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Aston Martin DB4, das ewige Vorbild

Durchschnittliche Fahrleistungen, überhitzende Motoren und fragwürdige Kurvenlage. Aber: Er ist wunderschön, der Aston Martin DB4.

26.09.2016 radical mag

Mit den Modellen DB2 und DB2/4 hatte sich Aston Martin einen guten Ruf geschaffen. Es war Ende der 1950er Jahre aber an der Zeit für das kleine, aber feine Unternehmen des Traktoren-Produzenten David Brown, einen Schritt weiter zu gehen. Denn es gab unterdessen schon einige Hersteller, die mit GranTurismo-Fahrzeugen Erfolg hatten. Ferrari, Jaguar, aber auch aus Deutschland wurden die reichen Kunden etwa mit einem Mercedes 300 SL oder, viel seltener, einem BMW 507 bedient. Und auch in den USA, dem schon damals wichtigsten Markt für Aston Martin, gab es unterdessen einige ganz ernsthafte Sportwagen, allen voran die Corvette.

Der noch vor dem zweiten Weltkrieg vom legendären W.O. Bentley konstruierte 2,6-Liter-Reihen-Sechszylinder des DB2 (der im DB2/4 dann schon auf 2,9 Liter Hubraum aufgebohrt worden war) brauchte allerdings dringend eine Auffrischung.

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© Bild: RM Auctions

Von außen sah das neue Aggregat praktisch gleich aus wie die Bentley-Konstruktion. Doch der gebürtige Pole Tadek Marek hatte eine komplett neue Maschine gezeichnet – wieder einen Reihen-Sechszylinder, doch mit 3,7 Liter Hubraum (3670 Kubikzentimeter, um genau zu sein) und zwei obenliegenden Nockenwellen, ganz aus Alu.

Der Motor leistete in der ursprünglichen mit SU-Doppelvergasern (HD8) ausgerüsteten Version 240 PS bei 5500/min – das war doch ein entscheidender Fortschritt gegenüber den 2,9-Liter. In seiner stärksten Straßen-Variante (bekannt als DBB) kam er nur auf 195 PS. Doch das Marek-Konstrukt hatte einen kleinen Nachteil: es neigte zum Überhitzen.

Doch weder der neue Marek-Motor noch die vier Dunlop-Scheibenbremsen (die später durch Girling-Scheiben ersetzt wurden) waren der Höhepunkt des neuen Modells, sondern das Design.

Italienisches Design für den Aston Martin DB4

Entstanden war es bei Carrozzeria Touring in Mailand. Eine erste Zusammenarbeit zwischen Touring und Aston Martin hatte es ja bereits beim DB2/4 gegeben. Damals waren drei außergewöhnliche Spyder gebaut worden. Doch was die Italiener mit dem DB4 schufen, das wurde ein Meisterwerk für die Ewigkeit.

Aufgebaut auf einem Rohrrahmen war der DB4 sowohl italienisch-elegant als auch englisch-sportlich – ein großartiger GranTurismo. Der Rohrrahme war  typisch war für Touring- und bekannt als Superleggera-Bauweise und mit einer Alu-Haut bekleidet. Die DB4 wurden aber nicht wie sonst üblich bei Touring-Konstruktionen in Mailand gebaut, sondern bei Aston Martin in Newport-Pagnell. Wofür David Brown Lizenz-Gebühren nach Italien überweisen musste. Das Chassis war eine Eigenkonstruktion der Engländer, für die Harold Beech verantwortlich gezeichnet hatte. Der Aston Martin DB4 wurde 1958 auf der Pariser Motorshow vorgestellt – und nicht, wie oft geschrieben in London.

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© Bild: RM Auctions

Gebaut wurde der DB4 zwischen 1958 und 1963, es entstanden insgesamt 1110 Exemplare, davon 70 Cabrios. Letztere gab es erst ab 1962. Deren Design entstand nicht in Mailand, sondern bei Aston Martin selber. Die Kenner und Liebhaber des DB4 unterscheiden fünf verschiedene Serien, die sich nur durch Kleinigkeiten unterschieden.

Etwa neue Fensterrahmen beim Series II (die Series I haben keine Fensterrahmen), einem geänderten Frontgrill beim Series IV oder der verlängerten und erhöhten Karosse beim Series V. Diese Änderungen wurden dann auch für den DB5 übernommen.

Außergewöhnliche Fahrleistungen bietet der Aston Martin DB4 nicht

Das Problem des überhitzenden Motors ging Aston Martin ab Series II mit einem vergrößerten Ölkreislauf an. Was nicht half. Einen Ölkühler gab es nur gegen Aufpreis. Erst ab Series IV war er dann Standard.

Der DB4, 4,5 Meter lang, 1,68 Meter breit, 1,33 Meter hoch, war mit seinen 240 PS und einem Leergewicht von 1250 Kilo auf dem Papier zwar für die damalige Zeit richtig gut motorisiert, doch seine Fahrleistungen waren nicht außergewöhnlich gut.

„The Motor“ schaffte 1960 zwar eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 224 Stundenkilometer, doch für den Sprint von null auf sechzig Meilen (96 km/h) brauchte der Engländer 9,3 Sekunden. Geschaltet wurde über das hauseigene 4-Gang-Getriebe.

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© Bild: RM Auctions

Schon 1959 brachte Aston die GT-Version mit 302 PS. Es gab diesen Motor mit 3670 Kubikzentimetern Hubraum, aber auch mit 3750 Kubikzentimetern. Neu war eine Doppelzündung, die drei Weber-Doppelvergaser (45 DCOE) und eine auf 9,0:1 erhöhte Verdichtung. Der GT war fast 250 Stundenkilometer schnell und schaffte den Paradesprint in nur knapp über sechs Sekunden. Der Radstand wurde verkürzt, die meisten GT hatten hinten keine Sitze – und wurden für den Renneinsatz präpariert.

Doch auch diese GT waren chancenlos gegen den gerade eingeführten Ferrari 250 GT, also musste noch etwas her – und so entstand ab 1960 der Aston Martin DB4 GT Zagato. Noch eine ganz spezielle Variante entstand auf Basis des DB4: der viertürige Lagonda Rapide.

Doch diese Wagen wurden nur auf Bestellung gebaut und blieben entsprechend selten. Als der Rapide 1964 auslief, ließ Aston Martin die Marke Lagonda sanft entschlafen, vorerst zumindest.

So fährt sich ein Aston Martin DB4

Das Fahrvergnügen in einem DB4 ist großartig. Auch wenn es heute leider kaum mehr ganz originale Exemplare gibt (sehr viele DB4 wurden auf GT- oder Vantage-Spezifikationen umgebaut), so hatten wir doch auch schon das Vergnügen mit der ursprünglichen 240-PS-Version (mit einem nicht originalen, aber halt sehr wirkungsvollen zusätzlichen Ölkühler).

Der Sound ist ein Gedicht, ein wohliges Brummeln bei tiefen Drehzahlen und „beautiful noise“ wenn man dann höher dreht. Diese Reihen-Sechszylinder sind wirklich eine Spezies für sich. Das Drehmoment ist anständig, doch gegen oben passiert dann nicht mehr viel. Und so richtig grob darf man den Engländer auch nicht in die Kurve hauen, die dünnen Gummis sind dafür nicht geschaffen.

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© Bild: RM Auctions

Aber dem gepflegten Cruisen ist der Aston Martin DB4 nicht abgeneigt, wie sich das für einen englischen Gentleman gehört. Seine Domäne ist die Landstraße, enge Kurven mag er nicht besonders (die Lenkung ist für heutige Verhältnisse auch sehr schwergängig), auch ist das originale 4-Gang-Getriebe nicht gerade das, was man knackig nennen würde.

Aber er ist halt: wunderschön. Auch innen. Die Sitze bieten kaum Seitenhalt, doch das ist nicht so wichtig, man fühlt sich trotzdem wohl, und der Fahrer kann sich ja am riesigen Lenkrad festhalten. Festhalten muss man sich allerdings auch bei den Preisen die für diese DB4 unterdessen bezahlt werden müssen. Unter 250.000 Euro geht nichts mehr. Die GT werden zu siebenstelligen Beträgen gehandelt.

Und übrigens: nein, ein DB4 hat nie in einem James-Bond-Film mitgespielt. Das war dann der DB5.

Vielen Dank an Peter Ruch von radical-mag.com

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