1975 Zeitmaschine AMC PAcer Was sonst noch Geschah
Joe Frazier bekommt Haue von Ali. Heute ist der Boxshort ja eher... nun, da schaut man besser Wrestling.
 

1975 – Was noch geschah: Als das Fernsehen bunt war…

… oder auch nicht. Zumindest lohnte es sich einzuschlafen. Sogar beim Boxen. Gute alte Zeit.

23.07.2011 Autorevue Magazin

Als noch was im Fernsehen war:

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In den Siebzigern hatte es noch Sinn, am Abend zu Hause zu bleiben, denn es gab keinen Gottschalk, hingegen aber „Dalli Dalli“ (Hans Rosenthal), „Am ­laufenden Band“ (Rudi Carell) und „Was bin ich“ (Robert Lembke). Naja, um der Wahrheit Genüge zu tun: Sieht man sich heute eine dieser Shows an, fragt man sich, ob das alles ernst gemeint war. Dalli Dalli zum Beispiel war so ­menschenverachtend infantil, dass es einem kalt über den Rücken läuft.

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„Dallas“ war ja leider noch in der Konzeptionsphase. Die Wartezeit bis 1978 vertrieben wir uns aber mit dem Fernsehskandal schlechthin: Am 8. Juni 1975 wurde die erste Folge von „Ein echter Wiener geht nicht unter“ ausgestrahlt, und insbesondere in den Bundesländern kriegte man sich gar nicht mehr ein vor Entrüstung über die Wiener Sauproleten, und dass die im Fernsehen gezeigt wurden. Der Quotentiroler Kurt Weinzierl kam erst 1979 und war auch nicht gerade dazu angetan, die Landeier ins positive Licht zu rücken.

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Wem das alles zu blöd war, der konnte sich mit „Nonstop Nonsens“ trösten, das ebenfalls 1975 über die Welt kam.

„The Greatest“ war noch nicht am Ende:

Nachdem Muhammad Ali – Kampfname „The Greatest“ – im Oktober des Vorjahres zum zweiten Mal Weltmeister geworden war (im legendären Rumble in the Jungle), gelang ihm 1975 die mehrfache Titelverteidigung: gegen Chuck Wepner, Ron Lyle, Joe Bugner und im Oktober gegen Joe Frazier (Thrilla in Manila). Drei Jahre später stammelte er schon nach Parkinson-Art.

Noch ganz neu im Weltmeistergeschäft war hingegen Niki Lauda, der 1975 seinen ­ersten Titel einfuhr, zwei weitere sollten später folgen. Damals gelang es mit Lella ­Lombardi übrigens zum ersten Mal einer Frau, in die WM-Punkteränge zu fahren (ein halber Punkt für Platz sechs im GP von Spanien).

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Bei der Vier-Schanzen-Tournee im Jänner gingen die ersten drei Plätze an Österreicher: Willi Pürstl, Edi Federer und Karl Schnabl. Annemarie Moser-Pröll gewann zum fünften Mal den Ski-Weltcup.

Eishockey-Weltmeister wurde die UdSSR, es war ihr 14. Titel, während der Klagenfurter Athletiksport Club (KAC) – auf nationaler Ebene das, was die UdSSR international war – 1975 zum ersten Mal seit elf Jahren nicht österreichischer Eishockeymeister wurde.

Abnehmende Ungemütlichkeit:

Im Jahr 1975 hatten 78 Prozent der Deutschen Übergewicht – im Schnitt 16 Kilo. In Österreich war das nicht anders. Entsprechend bunt war das Angebot an Diäten, es gab sogar eine Manager-Diät, die vorwiegend aus dem bestand, was der Erfinder der Diät für die Hauptnahrungsmittel der Manager gehalten hat: Kaviar und Champagner.

Selbst die große Kulinarik wollte den Trend erkennen und nannte sich fortan Nouvelle Cuisine. Der Godfather der neuen Küche, Paul Bocuse, erhielt 1975 vom französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing das Band der Ehrenlegion, ein blauweißrotes Fähnchen, für das jeder echte Franzose sein linkes Bein opfern würde. Dies nicht zuletzt dafür, dass er dicke Saucen vermied und beim Schweinsbraten auf Karree statt auf Schopf gesetzt hätte – hätte er denn je einen gemacht.

Doch wo eine Kraft ist, bildet sich eine Gegenkraft. Sie äußerte sich zum Beispiel in der Veranstaltung von Ritteressen mit Stelzen, Bier in Tonhumpen und anschließendem Gruppenspeiben. Apropos: In Sierra Vista, einer kleinen Stadt in Arizona mit damals rund 20.000 Einwohnern, wurde 1975 das weltweit erste McDonald’s Drive-in-Restaurant eröffnet. Dort hießen und heißen die praktischen Lebensretter aber Drive thru.

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