Alfa Romeo 4C 2014 rot vorne front seite
Erstaunlich, wie viel Rasanz sich auf vier Meter Länge unterbringen lässt. Allein die Lichtorgel war eine Doktorarbeit für Advanced Design. Schön, dass die Nummern­tafel wieder lässig im Mundwinkel klebt.
 

Vorstellung: Alfa Romeo 4C

Mit dem 4C erleben wir die Rückkehr des wahren Alfa-Romeo-­Sportwagens als Triumph der leichten Materie über die Schwerkraft ­sämtlicher Technokraten und Bedenkenträger.

27.11.2013 Autorevue Magazin

Im Alfa Romeo 4C haben wir plötzlich den Glauben wieder gefunden. Für all die langen Etappen des ­Leidens an der Marke belohnt Alfa Romeo seine Aficionados mit einem hochmodernen, sachlich fundierten, aber emotional brisanten Sport­wagen. Berühmte siebzehnhundertfünfzig Kubikzentimeter Hubraum, 240 PS, Grundpreis ­unter 60.000 Euro, Leichtbauchassis. Supersport zum Nachdenklich­werden.

Alfa Romeo 4C 2014 rot vorne front

Die Entscheidungshilfen: Ein auf rotzfrech kultivierter Turbo-Mittelmotor, extra­leichtes Kohlefaser-Monocoque, Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, avanciertes Fahrwerk mit Renn-Attitüde, und das Lenkrad greift direkt nach der Kurve, frei von ­jeglicher Servo-Verweichlichung. Die Auspuffanlage scheint einen eigenen Anwalt zu haben, so hart am Para­grafen röchelt, röhrt und schlurrt sie an der Dezibelgrenze entlang.

Und erstmals, seit der Käfer läuft und läuft, glauben wir wieder an einen Werbespruch zum Auto: „Just drive“.

Mit diesem Claim zum 4C ist alles gesagt; die ganze Verheißung des lustvollen Autofahrens ­offenbart sich in zwei Worten – die im Grunde genauso unübersetzbar sind wie das reizvoll klingende „Quattro Cilindri“, was halt im Deutschen lediglich „Vierzylinder“ wäre.

Alfa Romeo 4C 2014 rot scheinwerfer

Und wir haben den Glauben an klassisch emotionales Design wieder gefunden; der Typ 4C steht gleichsam unter der Spannung überlagerter Sehnen und Muskelstränge. Imaginäre Kraftlinien scheinen ihn von innen her zu straffen, vorzuspannen; seine gefaustete Kompaktheit nützt jeden Hohlraum. Wo nicht Kohle­faser, dort Aluminium oder Kunststoff.

Erst unter Saft, bei laufendem Motor, scheint er sich zu entfalten, und sobald der Wagen läuft, streckt er sich zu einer dynamischen Wesenheit, wo jeder Schein abfällt und das reine Fahren einen Zustand permanenter Erregung herstellt.

Alfa Romeo 4C 2014 rot pedale pedalerie

Dann sitzt man im Alfa Romeo 4C tief zwischen den massiven Kohle­faser-Schwellern.

Geborgen in der Zurichtung des hochfesten Chassis, des avancierten Sportfahrwerks: Hoch angelenkte Dreieck-Querlenker, advanced McPherson an der Hinterachse, das Gewichtsverhältnis erlaubt kontrollierte Hecklastigkeit im Verhältnis 60 zu 40. Im Track-Betrieb zeigt sich der Wagen von der Performance her angriffig, im Anbremsen tänzerisch, in der Kurve selbst sehr stabil und vertrauenbildend auch im Hochgeschwindigkeitsbereich. Es darf Kür gezeigt werden, sofern man im Dynamik- oder Race-­Modus fährt, welcher letztlich ACS ausschaltet und ASR auf ein notwendiges Minimum ­reduziert.

Das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet milli­sekundenschnell durch und operiert entweder im Automatikmodus oder man entscheidet sich für den Manual-­Betrieb per (mitdrehender) Lenkrad-Paddles. Damit lässt sich auch jederzeit die Automatik überstimmen.

Alfa Romeo 4C 2014 rot oben vorne

Das Instrumentarium ­richtet sich in direkter Rede an den Fahrer.

Die drei wichtigsten Funktionen Drehzahl (im Kreisband), Geschwindigkeit (Digitalziffern) und Ganganzeige (schließlich gibt es ­keinen Schalthebel) werden hierarchisch vorangestellt. Auch Ladeboost und Momentenaufbau stehen im Anzeige-Zentrum. Im Betriebszustand RACE werden zu Speed und Drehzahl nur mehr die Brems-, Beschleunigung- und Seitenkräfte angezeigt.

Ein Display in Dashboard-Mitte regelt Sekundärfunktionen per Bluetooth-Anschluss.

Das Lenkrad ist völlig unbeknopft bis auf die beiden halbversteckt mitdrehenden Schaltpaddles. Die Abflachung des unteren Segments mag modisch sei, hat aber wenig ­praktischen Sinn. Bestenfalls ein Hinweis darauf, dass die meisten Kurven ohne zu übergreifen gelenkt werden können.

Alfa Romeo 4C 2014 rot felge rad

Schon die Felge zeigt, welche Design-Dramen sich abspielen.

Optischer Schwachpunkt sind die gehabten Luftdüsen im Stil des Hauses Fiat.

Auch das 4-Knopf-System der Funktionen D (Drive), N (Neutral), R ­(Retourgang) und A/M (Automatik/Manuell) hätte man sich, wenn schon der Schalthebel wegfällt, noch ein wenig kühner überlegen können. Aus Gewichtsgründen blieb erfreulicherweise der klassische Handbremshebel erhalten. Wer den Vorder­wagen öffnen möchte, benötigt einen Mechaniker. Doch hinter dem Motor (der sich unter einer behübschenden Kunststoff-Abdeckung versteckt) findet man reichlich Stauraum für ein spontanes Speed­weekend zu zweit.

Das Prospekt in pdf-Form erhalten Sie auf der Homepage von Alfa Romeo

  • zitronen_bob

    Natürlich ein glänzender Lichtblick für die leidgeprüften Alfa-Fans … Ansonsten ist die „Entwicklung“ bei Alfa unter Marchionne aber schon ein Wahnsinn!

    Seit Jahren besteht die „Modellpalette“ von Alfa jetzt aus einem Kleinwagen und einem Kompaktwagen – beide ohne irgendwelche Karosserievarianten …

    Nun versuchen sie auch 2014 wieder nur von der Einführung des Nischenmodells „4C“ zu leben.

    Seit 2 Jahren kein Modell in der Mittelklasse (untere und schon gar nicht obere), kein Kombi (weder Mittel- noch Kompaktklasse), seit 2010 kein Spider, kein Coupé, …

    Seit Jahren nur heisse Luft von Marchionne, Ankündigungen und bunte Computer-Renderings! Giulia einmal mit Front-, dann mit Heckantrieb … „Lustige“ SUVs und „CUVs“ …

    Und das Beste: bei Lancia und Fiat sieht es noch schlechter bzw. genauso schlecht aus …

  • pro74

    Ahhh…bella macchina.

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