Audi A1 1,4 TFSI S-tronic Ambition seite vorne front dynamisch
Wien–Salzburg. Wien–Bozen. Wien–Hamburg. Wien–Split. Mit großer Freude sogar, und auch mit großer Gelassenheit.
 

Dauertest-Abschluss: Audi A1 1,4 TFSI S-tronic Ambition

Dauertest-Abschluss – Was wir in einem Jahr über die großen Vorzüge des Kleinen gelernt haben.

12.11.2013 Autorevue Magazin

Dreimeterfünfundneunzig – nach heutigem Maßstab ist das ja für ein Auto superklein. Nicht nur im Audi-Universum. Heute unterläuft man mit ­einem Audi A1 sogar den aktuellen Polo längenmäßig um zwei Zentimeter, dem wunder­samerweise immer noch ein bisschen von der Studenten­auto-Aura seiner frühen Jahre anhaftet, wenn auch die ­Studenten, die jetzt drinnen sitzen, oft Pensionisten auf dem zweiten Bildungsweg sind. Die Verhältnisse sind eben andere geworden, die Pyramide steht mittlerweile auf dem Kopf, und auch das räumliche Maßnehmen hat sich verändert. Wer in einen A1 einsteigt, saß vorher meist in einem Fahrzeug anderen Kalibers, ob in Papas Firmen-Limo oder im Familien-Erstauto-SUV.

Kleinwagen? Soso. Fühlt sich an wie ein Großer, will aber mitunter auch so betankt werden.
Christian Seidel

Audi A1 1,4 TFSI S-tronic Ambition rot hinten heck seite

SCHMUCK Die Dachbögen in Kontrast-Alu suggerieren Abnehmbarkeit. Luft kommt aber nur durch das Schiebedach.

Ein Jahr im Audi A1:

Wir waren im A1 ein Jahr auf Reduktionskurs und haben uns vorgestellt, dass die Welt aus nichts anderem bestehen würde als zwei Türen, einem eher kleinen Kofferraum und einer Rücksitzbank, auf der man als Erwachsener den Kopf besser gen Wagenmitte geneigt hält, weil die dynamisch flache Dachlinie bei der Lufthoheit hinten ihren Tribut fordert.

Das Erstaunliche an dieser guten Handvoll Audi A1 war: Es reichte. Völlig. Für jeden Tag. Für jeden Anlass. Sogar für jede Strecke. Kein Klein-Auto modernen Zuschnitts fährt so gerne auch Autobahn wie der A1, was keine verträglichkeitstheoretische Behauptung ist, sondern die klare Erkenntnis unseres Dauertestjahres, in dem der Mini-Audi jede Menge Langstrecken-Kilometer absolviert hat. Wien–Salzburg. Wien–Bozen. Wien–Hamburg. Wien–Split. Mit großer Freude sogar, und auch mit großer Gelassenheit, weil wir bei den Reisen in unbekannte Urlaubsgefilde abseits ausgewiesener Komfort­zonen oft nicht wussten, was uns straßenqualitätsmäßig am Ende des Tages erwarten würde, und auch auf langen Tagesetappen der Komfortpolster des A1 nicht mürbe wurde.

Audi A1 1,4 TFSI S-tronic Ambition rot kofferraum

Tiefe Einsichten bei völlig eingeebneten Rücksitzlehnen.

Natürlich muss man akzeptieren, dass der Audi A1 kapazitätstechnisch keine Wundertüte ist.

Er ist gut bemessen für zwei. Eventuell auch erweiterbar auf zweieinhalb, aber nur, wenn man keine gepäcksintensiven Ferien-Reisepläne hat (der Sportback würde hintere Türen, aber auch nicht mehr Kofferraum hergeben). Die Single-mit-Kind-Familie verreist hingegen problemlos. Mit vollem Mittelmeer-Schnorchel-Equipment, Old-School-Analog-Bibliothek und Achtfach-Badetuch-Ausstattung. Man erweitert den Laderaum dann durch Sitzumlegen und baut damit auch noch eine bequeme Anlehnmöglichkeit für den Nachwuchs hinten.

Audi A1 1,4 TFSI S-tronic Ambition rueckbank hinten

Hinten sitzen geht. Toupiertes Haar ist glücklicherweise aus der Mode. ­

Der Zugang zu den zwei Fond-Sitzen ist keine große ­Sache, vor allem für die Kleinen.

Statistisch wird die Rückbank aber nur so oft benutzt, wie vorne kein Platz mehr ist. Das ist selten genug. Taschen, Jacken und sonstiges Sperrgut wandern hingegen gerne nach hinten, wobei sich da der sportlich geformte Fahrersitz als wenig entgegenkommend erwiesen hat: Er blieb nicht von alleine in Vorklappstellung, Lenkrad und Sitzwangen ließen ihn wieder zurückschnappen, was blöd ist, wenn man ein Trumm mit beiden Händen hinten hineinstopfen wollte.

Audi A1 1,4 TFSI S-tronic Ambition einstieg vorne rot

Die Fahrersitzlehne schnappt zurück, sobald man sie auslässt. Wie tut man da?

Einschlägige Erfahrungen haben wir auch mit den Sitz­bezügen gemacht, die wir uns ausgesucht haben: zweifärbiger Stoff, mit hellen Sitzflächen. Irgendwann im Laufe eines Jahres macht sich aber immer ein Pfirsichkern, Apfelstück oder Cola-Schluck selbstständig, jedenfalls hatten wir eines Tages einen hässlichen Fleck am Fahrersitz, der nicht mehr herauszuschrubben war und wie ein Mahnmal die eigene Ungeschicklichkeit anprangert.

Überraschung: hohe Autobahn­kompetenz. ­
Weniger witzig:
die ­Aufpreisliste.
Christoph Jordan

Der 1,4-l-TFSI-Motor mit seinen 122 PS ließ uns antriebsmäßig nichts vermissen.

7,9 Liter betrug der Verbrauch im Redaktions-Querschnitt übers Jahr, bei großteils Stadt-Nutzung, was dem üblichen Einsatz eines Kleinwagens entspricht. Ausgestattet ist der A1 serienmäßig mit Start-Stopp-Automatik und einer Anzeige für den Verbrauchsanteil der Klimaanlage, was uns auf Dauer hinsichtlich der Temperaturwahl sensibilisiert hat.

Audi A1 1,4 TFSI S-tronic Ambition armaturen cockpit anzeige

Übermut auf den letzten Kilometern.

Dem dank S-tronic niedrig drehenden Motor beim sonoren Gebrummel im siebenten Gang zuzuhören war eine feine Sache. Überhaupt: Die Doppelkupplungs-Automatik ist nachgerade unverzichtbar für entspanntes, intelligentes Fahren. Das Losfahren lässt sich zwar nicht völlig ruck- und verzögerungsfrei vollziehen, mit einer alten Wandler-Automatik ist das aber gar nicht vergleichbar. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die Gänge per Lenkrad-Schaltpaddles einzulegen, was man anfangs eher nur aus Neugierde probiert, dann aus Fantasielosigkeit länger sein lässt, um mit der Zeit, wenn der A1 sich im Alltag völlig verankert hat, draufzukommen, wie gut sich nette Landstraßen verfröhlichen lassen, wenn man dem Rhythmus der Kurven über die Lenkrad-Schalter einen besonders geschmeidigen Groove verleihen und die 122 PS dabei bestens ausschöpfen kann.

Das eher straff abgestimmte Fahrwerk passt dann wunderbar, während es etwas hart über Fahrbahnnähte auf Autobahnen geht. Und weil der Audi schnelle Reisegeschwindigkeiten von 160+ locker längere Zeit durchhält, fällt das dann doch ein bisschen auf. Das ist ein kleines Manko in der sonst soliden Premium­haftigkeit des kleinformatigen Unterwegsseins, und eigentlich eine Erbsenprinzessinnen-Beschwerde in all der Sattheit rundum. Ausfälle und Reparaturen gab es genau null.

Am Ende noch ein Wort zum Finanziellen.

Unser Audi A1 war nicht billig. Das durfte er als Premium-Zwerg gar nicht sein (wofür stünde sonst das Adels-Prädikat). Und er hat übers Jahr etwas über ein Drittel seines Anschaffungswertes (28.808 Euro inkl. Extras) ­eingebüßt, bei normaler gebrauchsmäßiger Abnutzung, die den Fleck am Sitz, ungeschickterweise angeschrammte Felgen, einen Kratzer im Lack und die üblichen Steinschlag-Spuren miteinbezieht. Das Wohlgefühl, ein schönes, wertvolles und eben nicht nur in erster Linie praktisches Auto knappen Ausmaßes zu fahren, muss man sich leisten wollen, ohne es jemand weiterverrechnen zu können. So ein Auto verkauft man dann aber auch nicht nach einem Jahr.

Zum Dauertest-Einstieg des Audi A1

Die Rechnung

Wir waren mit dem Audi A1 26.333 Kilometer unterwegs. Als Grund­lage für die Versicherung dient der Mittelwert der mittels www.versichern24.at errechneten Versicherungstarife in der Stufe 9.

SERVICE

Das erste Service beim A1 ist je nach Verschleiß spätestens bei 30.000 km oder
2 Jahren fällig. Wir haben das Service etwas vorgezogen (25.550 km).
Service € 262,45

REPARATUREN

Kurz vor dem Servicetermin fiel das linke Tagfahrlicht aus. Wir ließen die Birne im Zuge des Service austauschen.
Kosten Glühlampe € 3,20

REIFEN

Bei unserem Nutzungsprofil haben wir etwa den Gegenwert eines Drittels der Winterreifen-Garnitur aufgebraucht (1.076,42 Euro inkl. Montage). Der Verschleiß der Sommerreifen ist in den Wertverlust eingeflossen.

ZUSTAND 

Laut ÖAMTC-Zeitwertschätzung ­liegt der Zeitwert des A1 exkl. Extras bei 61,60 Prozent des Neupreises und inkl. Extras bei 63,18 Prozent. Abzüge gab es für die um 10.709 km höhere Kilometerleistung. In der techn. Begutachtung war der A1 makellos.
Service-Kosten € 262,45
Reparaturkosten € 3,20
Reifenabnutzung € 358,81
2006,3 Liter Benzin
à € 1,35 (Jahresdurchschnitt) € 2.708,51
KFZ-Steuer € 435,60
Haftpflichtversicherung € 822,95

SUMME € 4.591,52

KILOMETERPREIS

ohne Wertverlust 0,174 Euro/km

WERTVERLUST 

Unser Audi A1 ­kostete zu Dauertest-­Beginn 28.808 Euro, inkl. Extras. Der aktuel­le Zeitwert beträgt laut ÖAMTC-Schätzung*) 18.200 Euro. Es ergibt sich somit ein Wertverlust von 10.608 Euro.

KILOMETERPREIS

mit Wertverlust 0,577 Euro/km

*) Das KFZ-Schätzgutachten wurde vom ÖAMTC erstellt. Preis: € 69,–. Das technische G­ebrauchtwagen-Gutachten kostet € 49,–.
Preise für ÖAMTC-Mitglieder.

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  • sylver

    Und der Swift Sport ist derart Premium, dass der A1 zu ihm gar nicht erst in Verhältnis gesetzt wird.

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