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Vorstellung: Audi A1

Hier passiert gerade etwas Wunderbares: Erstmals funktioniert beim Kleinwagen das Downsizing von Premiumansprüchen wirklich. Erste Eindrücke nach einer Ausfahrt mit Audi-Chef Rupert Stadler hinterm Steuer.

22.07.2010 Autorevue Magazin

Kleinwagen waren bisher ein äußerst schwieriges Terrain für Premium-Hersteller. In dieser Klasse gerät man nämlich schnell in eine üble Schere aus Qualitätsansprüchen und ­Kostenzwängen. Mercedes umging das Thema, in dem man sich beim Smart in ein originelles technisches Konzept flüchtete – mit überschaubarem wirtschaftlichen Erfolg. BMW versuchte es beim Mini mit Retro-Drolligkeit – was so gut aufging, dass Fiat bald die Idee mit dem Cinquecento ­kopierte. Was bisher fehlte, war ein Kleinwagen, der ohne ­konzeptionelle Ausreden und ­Designtricks ausschließlich nach der harten Währung der Pre­miumansprüche funktioniert.

Es lag eindeutig an Audi, sich da drüberzutrauen, schließlich verfügt man durch den Zugriff auf die VW-Regale über die besten Voraussetzungen. Die technische Basis teilt der A1 nahezu vollständig mit dem Polo, seit seinem Erscheinen Seriensieger bei Vergleichstests. Gleichteile und hohe Stückzahlen sparen Geld, das Audi vernünftig reinvestiert hat.

Am Rande des GTI-Treffens am Wörthersee ergab sich die Gelegenheit, eine Runde mit dem Audi-Chef Rupert Stadler hinterm Steuer zu drehen. Wir holten eines der Motiv-Autos von der Show-Bühne (die Hommage an die Rallye-Quattros, mehr darüber später) und stauten uns geduldig durchs Golf-Volk (ja, der A1 wird hier angenommen). Als wir Ge­gröle und Bass-Gewummer entkommen waren, machten wir erst Mal eine Runde ums Auto, und wir bekamen eine solide Mischung aus Dezenz und Spannung geboten: In maßstabsgerechter Verkleinerung verliert der Singleframe-Grill einiges jener Aggressivität, die bei größeren Modellen nicht nur positiv wahrgenommen wird. Die durchgezogene Sicke prägt die Seitenlinie und hat mit der Motorhaubenkante und den LED-Heckleuchten klar definierte Enden, auch am Heck herrscht bullige Klarheit. Insgesamt also sauberes No-Nonsense-Design, eine Linienführung, die es schafft, Qualität auszudrücken: Der A1 sieht aus wie ein kleiner Audi und nicht wie ein Kleinwagen mit vier Ringen im Kühlergrill.

In diesem Stil geht es im Cockpit weiter: Bei der Haptik von Bedienelementen und Oberflächen, aber auch bei der allgemeinen Qualitätsanmutung werden schlicht neue Maßstäbe gesetzt. In praktisch allen Details wurde auf den ohnehin schon überragenden Polo noch mal eins draufgelegt.
Einsteigen, losfahren: Am Steuer Audi-Chef Stadler, ­zuerst mal Fotograf Andi Riedmann auf dem Beifahrersitz, im Fond Presse-Chef und Journalist. Vollbesetzung also. Wir lernen: Selbst in den Zweitürer passen vier ausgewachsene Männer rein, aber sagen wir mal so: Das Ziel sollte greifbar sein. Wegen der coupéhaften Dachlinie hapert es hinten bei der Kopffreiheit, der viertürige Sportback wird das besser ­können.

Übers Fahren können wir nicht berichten, aber große Überraschungen sind da ohnehin nicht zu erwarten. Die Abmessungen orientieren sich am Polo, auch das Fahrwerk samt der Verbundlenkerachse hinten wurde übernommen, wirkte aber im A1 einen Tick straffer abgestimmt. Selber am Steuer sind wir dann in der nächsten Autorevue.

Das Motorenprogramm setzt zwei Stufen höher an als beim Polo: Den Einstieg bildet der moderne Turbo-Vierzylinder-Benziner 1,2 TFSI mit 86 PS und Fünfganggetriebe. Den 1,4-TFSI mit 122 PS wird es mit Sechsgang-Schaltung oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG heißt bei Audi S tronic) geben. Der ­bereits aus Polo und Golf bekannten 1,6-Liter-Common-Rail-Diesel wird mit 90 PS und 105 PS angeboten werden.Start-Stopp-Automatik und Bremsenergie-Rückgewinnung sind schon an der Basis serienmäßig, beim sparsamsten ­Modell, dem 90-PS-TDI, ermöglicht das einen Norm-Durchschnitt von 3,8 Liter.

Der Einstieg wird in Österreich bei 16.500 Euro passieren. Da sollte man aber zumindest das Komfortpaket – u. a. wegen der Alufelgen und Klimaanlage – fix einrechnen, das etwa 2.000 Euro draufschlägt. Realistischer wird aber der A1 in der Gegend von 20.000 Euro sein, denn die Versuchungen der Aufpreisliste sind vielfältig. Hochauflösendes Farbdisplay, MMI-Navi, Lederausstattung, 180-Watt-Soundsystem – es sind praktisch alle Features aus den höheren Ligen zu haben.

Dann wäre da noch das weite Feld der Individualisierung: Beim Zweitürer kann der Dachbogen in Kontrastfarbe gewählt werden (Weiß, Silber, Grau, Schwarz, soll etwa 400 kosten), außerdem können Gimmicks wie farbige Luftdüsen oder ­Klebe-Tattoos geordert werden. Der hier abgebildete Audi-Sport-A1 zeigt, was sich mit Klebefolien alles anstellen lässt, und wird auch so zu haben sein.
Schon vor dem Verkaufsstart im Sommer stehen die Zeichen auf Familienzuwachs, denn ohne Modellfamilie geht heute gar nichts mehr, und schon gar nicht in einer so zukunftsträchtigen Klasse: Den Anfang wird gegen Jahresende der fünftürige Sportback machen, ein S1 ist ebenfalls schon beschlossene Sache, wobei man sich wohl eher am kommenden Polo R (ca. 210 PS) als am GTI (180 PS) orientieren dürfte. Außerdem dürfen wir einem Cabrio – natürlich mit Stoffdach – die Daumen halten. Da ist nämlich laut Rupert Stadler noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

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