht die 120-PS-Version ebenso getan hätte. Andererseits: Man will sich ja nicht freiwillig wehtun. Es ist jedenfalls schwer in Ordnung, wenn man stets eine gewisse Kraftreserve mit sich herumträgt, damit nicht Gefahr läuft, hart über den Boden der Tatsachen zu schürfen, und also dauerhaft das Gefühl hat, dass es das Leben gut mit einem meint.

Und auch wenn Axel Höfer sich nichts sehnlicher als genau diesen A4 mit Automatik wünscht: Die manuelle Sechsgang-Schaltung bewahrt einen davor, den Kontakt zur Realität zu verlieren. Hier muss man sich persönlich verdient machen um guten Kraftschluss und ums Weiterkommen, wenn auf der Tangente wieder einmal langsames Morgenschlurfen angesagt ist. Dafür fühlt man sich ziemlich als King, wenn man flott unterwegs ist und beim Auflaufen auf den Vordermann sich dieser sofort und untertänigst aus der Spur trollt: Das ist der Audi-Blick, die LED-Tagfahrleuchten, die mittlerweile fast jeder Verkehrsteilnehmer als Überlegenheitsmerkmal auf der Wahrnehmungsfestplatte gespeichert hat. Dieses Entgegenkommen werden wir vermissen. Der Aufstieg fällt leicht. Das Rückgestuftwerden allerdings ist immer mit ein bisschen Zähneknirschen verbunden.

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