BMW 1er M Coupe Faber Vespa Ape Roller
 

Die Relativität der Geschwindigkeit

Im alttäglichen Straßenverkehr mit einer APE TM Kasten von Andreas Icha.

02.06.2012 User

Die Akteure:

– Der Wiener: Andreas, begeisterter APE-Fahrer und Mitbetreiber von APE-Marketing.at
– Die Italienerin: APEluna, APE TM Kasten, weiß mit Glockner-Tour-Applikationen
– Der Bayer: BMW 1er M Coupé, Valencia Orange Metallic, Fahrer unbekannt

BMW 1er M Coupe Faber Vespa Ape Roller

An einem wirklich herrlichen Herbsttag, früh morgens. Die Vöglein zwitscherten flötengleich ihre fröhlichen Lieder und ich machte mich auf den Weg. Ein ganz alltäglicher Weg von der Brünner Straße in Wien-Floridsdorf zum Praterstern im zweiten ‚Hieb‘ (Wiener Gemeindebezirk). Ich entschloss mich, an diesem Tag mit APEluna auf die ca. 13.000 m lange Reise zu gehen.
Ich rieb mir den Sand aus den Augen und APEluna die Marderspuren von der Windschutzscheibe. Choke. Zündung. Starten. Ein Zupfer und der 2-Takter knatterte nach kurzem Wachrütteln los. Die Fahrt konnte beginnen.

Nach dem Einklinken in den Frühverkehr auf der Brünner Straße ging es vorbei an den staunenden Gesichtern, die dieses morgendliche Ereignis nur mit einem Zug an der verbogenen Tschick richtig fassen konnten.

Unzählige Ampeln später. Rot. Die Ampelfarbe der stillen Einkehr und des Ruhens, auch wenn es bei manchen Menschen das Gegenteil auslöst. Plötzlich gesellt sich neben APEluna eine Ikone deutscher Ingenieurs- und Designerkunst – ein BMW 1er M Coupé.

Da begann es trotz früher Stunde in meinem Kopf zu rattern und meine Gedanken sortierten sich: Drei Liter BiTurbo, 340 PS, 450 Newtonmeter, null auf hundert in 4,9 Sekunden. Und das traumhafte Valencia Orange Metalic, das die Umgebung verschlang und sonnenerhellt wieder preisgab.

Und ich saß hier in einer APE. ‚Rattatatammm…tatatammm…tratatrammtatamm…‘. Diese Ungleichheit in Ihrer grenzenlosen Absolutheit. Die Daten dazu: 0,22 Liter ZeroTurbo, 10 überschaubare Pferdchen. Drehmoment? Vermutlich ja. Null auf hundert – was bitte? Höchstgeschwindigkeit: 65 Stundenkilometer. In Todesverachtung wurde auch schon Tempo 85 geschafft. Colore bianco (also weiß).

„Die wenigen verbleibenden Sekunden nütze ich, um dieses wunderbare Nachbargeschöpf mit möglichst vielen Sinnen wahrzunehmen“, dachte ich mir.

Rot.
Gelb.
GRÜN!

Noch voll der Freude ob der mir ermöglichten Eindrücke verabschiedete ich mich im Geiste vom ‚1er M‘, legte mit Nachdruck den Einser ein und fuhr los.

Erster Gang.
Zweiter Gang.
Dritter Gang.
Vierter Gang.

Mittlerweile war das VelenciaOrangeMetallic-Urviech nicht mehr zu sehen. Doch dann die Überraschung. Nächste Kreuzung Shuttleworthstraße/Brünner Straße. Dort, wo sich die BauMax-Heimwerker vor Ladenöffnung im gegenüberliegenden McFit-Studio die Muckis trainieren: während ich mich mit APEluna resch knatternd der Auto-Warteschlange vor der roten Ampel nähere, entdecke ich wieder den 1er M. In voller Pracht. Alle vier Auspuffrohre direkt vor APEluna und mir. Er war sicher viel schneller bei der roten Ampel als wir.

War wohl ein Zufall. Grün wird’s. Wieder Verabschiedung. Das kannte ich schon von der Ampel zuvor. Pfiatigott, schöner Bayer.

Nicht schwer zu erraten, was sich bei der Ampel Katsushikastraße/Brünner Straße ereignete. Die nächste Gelegenheit, den BiTurbigen Brocken zu bestaunen.

Grün! Die 19-Zöller krallten sich in den Asphalt und schoben den Sportler auf die Brücke hinauf, bis er am Horizont entschwand. Der Anstieg zum Gipfel der Brücke in Richtung Leopoldauer Straße zieht sich und die zehn Pferde fühlen sich eher an wie gehbehinderte Zuchtschweine auf Landausflug.

Hinunter ging’s dann zügiger im Schweinsgalopp.

Zugegeben, bei der nächsten Ampel bei der Leopoldauer Straße hatte ich Glück. Die rechte Spur war weniger belegt und die Warteschlange kürzer als die auf der linken Spur (das ist die, wo alle Schnellen stehen) auf der die 340 Pferde unter der BMW-Haube auf den nächsten Galopp warteten.

Grün. Zweihundert Meter später die Verjüngung der Straße von zwei auf eine Fahrbahn. Jawohl. Ich glaube es nicht. Realität. Der BMW 1er M Coupé ist genau… HINTER UNS!

Bis zum Donauzentrum war es einfach vor dem PS-Protz zu sein. Es gab ja nur eine Spur in diese Fahrtrichtung. Zu unserer Ehrenrettung sei gesagt, dass APEluna und ich verkehrsunbehindert unterwegs waren – schneller fahren war verkehrsbedingt nicht möglich.

Nächste Ampel beim Donauzentrum / Wagramer Straße – er, der Bayer, ist immer noch hinter uns. Auf der dreispurigen Wagramer Straße war es ein Leichtes für das potente Breitspur-Sportgerät ohne erkennbarem Kraftaufwand an APEluna und mir vorbei zu schlurfen.

Wieder entschwand das wunderbare Bayern-Gefährt aus meinem Blickfeld, während ich zehn Gäulen die Sporen gab und das Strandhotel Alte Donau rechts liegen ließ. Der Fließverkehr schickte sich an. Die Reichsbrücke ist für APEluna und mich ein Reichsberg. Einmal in Schwung gekommen summte das Bienchen (APE bedeutet ‚Biene‘ auf Italienisch) fröhlich der Steigung entgegen. Ciao UNO-City.

Der steile Anstieg erlaubte mir einen flüchtigen Blick auf die morgendliche Copa Kagrana, den mittlerweile senderlosen Bisam- und den bekirchten Leopoldsberg. Dann die steile Abfahrt zur Lassallestraße – quasi die Hausbergkante meines alltäglichen Weges. APEluna und ich, brav auf der rechten Spur, weil wir ja niemand behindern wollen.

Und siehe da: auf der ganz linken, weil vermeintlich schnellsten Spur: das orange Gesamtkunstwerk. Immer noch das gleiche BMW 1er M Coupé. Stehend. Eingebettet. Aber mit mehr Kraft. Im ganz normalen Stau des Alltagsverkehr, der die Geschwindigkeit in seiner absoluten Relativität, sehr langsam aussehen lässt. Oder doch eher schnell. Das ist relativ relativ!

Jedenfalls wurde der Bayer im linken Rückspiegel der Italienerin immer kleiner bis zur Unsichtbarkeit. Woraufhin der Wiener mit einem Lächeln im Gesicht und einem ‚O sole mio…‘ auf den Lippen ins Parkhaus entschwand.
Ciao e arrivederci

Andreas

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