Angst und Schrecken um Rüsselsheim

Was der neue Job des alten Opel-Chefs mit der Zukunft der Marke zu tun hat.

25.02.2010 Autorevue Magazin

Der neue Opel-Chef Nick Reilly ist nicht gerade mit Vorschußlorbeeren in Deutschland angelandet. Ein knallharter, emotionsbefreiter Sanierer, nein, das war kein gutes Zeichen in Richtung Belegschaft und Politik. Aber da konnte man ja noch denken: Okay, ohne harte Einschnitte geht es eben nicht. Hauptsache, der Mann hat Ideen und es geht was weiter. Aber langsam zeichnet sich ein Bild ab, das an Missmanagement wie in den schlimmsten Zeiten des vollen GM-Durchgriffs auf Rüsselsheim wirkt.

Deutsche Händler werfen Reilly nämlich vor, in Sachen Marketing den Marktstart des Astra voll versemmelt zu haben. Grundtenor: Man präsentiert im Winter (wo definitiv keiner so richtig Lust auf Autokauf hat) kein so wichtiges Modell. Und so kam es dann auch: Bereits nach zwei Monaten verliert der wichtigste Hoffnungsträger der Marke Boden auf den nicht gerade taufrischen Golf.

Meldung Nummer 2 kommt aus einer ganz anderen Ecke, passt aber trotzdem irgendwie dazu. Reillys Vorgänger Hans Demant hatte die kurzzeitige Glasnost von den Detroit-Bonzen genützt, um mit Modellen wie Insignia, Astra und Meriva einen Hoffnungsschimmer für die Marke zu zaubern. Demant war allerdings nie der große Heuler in Sachen Selbstvermarktung, er sah eher so aus wie ein verwirrter Physik-Professor und war meist auch so angezogen. Der Opel-Chef war ein stiller Arbeiter, ohne Aufsehen und Medien-Geilheit, dafür mit hohem technischen Verständnis und Sozialkompetenz bei der Sanierung.

Und was macht man bei Opel Neu mit so einem Hochkaräter? Man degradiert ihn zum Vice President Intellectual Property Rights, sprich Vize-Präsident für geistiges Eigentum des GM-Konzerns. Ich erspar mir jetzt jede Witzeleien über die Größenordnung des geistigen Eigentums im GM-Konzern. Tatsache bleibt aber, dass der Job nur knapp vorm Büroklammern-Sortierer kommen dürfte. Es ist eine Schande und wirklich kein gutes Zeichen, wenn sich für einen Mann wie Demant keine sinnvollere Beschäftigung findet.

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