Citroen DS5 Exterieur Statisch Heck Seite
Mit dem DS5 wird das Kürzel seiner Namensgeberin wieder gerecht.
 

Annäherung ans Göttliche

Der neue Citroën DS5 – ein erster Fahreindruck.

12.10.2011 radical mag

Manch einem Citroën-Fan war es etwas sauer aufgestoßen, dass die Franzosen ihre Luxuslinie ab 2010 mit dem wohl legendärsten Namen der französischen Automobilgeschichte (DS, „déesse“) bezeichneten. Denn so ein DS3, der als erstes Modell der neuen Reihe vorgestellt worden war, hatte so ziemlich gar nichts gemein mit der 1955 vorgestellten „Göttlichen“ – und auch der DS4 nicht, der heuer auf den Markt gekommen ist.

Doch jetzt können die langen Gesichter ihre Normalform annehmen: Der DS5, der ab Ende dieses Jahr bei den Händlern stehen wird, ist eine Annäherung an die glorreichen Zeiten von Citroën.

Zuerst einmal das Design: Was Citroën da auf der Plattform des Peugeot 308/3008 vorstellt, das ist nicht bloß mutig, sondern auch sehr gelungen. Nein, ein unsterblicher Entwurf, wie es die DS einst war, das ist der DS5 nicht, doch das Fahrzeug fällt auf, es ist eine Art Shooting Brake, ein bisschen Sport-Kombi, ein wenig Coupé. So etwas gab es bisher nicht – und auf der Straße dreht sich jede und jeder nach dem Citroën um. „Alfa?“, wurden wir gefragt, und auch: „Audi?“

Die hartgesottenen Citroën-Freunde werden monieren, dass der DS5 nicht über die hydropneumatische Federung verfügt, die einfach zu den französischen Top-Modellen gehört. Doch solches lässt sich auf der Peugeot-Plattform nicht machen, der DS5 muss sich mit einem herkömmlichen Stahlfahrwerk begnügen. Das macht seine Sache solàlà.

Citroen DS5 Interieur

Die Auslegung des Fahrwerks bei der sportlichen Variante mit dem 200 PS starken 1,6-Liter-Benziner, der auch im Mini Cooper S oder dem Citroën DS3 Racing zum Einsatz kommt, war uns tatsächlich etwas zu hart – zu deutsch. Es ist verständlich, dass die Franzosen zu Audi und BMW schielen – schließlich soll der DS5 im Premium-Segment wildern. Aber irgendwie passt diese Auslegung nicht zum doch sehr geschmeidigen, eleganten Charakter des Citroën.

Die Franzosen haben aber versprochen, dass sie noch nachbessern werden und wahrscheinlich eine betont sportliche Version auflegen, mit 19-Zöllern, aber auch eine zivilere, rückenschonendere, die dann vielleicht nur auf 18 Zoll.

Er schiebt gut an, der DS5 mit dem 200-PS-Motor. Aber macht auch jede Menge Lärm. Fast schon ein bisschen böse knurrt der Vierzylinder. Auch das mag nicht so recht zum Franzosen passen. „Schuld“ daran ist ein Soundsystem im Vorderwagen, das die Geräuschentwicklung von Antrieb und Auspuff gezielt in den Innenraum weiterleiten kann. Auch in diesem Bereich versprechen die Franzosen bis zur Markteinführung noch Varianten.

_Citroen_DS5_7

Grob für jene, die solches mögen, friedlicher für alle andern. Erstaunlich ist dabei, welch große Flexibilität die Ingenieure heute zeigen. Erstaunlich, was mit wenigen Drehungen an Computerknöpfchen möglich ist.Man könnte jetzt auch sagen: Das ist alles etwas gar artifiziell. Man hätte damit wohl auch nicht ganz Unrecht.

Denn wie es auch gehen könnte, zeigt die DS5-Version, die Citroën technologisch wieder zur Avantgarde machen wird: der HYbrid4. Dieser welterste Diesel-Hybrid, der gerade im Peugeot 3008 seine Premiere erlebt hat, macht nämlich aus dem DS5 ein außergewöhnlich homogenes Fahrzeug. Vorne arbeitet der bekannt gute 2-Liter-Selbstzünder mit 163 PS. Auf die Hinterachse wirkt ein Elektromotor mit zusätzlichen 37 PS. Zusammen ergibt das einen Allradantrieb und 200 PS Systemleistung, und weil die ganze Sache so gut funktioniert, sind wir ziemlich begeistert.

Auch deshalb, weil der DS5 mit diesem Antrieb auf einen Verbrauch von unter vier Litern kommen will. Und auch deshalb, weil der Citroën DS5 Hybrid 4 so wunderbar ruhig ist. Er gleitet, schwebt geradezu über die Straße, nicht nur im Elektrobetrieb. Lobend erwähnt sei auch das robotisierte 6-Gang-Getriebe, das wir bisher als die schlimmste Kraftübertragung der Welt betrachtet haben, die aber mit Hilfe der elektrischen Kraft ausgesprochen sanft schaltet.

Doch da hätten wir es schon wieder, das Künstliche. Die elektrohydraulische Lenkung vermittelt etwas gar wenig Kontakt zur Fahrbahn. Man fühlt sich der Realität enthoben. Sie ist zwar präzise, doch uns würde es nach mehr Direktheit gelüsten, nach Rückmeldung.

Ist man flott unterwegs, und das kann man im Hybrid 4 fast genau so gut wie im 200-PS-Benziner, dann verhärtet sich die ganze Geschichte schon fast unangenehm. Da wollen die Franzosen zu deutsch sein, und das ist etwas unnötig. Doch, Hand aufs Herz, das ist ein Detail. Wir sind noch selten mit einem Citroën – den handlichen DS3 Racing wollen wir hier einmal auslassen – derart wüst um die Ecken geräubert wie mit dem DS5. Da ist richtig etwas los, und es macht jede Menge Freude. Sie sind nun wirklich angekommen. Selbst vor einem (frontgetriebenen) Audi brauchen sie sich nicht mehr zu verstecken. Wieder wirkt der Hybrid4 lockerer, souveräner als der 200 THP, der einfach zu wild ist

Auch für den Innenraum sind wir voll des Lobes. Den Piloten erwartet eine Art Flugzeug-Cockpit. Das ist alles sehr schön und mit viel Liebe zum Detail gemacht. Wie die DS-Reihe überhaupt die Verarbeitungsqualität von Citroën auf ein ganz neues Niveau gebracht hat. Wir haben uns ein bisschen verliebt in die Ledersessel, die aber nicht nur gut aussehen, sondern auch ausgezeichneten Langstrecken-Komfort bieten.

Die Bedienung erfolgt (und das ist ja nicht unbedingt markentypisch bei Citroën) intuitiv. Unterdessen scheinen die Franzosen das Wort „Ergonomie“ auch in ihren Wortschatz aufgenommen zu haben. Schön: die Uhr. Schön: die Gestaltung des Schalthebels. Schön ist, dass da wieder gestaltet wird, nicht einfach das nächstbeste Dings aus dem großen Warenkorb des PSA-Konzerns montiert.

Apropos PSA, das müssen wir hier halt schon noch erwähnen: Leider verwenden die Franzosen für den Hybrid diese eigentlich veralteten Nickel-Metall-Batterie (die aber auch im Toyota Prius weiterhin zum Einsatz kommt), und nicht die weitaus moderneren und effizienteren Lithium-Ionen-Batterie. Man will, so verspricht Paris, so bald wie möglich auf Lithium-Ionen umstellen, aber günstiger wird die ganze Geschichte dann nicht.

Der DS5 misst 4,53 Meter – von außen sieht er bedeutend länger aus. Die Breite beträgt 1,85 Meter, die Höhe 1,51 Meter; das Kofferraum-Volumen gibt Citroën mit 325 bis 1145 Liter an. Bei einem Gewicht von 1660 Kilo (für den Hybrid4). Das erstaunt uns. Positiv.

Noch besser kann es der 200-PS-Benziner, der mit 1420 Kilo nicht gerade ein Supersportler ist, aber weit entfernt von der sonst grassierenden Adiposität. Der Verbrauch des 200 THP soll bei 7,1 Liter im Schnitt liegen. Beim Hybrid 4 sind es nur 3,9 Liter. Es wird übrigens noch einen 1,6-Liter-Diesel geben, mit 110 PS (Verbrauch: 4,4 Liter) sowie den 2-Liter-Diesel ohne Hybrid und mit 163 PS. Diese Version gibt es mit manuellem sowie automatischem 6-Gang-Getriebe.

Das alles wird nicht ganz günstig sein, doch leider kennen wir die Preise für dieses wirklich außergewöhnliche Fahrzeug – für das es natürlich auch alle nur erdenklichen Assi-Systeme geben wird – noch nicht. Doch der Erfolg des DS5 wird nicht von einem Kampfpreis abhängen, sondern von der Akzeptanz. Citroën fährt mit seinem jüngsten Produkt einer Konkurrenz an den Karren, die bisher den Markennamen als „Citrön“ ausgesprochen hat. Und deren Kundschaft ist in Sachen Image halt etwas gar sensibel. Doch der DS5 spielt die Karte vom ganz großen Theater. Optisch und technisch. Und das könnte funktionieren.

Zum Schluss noch eine andere Nachricht, eine gute: Wer doch noch ein Produkt aus der DS-Reihe, aber eines mit der hydropneumatischen Federung haben will, der muss sich anscheinend nicht mehr sehr lange gedulden. Wir haben kürzlich lange mit den Franzosen geplaudert, und sie haben uns einen DS6 nicht direkt versprochen, aber angekündigt, dass es einen DS mit besagtem Federungs- und Dämpfungssystem geben wird. Stichwort: Metropolis.

Vielen Dank an Peter Ruch von www.radical-mag.com

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