aston martin v12 vantage s vorne front seite
FAUSTKEIL Perfekte Balance im Dastehen und Fortfahren.
 

Vorstellung: Aston Martin V12 Vantage S

Mit der Wucht von Bergwerkshydraulik, chronometerfein ins Gehäuse gefügt, katapultiert sich der intensivste und stärkste Aston Martin aller Zeiten mitten in unsere Sonntagsruhe.

08.12.2013 Autorevue Magazin

Klappt man die Sitzlehne vor, findet man einen Schlaufen­haken für Jacken und Sakkos.

Hm. Beginnt man so den stärksten und schnellsten ­Aston Martin aller Zeiten zu erklären?

Ja doch. Denn dieser chronometergleich von Intelligenz, Kraft und HiTech durchdrungene Faustkeil kennt keine ­absichtslosen Stellen und keine Geringheiten. Hier geht ALLES zur Sache, also auch der Kleiderhaken, der völlig zu Recht verdeutlicht: Überflüssige Knitterware bitte ablegen, fliehkraftgerecht abhängen ­lassen, wo sie nicht herum­rutschen kann, denn hier wird richtig Autogefahren. So gelenkfest, wie man einen Schischuh verschnallt, verfügt man sich in diese Haupt­granate.

aston martin v12 vantage s sitze cockpit innen innenraum

EINGESCHALT Klassische Cockpit-Aufbereitung und extraviel Ablageplatz auf der Mittelkonsole: Kein Schalt-Shifter, nur Knopf-Vorwahl plus Paddles – und die Handbremse liegt links am Schweller.

Tiefes Sitzen, hoch­gestelltes Lenkrad, arretierte Paddles.

Jener Passteil, der aussieht wie etwas, worum sich Spionage-Thriller drehen, in diesem Fall also der Startschlüssel, wird gegen leichten Federdruck in den Schacht geschoben. Alle Systeme gehen in Lauerstellung; die Zeiger ziehen einmal voll durch, ehe sie sich in die Startpositionen verfügen. Per Startknopf erwacht der Motor. Herabstürzende Naturgewalten von umliegenden Gipfeln. Damit ist jedentags auf Hörweite die Sonntagsruhe gestört, denn das böse Fauchen mit Getös dringt tief in jedermanns Seele ein; hier entladen sich Blockaden, woran Therapiegemeinschaften jahrelang hätten arbeiten können, mit einer einzigen Eruption. Faszinierend, wie weit es die Menschheit gebracht hat. Abgesehen vom CERN ist dies wahrscheinlich die gelungenste Annäherung an Urknall und Gottesbeweis. (Was man, um gerecht zu sein, einigen Supersportwagen zurechnen kann. Denn wo Klasse herrscht, verschwinden Häuslichkeiten.)

aston martin v12 vantage s heck hinten seite

Ort der Handlung: Palm Springs, nach Las Vegas vielleicht die mondänste Oase ­Kaliforniens.

Hier, in einem dekorativen Wüstengärtchen, hat man uns die Freude gemacht, die karosseriefreie Essenz des neuen V12 Vantage S als naturgeschichtliches Modell auf die Räder zu stellen: Motor, Transaxle, Siebengang-Getriebe, Lenkrad und Fahrwerk. Massiv wie Bergwerkshydraulik. Faszinierend gleißt das ­Gerippe im Scheinwerferlicht.

Fast hätten wir übersehen, dass daneben noch das fertige Auto unter der schwarzen Stoffhülle lauert. „Wir haben unseren größten und stärksten Motor in unser kleinstes Auto gesteckt“, sagt der Technikchef. „Es war durchwegs Millimeterarbeit und eine tolle Herausforderung für unsere Ingenieure.“ Dann zieht er die Hülle vom Auto, als gäbe es eine Zaubernummer, und tatsächlich, die Überraschung ist groß: Wir blicken auf den ­Vantage, der sich da verdrossen duckt – dennoch ist es kaum vorzustellen, dass dieses Skelett daneben, vor allem dieser ungeheure 6-Liter-Zwölf­zylindermotor, unter die Haube passt. Dies ist momentan die verblüffendste Illusion, seit David Copperfield durch die Chinesische Mauer schlüpfte.

aston martin v12 vantage s motor

BÜGELPRESSE Geht das auch wieder zu? Die präzise Einarbeitung des 6-Liter-V12 mit den extragroßen Big Wing Air Manifolds (Ansaugluftzuführung per Ram-System) lässt keine Handbreit Platz.

Der Motor des V12 Vantage geht auf eine Cosworth-Kon­struktion zurück.

Er ist aber dank neuen Blocks und neuer Köpfe als eigenständiges Triebwerk zu verstehen. Dementsprechend wurde auch das Engine-Management-System (von Bosch) völlig neu erstellt. Dies geschah auch in Hinblick auf das neue Sportshift-Getriebe von Graziano, dessen Zahn­räder von Magneti-Marelli-Aktuatoren in Position geschossen werden. Alles sehr kompakt und leicht – gegenüber einer herkömmlichen Handschaltung konnte man gleich 25 Kilogramm ein­sparen.

aston martin v12 vantage s schalter knopf sport
OVERKILL Selbst Aston-Boss Bez findet die Sportstufe auf Normalstraßen übertrieben.

Endlich aufs Gas.

Hier in den Bergen herrschen noch Urzeit-Gesetze. Freie Fahrt für alle. Langsame werden per Hinweistafel gebeten, in die Buchten auszuweichen, was erstaunlich korrekt funktioniert. Die 573 PS bekommen ihr Recht, was jetzt schrecklich arrogant klingt, tatsächlich aber mit herzlicher Fahrfreude zu tun hat, mit der unnachahmlichen Balance, die das Gesamtwerk Aston Martin durchzieht. Selten sehen Autos genau so aus, wie sie sich anfühlen. Brisant, aber elegant. Einziger Makel: Die Sportshift-Schaltung kommt nicht an ein DSG heran, beim Schalten ­unter Last werden Fahrer und Beifahrer in die Nickpause ­gezwungen. Besser, man geht beim (durch Paddles gesteuerten) Hochschalten vom Gas, wie man es beim Auskuppeln täte. Damit hilft man dem Getriebe, alles wird flüssig. Das hochklassige Fahrwerk ist auf Zivilstraßen nicht zu fordern; DSC bleibt weit vom Eingriff entfernt, kann sich höchstens bei schlechten Straßen­kondi­tionen bewähren. Was wir aber jetzt schon sagen können: Der Schlaufenhaken hält den Anforderungen tadellos stand, Sakkos werden quasi fliehkraftgebügelt abgenommen.

  • Ferryman

    Nun, ich besitze den Wagen und würde mich nicht als ‚Reich‘ betiteln.
    Der Wagen hat das notwendige Understatement und die notwendige Kraft, die Spaß macht.

    A. Solche Artikel sind super! Bitte mehr davon
    B. Ob Nevada, Palm Springs, Las Vegas….who cares, es geht um das Auto :)

  • Peter Hawlicek

    „Ort der Handlung: Palm Springs, nach Las Vegas vielleicht die mondänste Oase ­Kaliforniens.“
    ??????????????????
    Sorry – Las Vegas legt in Nevada.
    Aber sonst super!

    Liebe Grüße
    Peter

  • Rudolf Rauhofer

    Es ist nur eine Minderheit von sehr reichen Leuten die
    dieses Auto besitzen werden. Für eine Veröffentlichung
    dieses entbehrlichen Autos ist der Schreib-Platz zu schade der dafür verwendet wird. tv PS-das Automagazin zeigte am
    12.12. den Strassen-tauglichen Porsche… mit über 1000 PS
    um einen unvorstellbaren Preis von 770.000 Euro! Das der
    Großteil der Deutschen Auto verrückt ist, ist hinlänglich
    bekannt. Absolut entbehrlich sind solche Beiträge.

  • hubbie

    Las Vegas – Nevada, isn´t?

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