Aston Martin Vanquish Coupé Sportwagen
Ein Auto um 300.000 Euro, das trotzdem sympathisch ist. Das muss man auch mal würdigen.
 

Vorstellung: Aston Martin Vanquish 2013

Hier also der beste Aston Martin aller Zeiten (abgesehen vom One-77). Und einer der schönsten.

28.01.2013 Autorevue Magazin

Aston Martin, das muss man auch einmal würdigen, ist eine Marke, die Autos um 300.000 Euro baut und die trotzdem sympathisch ist – von den Facharbeitern, praktisch alles Engländer, die in englisch-ungeheizten Räumen werken, bis hinauf zum CEO Ulrich Bez, ein Schwabe, mit dem eine Stunde im Lift eingesperrt zu sein keine Schreckensvision wäre (man stelle sich das einmal mit Dieter Zetsche vor!).

Jetzt haben die begeisterten Engländer – Aston Martin ist britisch bis auf die Knochen der Besitzer – ihr neuestes Auto vorgestellt, es ist der beste Aston Martin aller Zeiten, wie sie sagen. Er sieht im Ganzen zwar aus wie fast alle Astons seit dem DB7, aber die wollen das so, denn es hat Tradition. Und sowieso sind tausend ­Details und vor allem die Kraftlinien und Muskelspiele in der Karosserie des Vanquish so delikat geworden, dass es eine Freude ist und wir ohne Weiteres von einem ganz neuen Auto sprechen dürfen. Der Einfluss des mittlerweile ausverkauften One-77 (1,5 Mil­lionen Euro) wird sichtbar, nicht zuletzt im Innenraum, aber das ist ja kein Schaden.

Jedes Karosserieteil besteht aus Kohlefaser. Die ist erstens leicht (obwohl der Vanquish wegen des Luxuriösen dann doch 1800 Kilo wiegt), zweitens gut zu verarbeiten und drittens steif, also verwindungsresistent. Diese Resistenz zeigte der Vanquish auf ersten Testfahrten über die verwindungsprovokativen englischen Landstraßen durchaus, und in der milden Fahrwerks­einstellung obendrein auch noch einigen Komfort. Darum geht es hier auch, denn der Vanquish ist ein Gran ­Turismo. Wie er sich auf der Renn­strecke macht, ist den Kunden wurscht. Hauptsache edel, gut und britisch.

Aston Martin Vanquish Coupé Sportwagen

Sich von anderen Super-GTs abzuheben fällt nicht ganz leicht, denn alle schöpfen alles aus und können alles. ­Sagen wir einmal, die tiefen Teppichböden sind britisch. Dass Doppelnähte nicht immer hundertpro parallel sind, auch (und mein Gott, wie egal ist das, vermutlich sogar absichtlich, wegen dem Handwerklichen). Der Schlüssel aus Glas, den es auch für an­dere Astons gibt, gefällt, wirkt jedoch etwas gewollt. Das Touch-System für Klima und andere Einstellungen ist nicht ganz ideal, denn es funktioniert nicht immer sofort, und es gibt auch keine sensorische Rückmeldung. Normale Knopferln sind und bleiben besser.

Wie aber das Leder und alles Drumherum aufgebracht und zurechtgemacht ist, übertrifft das, was zum Beispiel aus Deutschland kommt, hinsichtlich der souveränen Noblesse. Gute Corporate Identity ist natürlich der handgefertigte Motor. Sechs Liter Hubraum, zwölf Zylinder, neuer Zylinder­kopf, neue doppelte variable Ventilsteuerung. Das klingt sehr erwachsen und kein bissl schmutzig, also Sound­fetischisten mit Hang zur ­Hunderäude werden kaum auf ihre Kosten kommen. Es hätte auch zum festen Charakter eines 300.000-Euro-GTs nicht gepasst. Der Motor ist kein Leichtgewicht, die Verteilung der Kilos vorne-hinten liegt ungefähr bei 50:50. Das Fahren mit dem Vanquish ist ziemlich lustig, und er ist sehr entspannt sehr schnell. Nicht nerven uns Spurhalteassistenten (das Glumpert mag Herr Bez nicht), nicht blinkende Kaffeetassen und nicht Sitze, die uns einklemmen. Zu viel Seitenhalt wäre unbritisch. Die Heizung des Vanquish allerdings ist unbritisch, denn sie funktioniert und begleitet gut die wohlige Atmosphäre im Auto.

Video zum Aston Martin Vanquish:

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