Alfa Romeo Giulietta Exterieur Statisch Front
So lässt sich neuerdings die Maßanzugsexistenz führen.
 

Testbericht: Alfa Romeo Giulietta 2,0 JTDM

Kaum extravagant, aber geschmackssicher, fahrdynamisiert und geräuschzivil.

07.09.2010 Autorevue Magazin

Das Schärfste ist die D.N.A.-Wippe. Man sollte sie gleich am Anfang nicht aktivieren, stundenlang im Normal-­Modus bleiben. Dann, auf ­geeigneter Straße – Autobahn, Überland, Stadt, eigentlich eh überall – den Schalter nach vorne auf Dynamic und zur Hölle auch, da geht ein Ruck durchs Auto, als hätte es sich eine Überdosis Acid reingezogen. Konkret: Die Lenkung wird direkter, das ESP etwas legerer und das Ansprech­verhalten des Motors weniger mittelbar. Genau genommen wird es geradezu überfallsartig unmittelbar, geringste Fuß­wippungen lassen das Auto nach vorne springen, wie man das subjektiv sonst nur von sehnigen Sportautos kennt.

Wir sprechen natürlich von einer 170-PS-Giulietta, Diesel in unserem Fall.

Wie D.N.A. beim 105-PS-Diesel kommt, wissen wir nicht, aber ver­mutlich wird dort das A seine Stärken ausspielen, A für All Weather, wo dann vor allem der Motor zurückgepfiffen ist.

Alfa ist mit der Giulietta im 21. Jahrhundert angekommen, beid- und breitbeinig. Das Auto sticht in das schwierige Kompakt-Segment hinein, ausgerechnet hier lauert der alles aufessende Golf, dieser Every- body’s gemeinsame Nenner.

Auf den ersten Blick ist zu konstatieren: Die Giulietta ist außen wie innen schöner als alles, was im Segment sonst los ist. Überraschung! Das aber ohne Kaspereien, die einem nach sechs Monaten über werden. Das Auto ist gedrungen, aber nicht bamstig. Innen modern und in völliger Abkehr von dem, was Alfa in den vergangenen 30 Jahren so anders gemacht hat. Jetzt ist das immer noch anders, aber anders. Vor allem offenbar grundgut gearbeitet, ob es auch hält, wird der Dauertest klären, der im kommenden Heft beginnt. Allerdings mit dem 170-PS-Benziner.

Diesmal der Diesel gleicher Leistung. Nicht gerade die ­zentrale Motorisierung für jene, die sich Alfisti nennen.

Trotzdem ein Motor mit guten Eigenschaften, wie er abgeht, wurde weiter oben ja schon geklärt. Dass ein Diesel nicht nach Alfa aus früheren Jahren klingen kann, ist klar, die gute Nachricht ist jetzt, dass er sozusagen kaum klingt. Auch beim Kaltstart kein Nageln und Rütteln, im Betrieb dann so, wie ein guter Diesel heute sich vernehmen lässt. Irgendwie neutral. 7,5 Liter Verbrauch sind sehr okay, und wir sind definitiv nicht sparsam unterwegs gewesen.

Und dabei sind wir stets gut gesessen. Vor langer Zeit war diesbezüglich in der ­Autorevue von altitalienischer Schimpansenhaltung zu lesen gewesen. Nichts mehr davon. Der Sitz wird eingestellt und passt.

Die Giulietta liegt preislich so halbwegs vierstellig unter dem Marktführer, und wer die Ersparnis anstatt in seine Pensionsvorsorge zum Beispiel in die braunen Ledersitze investiert (1.670 Euro), wie wir sie in unserem Testwagen vorfinden durften, wird sein Geld vernünftig anlegen.

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