Mitarbeiter im Porsche Werk Stuttgart-Zuffenhausen am Produktionsband
Mitarbeiter von Porsche erhalten bei einer Stunde Arbeit weniger dennoch den gleichen Lohn
 

Arbeitszeitreduktion bei Porsche-Mitarbeitern

Aufgrund der hohen Produktivität der Stuttgarter Autobauer wird die Wochenarbeitszeit in der Produktion bei vollem Lohnausgleich um 1 Stunde gesenkt. 3.500 Arbeiter sind betroffen.

21.10.2013 APA

 

Die VW-Tochter Porsche hat – im Vergleich zu anderen Autobauern – ein Luxusproblem. Mit dem Anstieg der Nachfrage ist auch die Produktivität enorm angestiegen. Damit nun nicht gleichzeitig auch der Stress der Beschäftigten im Stammwerk ansteigt, wird ab Dezember eine Stunde weniger gearbeitet werden – der Lohn bleibt jedoch gleich. Der Betriebsrat will nun für das gleiche Recht in Leipzig kämpfen.

Arbeitsverkürzung zur Stressreduktion

Am Stammsitz des Autobauers in Zuffenhausen werde die Wochenarbeitszeit für 3.500 Mitarbeiter in der Produktion bei vollem Lohnausgleich auf 34 Stunden reduziert, sagte Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück der „Automobilwoche“. „Durch die Produktivitätssteigerung in der Produktion in Zuffenhausen nimmt der Stress meiner Kolleginnen und Kollegen zu. Dafür brauchen wir ein Ventil. Das haben wir mit der Arbeitszeitverkürzung in Zuffenhausen erreicht.“

Produktivität stark gestiegen

Vor vier Jahren seien am Tag 142 Autos in Zuffenhausen gefertigt worden, inzwischen seien es mehr als 200 Einheiten. Zwar seien neue Mitarbeiter eingestellt worden, andererseits sei aber auch die Produktivität enorm gestiegen, sagte Hück.

Flexibilisierung der Arbeitszeit als Ziel

Die Verkürzung bei der VW-Tochter wurde bereits im Dezember vergangenen Jahres angekündigt – sie sei Teil eines umfangreichen Pakets zur Flexibilisierung der Arbeitszeit, sagte Vorstandschef Matthias Müller damals. Im September wurde die Arbeitszeit nun bereits auf 34,5 Stunden reduziert, der zweite Schritt auf 34 Stunden soll im Dezember erfolgen.

Ungewöhnlicher Schritt

Der Schritt bei Porsche ist eher ungewöhnlich. In der Regel wird die Arbeitszeit bei Krisen verkürzt. So reduzierte Volkswagen 1994 die Arbeitszeit drastisch und führte die Vier-Tage-Woche mit einer Regelarbeitszeit von 28,8 Stunden pro Woche ein. Damit wurden Massenentlassungen verhindert. 2006 kehrte der Autobauer im Zuge der Sanierung der Kernmarke VW zur Fünf-Tage-Woche zurück.

Ost-West Gefälle

Der Porsche-Betriebsrat will die Arbeitszeitverkürzung nun auch im Werk in Leipzig vorantreiben – dort arbeiten die Mitarbeiter nach Angaben von Hück derzeit 38 Stunden pro Woche. Zudem wolle er sich auch für eine Betriebsrente in Leipzig einsetzen, sagte Hück der „Stuttgarter Zeitung“ (Montag). Die unsichtbare Mauer zwischen Ost und West müsse eingerissen werden.

Porsche auf Erfolgskurs

Porsche ist einer der profitabelsten Autohersteller weltweit und derzeit auf Kurs zu neuen Absatzrekorden: Zwar stieg die Zahl der Auslieferungen im August weltweit nur noch um 5,2 Prozent auf 11.481. In den Monaten zuvor hatte der Sportwagenbauer aber weltweit zweistellige Steigerungen verbuchen können. „Wir gehen heute davon aus, dass wir zum Ende des Jahres einen Absatz von gut 150.000 erreichen werden“, sagte Porsche-Chef Müller Anfang September.

 

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