Tesla Roadster S Exterieur
Es ist ganz einfach:
 

Stille Auskehr

Betrachtungen zu Alltag und Reichweite aus zwei Neigungsgruppen.

16.12.2010 Autorevue Magazin

Die energiesparende Heizung ist freilich der Pullover aus Teddybärfell. Man wird als Fahrer eines Sportwagens, sonst eher verschwenderisch abseits der Platzverhältnisse, ein bisserl anders, wenn er elektrisch betrieben wird und die Kilometer runterrechnet, an deren Ende eine Steckdose steht, im Idealfall. Läuft’s nicht ideal, dann steht am Ende ein Stehen, wo man nicht stehen will, eine besonders missbräuchliche Verwendung des Tesla Roadster. Denn was wie ein Sportwagen ausschaut, ist auch einer, da führt ein Abschleppwagen davor zum optischen Totalschaden. So weit soll’s nicht kommen, aber wir sollten 371 km weit kommen.

Diese Zahl sagt der Bordcomputer ein, wenn man die Batterien auf maximale Reichweite geladen hat (was man nicht unnötig tun soll, dazu später) und den Fahrmodus auch um Reichweitenoptimierung bittet. Dann kommt die Kraft offiziell ein bisserl schaumgebremst vom Fahrpedal, was in der Praxis aber nur im direkten Vergleich auffällt: Wie der ­Tesla losströmt, umweglos das volle Drehmoment in die Räder impft, dazu das turbinenartige Geräusch mischt und die Welt nach hinten wegkippen lässt, das ist eine ungekannte Kunstform für sich. Wer gedanklich mitkommt, wird Elektroautos nie wieder als Krücken künftiger Mobilität verunglimpfen, sondern sich ein Nest ungeahnter Möglichkeiten einrichten.

Aber nur selten ausschöpfen, so was tut man nicht mit Nestern. Wir hegen nämlich eine banale Aufgabe: ausloten, wie weit man mit dem Tesla kommt, wenn der Hafer grad nicht sticht. Man führt dann den rechten Fuß sensibler an seine Möglichkeiten heran, zum Beispiel: niemals bremsen. Klingt einfach und wird es auch. Der Tesla bremst nämlich von selbst, sobald man das Fahrpedal lupft, und er bremst heftig, wenn man ganz weggeht.

Die Verzögerung lässt sich also wunderbar und stufenlos dosieren, sofern man mehr vorausschauend als ­testosterongesteuert unterwegs ist, und die neue Freude am Autofahren liegt auch darin, auf der Landstraße von Eisenstadt bis Wien ohne Brems­pedal auszukommen. Beim Bremsen wird die Energie nämlich an den Bremsscheiben verrieben, beim Lupfen des Fahrpedals wird sie rückgewonnen, der Zeiger der Energieanzeige sticht dabei in den grünen Bereich: Der linke Teil der Skala gehört dem guten Gewissen, der rechte dem Fahrspaß. Damit der momentane Energieverbrauch noch plakativer abgelesen werden kann, steht er als kleine Ziffer am Armaturenbrett, jeder Ausreißer nach oben knabbert an der Reichweite, mehr übrigens als Licht, Radio oder Heizung.

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