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Der ideale Sportwagen, wie ihn ein Kind zeichnen würde, sieht so aus.
 

Vorstellung: Aston Martin Vanquish

Das kommende Top-Modell von Aston Martin wurde enthüllt: Supersportler mit Noblesse und mäßig überraschendem Design.

12.09.2012 Autorevue Magazin

Bei Aston Martin machen sie es jetzt wie überall, sie lassen ein neues Modell stückweise an die Öffentlichkeit. Das ist insofern übertrieben, als das Interesse an einem neuen ­Aston Martin dort, wo es vorhanden ist, immer gleich hoch ist – nämlich sehr. Und Laufkundschaft haben die eh nicht so. Naja, jedem seine Folklore.

Der neue Spitzen-Aston, jetzt von uns als Vanquish ­geoutet, wurde als „Lagonda Project AM 310“ Ende Mai auf dem Concorso d’Eleganza Villa d’Este hergezeigt, mit „nicht anfassen!“ Die Auto­revue durfte dem noblem Stück als einziges österreichisches Medium schon kurz zuvor in einem englischen Fotostudio nähertreten und darin auch Platz nehmen. Dabei zeigte sich, dass der Vanquish so ziemlich der luxuriöseste Supersportler überhaupt sein dürfte, zumindest im gesellschaftlich breiten Bereich unter einer Million Euro.

Und er erfüllt das Bedürfnis der Fans nach einem Hauch One-77. Dieser ärgste aller Astons wurde ja nur in einer Auflage von 77 Stück verkauft, ist nun ausverkauft, das letzte Stück wird demnächst ausgeliefert. An jemanden, dem das 1,4 Millionen Euro wert ist.

Der neue Vanquish nun bezieht vor allem im Design wichtige Impulse vom One-77: Die stark ausgestellten Rad­kästen mit ihrer muskulösen Anmutung, der Kühlergrill, die Heckleuchten und im Innenraum die Mittelkonsole im „Wasserfall-Design“ folgen der „One-77 Design DNA“ (DNA = Desoxyribonukleinsäure), wie man bei Aston Martin stolz ist, betonen zu dürfen. Das Lenkrad ist überhaupt identisch.

Das Auto steht tatsächlich breit und von starken Muskeln unterspickt da – eine wunderschöne Skulptur. Es ist sofort als Aston Martin zu erkennen, was auch heißt: Im Prinzip sieht der Vanquish aus wie alle anderen Aston Martins. Der Designchef heißt seit 2005 ­Marek Reichmann und war schon für den One-77 verantwortlich, hatte zuvor unter anderem auch am Rolls-Royce Phantom mitgearbeitet.

Der Vanquish basiert auf der vierten Generation der „vertical/horizontal architecture“, der Plattformstrategie, die auch die üppige Verwendung von Kohlefaser inkludiert: Wie beim One-77 besteht die Karosserie aus diesem heilsbringenden Material. Das bedeutet grundsätzlich einmal Gewichtseinsparung, verbunden mit mehr Steifigkeit.

Der Vanquish ist formal der Nachfolger des DBS, der seit 2007 auf dem Markt ist. Im Zuge der Evolution, die hier passiert ist (keine Revolution), wurde das Auto länger und breiter und gibt daher auch innen mehr Platz her – zum Beispiel einen Kofferraum, der zehn Liter mehr Volumen hat als der des Bentley Continental GT, ein 2300-Kilo-Ziegel.

Ebenfalls überarbeitet wurde der Zwölfzylinder, zumal ist er jetzt um zehn Kilo leichter. Vergrößerte Drosselklappen, Ansaugkrümmer in „big wing“-Form für besseren Durchlass, optimierte variable Ventilöffnungszeiten, überarbeitete Brennräume und ­leistungsgesteigerte Einspritzung führen schließlich zu mehr Leistung und Dreh­moment: 573 statt 517 PS, 620 statt 570 Nm. Man darf sich eine Beschleunigung von Null auf Hundert von um die vier ­Sekunden erwarten und eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Aston Martin betont eine Gewichtsverteilung vorne/hinten von 50:50, dank Transaxle-Bauweise: das ­Getriebe sitzt hinten.

Dieses Getriebe ist nach wie vor die Sechsgangautomatik aus dem DBS, allerdings auch die verbessert, die Gangwechsel sollen um bis zu 37 Prozent schneller erfolgen. Der kommende Vanquish wird sich preislich in überholender Weise am DBS orientieren, der derzeit 329.000 Euro kostet, wird also der teuerste aller Aston Martins sein – ­abgesehen vom Zagato. Für den braucht man mindestens 420.000 Euro – und einen guten Draht zum Firmenchef.

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