Mitsubishi iMiev Exterieur Statisch Seite
Atomstrom, ein tragbares Konzept?
 

Atomstrom nein tanke

Wenn Kernkraft ihr hässliches Gesicht zeigt – wie sieht dann die Zukunft des Elektroautos aus?

03.05.2011 Autorevue Magazin

Fast wäre uns ja Atomenergie, also Energie aus Atomkraftwerken, zur Grünen Energieform e. h. geraten. Nicht uns, genau ­genommen, sondern jenen, die tatsächlich glaubten oder immer noch daran glauben, dass es sich bei Atomkraft um eine vor Menschen und Tieren vertretbare Energieherstellung handelt.

In gewisser Weise scheint die Katastrophe von Fukushima ein echter Umkehrpunkt zu werden. Tatsächlich sieht es so aus, als wären zumindest in Deutschland die Entscheidungen für ein ­Leben ohne Atomkraftwerke gefallen. Sog- und Folgeeffekte rundum sind denkbar. (Österreich konnte sich da nicht so durchsetzen.) Anno 2020 soll es so weit sein. Im Jahre 2020, so die bisherigen Prognosen, soll es auch einen signifikanten Anteil von Elektroautos in Deutschland geben. Zitat aus der WELT vom 20.8.2009: „Die Bundesregierung will Deutschland zum ,Leitmarkt‘ für Elektroautos machen. Bis 2020 soll eine Million solcher Fahrzeuge auf den Straßen rollen. Das kündigten die ­Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Wolfgang ­Tiefensee (SPD) an, nachdem das Kabinett den Nationalen ­Entwicklungsplan Elektromobilität beschlossen hatte.“

Damals war die Welt noch in Ordnung. War sie nicht. Aber es war ein knappes Jahr bis zur Ölkatastrophe im Golf von Mexico (erinnert sich noch wer?), und Atomkraft hatte zwar immer etwas Problematisches an sich, nämlich einen Rattenschwanz von Gegnern, aber im Grunde konnte man Widerstand im ideologischen Gedankengut nervöser Anarchos, Realos, Spontis und ­anderer Berufsdemonstranten zwischengelagert wissen. Kleine und mittlere Störfälle und ihre offenbare Bewältigung schienen diese Energieform nur zu stärken. Tschernobyl, ein Einzelfall, veraltete Technik, chaotisches Management. Aber aus der ­Kontrolle ­geratene „seriöse“ Kraftwerke wie Three Mile Island (1979), ­Tokaimura (1999), Forsmark (Schweden, 2006), Tricastin (Südfrankreich, 2008) sind aus dem kollektiven Gedächtnis ­verschwunden oder wurden gar nicht erst dort untergebracht. Wer weiß noch, dass letzten Juli Krümmel schnellabgeschaltet werden musste und seither stillliegt (für immer)?

Jetzt aber scheint sich wirklich eine Wende abzuzeichnen; mit großem Interesse sehen wir nach Deutschland, die dortige Entwicklung ist auch maßgeblich für den Verlauf der Elektroauto-Zukunft in Österreich. (U. a., weil wir Strom aus Atomkraft mitbeziehen, wenn auch nur rund sechs Prozent, fallweise aber dreißig Prozent vom Gesamtimportanteil.)

Da tut sich eine Schere auf: Ein Viertel der jährlichen deutschen Bruttostromleistung wird durch Atomkraft hergestellt. Andere Quellen sagen: 12 Prozent.

Angebrachte Skepsis vor den großen Zahlen. So oder so: Wie geht sich das alles aus? Einerseits vernehmen wir, dass die aufkommende Individual-Elektromobilisierung praktisch aus der Portokasse der Stromspitzenproduktion abgezweigt werden kann. Anderswo lesen wir von fünfzig weiteren Braunkohlekraftwerken, um eine annähernde E-Vollmotorisierung in Deutschland gewährleisten zu können.

Jetzt, in neuem Lichte, hat man überhaupt alle Hände voll damit zu tun, die Energie bereitzustellen, auf deren Abrufbarkeit man rechtmäßigen Anspruch zu haben meint. Dazu interessiert eine Meldung, die im aufkommenden innerpolitischen Hickhack um Energiebereitstellung wenig Beachtung fand: In Deutschland könnten durch reine Effizienz- und Sparmaßnahmen zehn Atomkraftwerke eingespart werden.

In diese Kerbe schlägt auch Prof. Dr. Helmut Haberl vom ­Institut für Soziale Ökologie. Er meint, dass das Elektroauto durchaus ein integrativer, synergetischer Teilfaktor einer erneuerbaren Energieform sein könnte, abhängig aber davon, wie die Infrastruktur der Akku-Aufladung aufgebaut ist. Denn das Hauptproblem aller erneuerbaren Energieträger ist ja, dass sie nicht ständig zur Verfügung stehen, dass es also nicht nur um das Wieviel, sondern auch um das Wann geht. Großes Thema der Zukunft: Energiespeicher, die den erwirtschafteten Strom in potenzielle Energie verwandeln. Also, erster Gedanke: Wasser hochpumpen, bei Bedarf über Stromturbinen ablassen. Dr. Haberl kann sich vorstellen, dass Akkus, die zum Laden am Netz hängen, auch in gewisser Weise als Zwischenspeicher verwendet werden könnten. Das hängt aber von dem Modell der Stromtankstelle ab.

Am besten wäre demnach die Akku-Bereitstellung im großen Stil. Haberl: „Plug-In wäre ungünstiger, da werden die Ladezeiten kritischer sein, und man erzeugt Spitzenstrom­bedarf. Das können übrigens auch Kernkraftwerke nicht gut. Besser, man stellt nachts geladene Akkus zur Verfügung. Erneuerbare Energie wird schwierig. Fazit: Es wird nicht die Silver Bullet geben, sondern eher einen Angebotsmix. Dabei spielt Strom auch wegen des besseren Wirkungsgrades eine interessante Rolle, die Energieausbeute ist gegenüber einem Diesel um zwei Drittel besser, nicht zuletzt dank Rekuperation.“ 

Mehr zum Thema
pixel