Audi A1 dyn vorne
 

Dauertest-Einstieg: Audi A1 1,4 TFSI S tronic Ambition

Wie fein und wie praktisch kann das Leben auf Dreimeterneunzig sein? Es deutet sich an: ziemlich.

10.12.2010 Autorevue Magazin

In ihrem Durchschnitt ist die Autorevue ein ideales kleingesellschaftliches Biotop für einen längeren Test des Audi A1. In der Redaktion kommen ­keine Großfamilien vor, kaum Senioren und keine Fälle von ausgeprägtem Prekariat. Es herrschen vor: der Single und die Kleinfamilie, die Erwachsenen meistens zwischen 30 und 40 und weitestgehend urban, daher hoher Bildungsgrad. Das ist die Zielgruppe. Wenn wir nicht herausfinden, was der A1 im Alltag kann, dann findet es niemand heraus.

Der A1 ist sowieso die automobile Entsprechung der Einkindfamilie: Zwar eben nur ­eines, aber das muss später mindestens Operndirektor werden. Der A1: Zwar nur ein kleines Auto, aber das muss mindestens so dick auftragen wie eine E-Klasse.

Audi A1 stat VoRe

Das nahmen wir uns als konkreten Auftrag zu Herzen und ließen in unserem Dauertestwagen das Premiale seines Anspruchs bis in die Details Wirklichkeit werden, mit: Sound-System mit zehn Lautsprechern, Einparkhilfe, Klimaautomatik, Licht- und ­Regensensor, Panorama-Glasdach, beheizbaren Vorder­sitzen, Alu-Gussrädern mit Reifen 215/40 R17. Da ist die Montage von Schneeketten technisch nicht möglich, so viel vertrauen wir schon der globalen Erwärmung bzw. ­unserer Unlust, ins Gebirge zu fahren. Da wir dieses daher gar nicht erst ­suchen müssen, ver­zichteten wir aufs Navi. Der 6,5-Zoll-Bildschirm ist trotzdem dabei, ebenso das Bedienkonzept MMI, beides gehört zur formidablen Radioanlage „concert“ (welche den Lärm in die zehn Sound-System-Lautsprecher schickt). So geht sich noch ein Kaufpreis knapp ­unter 30.000 Euro aus, was für ein Auto in dieser Liga bei ­allem Premium-Getöse doch irgendwie eine Schmerzgrenze darstellt.

Der Audi A1 ist ja nicht nur eine Ansage in Richtung premiumhaftes Kleinauto, sondern auch eine solche bezüglich des Designs.

Der beamtische Begriff „Dachbogen in Kontrastfarbe“ soll nicht darüber hinweg­täuschen, dass genau dieses ­Feature, 435 Euro wert, aus einem feschen Auto ein stylishes macht und aus einem roten Kleinwagen einen coolen (Rot ist ja bei Nicht-Ferraris nicht immer nur unproblematisch).
Design und hohe Klasse auch innen. Die runden Lufteinlassdüsen sind wirklich jetset, die Drehgriffe fürs Klima bereiten haptische Freude, und dass der Bildschirm händisch herausgeklappt und wieder ins Armaturenbrett hineingedrückt werden muss, ist nicht schäbig, sondern vernünftig: ein Elektromotor weniger.

Audi A1 Interieur

Und dann vor allem das Lenkrad, mit dem ein Jahr zu verbringen keine schlechte Aussicht ist (denn ist nicht das Lenkrad Zentrum und Seele des Autos?). Es heißt Multifunktions-Sportlenkrad, ist aus Leder und stellt ein hohes Maß an körperlicher Verbundenheit zwischen Mensch und Fahrmaschine her. Da trägt die sehr genaue Lenkung dann ihren Teil dazu bei.

Der humoristische Aspekt des Audi A1 ist, dass es zwei Stoff-Varianten für die Sitz­mittelbahnen gibt, eine heißt Zeitgeist, die andere Herzklopfen. Unsere ist Herzklopfen, mit Leder veredelt.

Warum es der Benziner sein musste? Auch hier der Premiumgedanke.

Zunächst ist der 1,4 TFSI der leistungsstärkste aller A1-Motoren, sodann klingt bei allen Fortschritten ein Benziner noch immer hübscher als ein Diesel, und schließlich ist es vom Verbrauch her schon fast egal. Das wichtigste Argument aber: Nur den 1,4-Liter-Benziner mit 122 PS kann man mit einem 7-Gang-DSG adeln, bei Audi „S tronic“ genannt. Dass das Selberschalten auch im Segment der Klein- und Kompaktautos an Terrain verliert, ist eine Wendung zum Besseren. Der Schaltkomfort ist denn auch von hoher Qualität, selbst bei Vollgas wird ruckfrei hochgestiegen. Nur beim Anfahren gibt’s einen kräftigen Ruck, der auch das Einparken in enger Lücke etwas erschwert (Angst, dem Vorder- oder Hintermann hineinzuhupfen). Das ließe sich vermutlich ohne ­großen Aufwand wegtechnikern.

Der Audi A1 macht sich nicht größer, als er ist.

Auch auf den Vordersitzen wird keine Illu­sion erzeugt (mit weit nach vorne gezogener Windschutzscheibe geht so was recht gut). Das ist auch nicht nötig, nicht einmal Großgewachsene unterliegen hier irgendwelchen Beschränkungen, freilich: je größer vorne, desto enger hinten. Welchen Entnervungsfaktor mehrere Wochen mit Kindersitzfitzelei haben, wird sich zeigen. Auf jeden Fall dürfte hier der einzige neuralgische Punkt des Autos liegen, wenn es um Geräumigkeit geht. Erleichterung wird es mit dem viertürigen A1 Sportback ab Ende 2011 geben. Was schon gesagt werden kann: Mit knapp einsachtzig drückt ­hinten der Kopf gegen die ­Decke.

Audi A1 Interieur

Der Kofferraum ist standesüblich und lässt sich auf etwas improvisierte Art nach unten um ein paar Kubikdezimeter erweitern: nämlich durch Anheben des doppelten Bodens, unter dem das Reifenreparaturset liegt. Da lässt sich noch einiges dazulegen.

Audi verfolgt eine ähnliche Fahrdynamik-Strategie wie BMW, was die beiden in einen gewissen Gegensatz zu Mercedes bringt. Bei den kleinen ­Autos spürt man das überhaupt stärker, der A1 ist ein Musterbeispiel für konzentrierte Agilität und Wendigkeit. 203 km/h Spitze und weniger als neun Sekunden auf Hundert sind aber Werte, die man eher nicht abrufen wird, könnte sein, dass der Floh bei 200 auf der Autobahn ein bissl leicht wird. Werden wir aber noch überprüfen. Zentrale Kompetenz ist die Über­legenheit der Bewegung in der Stadt. Der 1,4-Liter-­Motor ist akustisch gut erzogen und hält sich auch jenseits der 100 vornehm zurück.
Wie sich der A1 auf Reisen jenseits der 500 Kilometer anfühlt, werden wir Ihnen schon bald berichten.

Den Dauertest Zwischenbericht finden Sie hier, den Abschlussbericht hier.

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