Alfa Romeo Giulietta tb multiair rot vorne seite front
SEHT DAS ROT Das Spiel zwischen Licht, Schatten und Spiegelungen, die frechen Scheinwerfer ...
 

Dauertest-Abschluss: Alfa Romeo Giulietta 1,4 TB MultiAir

Der Beweis, dass Stil über Alltag siegen kann, wenn man nur nicht zu genau hinschaut. Was wir trotzdem taten.

18.11.2013 Online Redaktion

Hoch sind sie, die Schnee­wehen. Höher wirken sie, weil die Nacht sie in ihr tiefstes Schwarz packt. Der Weg ist noch weit. Unendlich weit. Denn die Giulietta wird immer langsamer. Vielleicht nimmt mich ja ein Lkw-Fahrer bis nach Prag mit? Dann per Bus weiter? Sandwichverkäufer an der tschechischen Autobahn werden? Einem Zirkus anschließen?

Schnell mal den „Navi“ Knopf gedrückt, um zu schauen, wie weit es tatsächlich noch ist.

Die Schilder sind nämlich zugeschneit. Statt einer Landkarte empfängt mich Christian Ulmen, der mein Hörbuch von „Per Anhalter durch die Galaxis“ liest. Beschließe, mir, der Giulietta, vor allem aber der Elektronik eine Pause zu gönnen. Und siehe da, die vorher angedachten ­Lösungsansätze sind unnötig. Lediglich der Tempomat hatte sich einfach abgeschaltet. Das wird er an diesem Abend und in den kommenden Monaten häufiger tun. Der Fauxpas wird stets genauso schnell ­gehen, wie er gekommen ist.

Das hat sich wirklich so zugetragen. Man könnte keine Geschichten über die Schaltkreise eines gut ausgestatteten Alfas erfinden, die nicht von der Realität getoppt werden würden.

Alfa Romeo Giulietta tb multiair rot seite

Das Erstaunliche aber ist, dass uns die Giulietta trotzdem in guter Erinnerung bleiben wird.

Das liegt vor allem an ihrem Wesen. Wir befinden uns tief im Alltag. Schmähfreie Zone. Erwünscht: vier Türen, Kofferraum. Und wer packt das in diesem Segment schöner in ein Blechkleid als Alfa? Wer traut sich hier sonst noch ein Grundmaß an Emotionen?

Ich mochte den Fahrmodischalter. Zwischen A und D wechseln, ein Spiel.
Wolfgang Hofbauer

In diesem Kontext erwies sich auch der Motor – der 1,4 Liter MultiAir mit 170 PS – als der einzig zulässige. Selbst auf der deutschen Autobahn bleiben Kraftreserven, und wer schneller fährt, ist ein Raser.

Alfa Romeo Giulietta tb multiair rot hinten felge detail

Getriebe? Sportlich.

Die Gänge können schnell und präzise durchgeschossen werden. Vorbildlich. Dafür verlangt die Kupplung Kraft.
Aber wen das im Stau zwischen Kindergarten, Büro und Einkaufen stört, der hat sich von vornherein für das falsche Auto entschieden.

Großes Lob gebührt dem Fahrmodi-Schalter. Der steuert das DNA-Programm („Dynamik“, „Normal“ und „Allweather“) und verschiebt die Kennfelder für Motor, Lenkung und ESP wirklich nachhaltig und spürbar. Hier lässt sich die Charakteristik des ­Autos und des Fahrers steuern. Wir wären generell Kind genug, um 24 Stunden am Tag den Dynamik-Modus aktiviert zu lassen.

Der ärgert den Fahrer aber mit einem eher sinnfreien ­Grafik-Placebo. Das Sport­programm leuchtet eine „Power“-Anzeige ins Cockpit. Die zeigt aber weder Drosselklappenstellung oder abge­ru­fene Motorleistung, sondern lediglich die Gaspedalstellung an. Und das funktioniert auch an einer roten Ampel mit ausgeschaltetem (!) Motor – Vollgas geben, die Skala schlägt in ihren Grenzbereich.

Ein wunderbares Auto – wenn ich nur g’scheit drin sitzen könnte!
Johannes Gasser

Alfa Romeo Giulietta tb multiair rot scheinwerfer front grill

Gutes Stichwort, was den Verbrauch angeht.

Der oszillierte zwischen den Extremen. Die deutsche Autobahn bescherte uns Verbräuche von über 13 Liter. In Österreich wollte die Giulietta meist deutlich unter 9,0. Sogar der Werksangabe von 5,8 Litern näherten wir uns regelmäßig.

Bei kaum einem anderen Dauertester investierten wir außerdem so viel Geld in Waschanlagen. Weil sich eine Giulietta nun mal stark über ihre Optik definiert (dieses Rot!). Dem Design wurden ­andere Merkmale wie der Kofferraum untergeordnet. Der lässt sich nämlich nur über das Emblem am Heck öffnen und über die Kante der Klappe schließen. Was zwangsläufig zu schmutzigen Fingern führt.

Es war eben ein Jahr, in dem wir äußere Perfektion zu schätzen lernten und sie über andere Details stellten.

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DIE RECHNUNG

Wir waren mit der Alfa Romeo Giulietta 43.386 Kilometer unterwegs. Als Grund­lage für die Versicherung dient der Mittelwert der mittels www.versichern24.at errechneten Versicherungstarife in der Stufe 9.

Service
Das erste Service bei der Giulietta ist je nach Verschleiß spätestens bei 30.000 km oder 2 Jahren fällig. Nach 30.181 km landete das Auto in der Werkstatt.

Service € 440,20

Reparaturen
Die Vorderachse begann bei 22.050 km zu knacken und knarzen. Der defekte Querlenker wurde im Rahmen einer Rückruf­aktion kostenlos getauscht.

Reifen
Bei unserem Nutzungsprofil haben wir etwa den Gegenwert eines Drittels der Winterreifen-Garnitur aufgebraucht (832,–Euro inkl. Montage).

Zustand
Laut ÖAMTC-Zeitwertschätzung ­liegt der Zeitwert der Giulietta bei 61,60 Prozent (16.009 Euro) des Neupreises. Dazu kommt eine Abwertung um 14,22 Prozent ( 2.276 Euro) für 28.436 km über Durchschnitts­leistung. Die Sonderausstattung wurde uns mit 53 % ihres Wertes (4.264 Euro) gutgeschrieben. Auffällig: zu geringe Profiltiefe der Sommerreifen, abgebrochener Türgriff.

Service-Kosten € 440,20
Reifenabnutzung € 277,33
3805,9 Liter Benzin à € 1,38 (Jahresdurchschnitt) € 5.252,14
KFZ-Steuer € 666,60
Haftpflichtversicherung € 884,17

Summe € 7.520,44

Kilometerpreis
ohne Wertverlust 0,173 Euro/km

Wertverlust
Unsere Alfa Romeo Giulietta ­kostete zu Dauertest-Beginn 34.035 Euro, inkl. Extras. Der aktuel­le Zeitwert beträgt laut ÖAMTC-Schätzung*) 19.000 Euro. Es ergibt sich somit ein Wertverlust von 15.035 Euro.

Kilometerpreis
mit Wertverlust 0,520 Euro/km

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  • MP

    Hr. Gassner da gibts so Hebel und Rädchen,auf der linken Seite vom Fahrersitz und unterm Lenkrad zum verstellen derselben.Diese Anmehmlichkeiten hatten alle Alfas die Ich in den letzen 25 Jahren gefahren habe,so nebenbei saß man da auch immer gut!

  • M

    „Der lässt sich nämlich nur über das Emblem am Heck öffnen und über die Kante der Klappe schließen. Was zwangsläufig zu schmutzigen Fingern führt.“

    Zum Schließen gibts einen Griff an der Innenseite der Heckklappe. Dann bleiben auch die Finger sauber.

  • Hannes1981

    Na das ist doch mal ein objektiver Alfa Test. :-)
    Gefällt mir!

    • christof

      Bedanke mich ganz herzlich für den objektiven Text. Scheinbar muß man als ALFA-Fahrer ausländische Zeitungen lesen (bin Deutscher) um einmal einen wirklich objektiven Text über diese Marke vor seinen Augen zu haben, danke!

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