Stückzahlen wird Alfa Romeo mit dem 4c nicht machen.
Stückzahlen wird Alfa Romeo mit dem 4c nicht machen.
 

Vorstellung: Alfa Romeo 4C

Mit dem 4C wird Alfa Romeo kaum Stückzahlen machen. Er ist als Zeichen gedacht: Wir sind wieder da!

25.05.2013 Autorevue Magazin

Glauben Sie uns: Es kommt nicht alle Tage vor, dass wir uns in ein Auto hineinsetzen, wie jetzt in den Alfa Romeo 4C, und in der Sekunde und noch vor dem Starten geradezu scharf drauf sind loszufahren. Ein Vor­serien-4C, alfarot, schwarzes Leder, die Hand haben wir am Schlüssel. Nur umdrehen.

Leider geht das nicht mit dem Wegfahren, denn das Auto steht in einem Fotostudio in Turin, in welches die Autorevue als einziges heimisches Medium eingeladen wurde, und das jetzt aber nicht leider: um eine dingliche Annäherung vorzunehmen. Hoch­rangige Vertreter der Marke Alfa Romeo haben sich eingefunden, um ein paar Worte zu verlieren, und sie verlieren sich dann auch, in diesem Whiteout eines Studios, in dem zuerst nur das Auto zu sehen ist und ein paar Scheinwerfer und Kabel.

Wir haben aber den Schlüssel und drehen ihn – kein Startknopf, danke! –, und was dann klingt, ist auch nicht dazu angetan, nicht losfahren zu wollen. Dabei röhrt da ein schlanker Turbo-Vierzylinder mit lediglich 1,8 Liter Hubraum hinter den Schalensitzen, im Haus entwickelt und aus Aluminium. Sicher spielt die akustische Situation in der Räumlichkeit mit, aber man hört doch, dass hier scharf an der Musik gelayoutet wurde. „Nothing artificial, this is 100 percent original pure Alfa ­Romeo sound“, sagt der für den Alfa Romeo 4C verantwortliche Entwicklungschef Domenico ­Bagnasco, also alles echt, kein computerbasierter Sound-­Modulator, und wir haben hier gar keine Möglichkeit, das Gegenteil zu beweisen.

Der Alfa Romeo 4C ist ein Versprechen

Wie der Motor klingt, so wird das Auto sein. Es ist Alfa Romeos Versprechen für die Zukunft. In der Gegenwart bietet man zwei Modelle an, einen Klein- und einen Kompaktwagen. Aber es wird ja jetzt anders, sagen sie in Turin. Seit einem halben Jahr gibt es einen neuen Markenchef, ­Louis-Carl Vignon, und er erzählt uns, wie er die Situation vorgefunden hat, als er seinen Job antrat: Alle bis hinunter zum einfachsten Arbeiter waren voller Enthusiasmus, weil es endlich wieder aufwärts gehen würde. Stimmung super. Natürlich.

Der Alfa Romeo 4C wird aber ein spannendes Auto. Weniger als 900 Kilo Kampfgewicht und 240 PS Leistung versprechen fettfreies Vergnügen auch auf der Rennstrecke. DNA-Schalter wie bei Alfa üblich (dynamic, normal, all weather), drückt man hier aber länger Richtung D, kommt der Race-Modus, der das ESP ziemlich deaktiviert. Erst wenn das ABS aufgerufen wird, schaltet sich auch das ESP wieder ein. Die Kleinheit des 4C weist darauf hin, dass es aber auch im öffentlichen Raum und weit innerhalb der Fahrdynamikgrenzen lustig werden könnte. Das Auto lässt dich die Geschwindigkeit schon spüren, während du noch stehst. So geht Sportwagenbaukunst.

Alfa Romeo 4C.

Für das Fettfreie steht das Carbon-Monocoque. Man sieht es schon beim Über­klettern der Türschwelle, bei dem allerdings eine gewisse Beweglichkeit Wettbewerbsvorteile mit sich bringt. Man dürfte ­dabei nämlich beobachtet werden. Auch bei den Details wird Gewicht gespart, ­Radio und Klima werden nur gegen Aufpreis zu haben sein, sagt zumindest der Entwickler. Die Türschnallen sind Lederschlaufen, was nicht verhindert, dass sich die Türen gewichtig, gut und oberklassig anfühlen und satt schließen. 60 Prozent des Gewichts lasten auf dem hinteren Fahrzeugteil, in dem sich Motor und Getriebe befinden.

Der Alfa Romeo 4C wird in den kommenden Monaten in den USA auf den Markt kommen und im September in Europa. Nordamerika ist für Alfa die neue Hoffnungsregion. Der Alfa Romeio 4C soll sie öffnen, weitere  Modelle (Giulia, SUV) sollen sie erschließen und erobern.

Alfa Romeo 4C: 1000 Stück pro Jahr

Eine 4C-Launch Edition in 400 Exemplaren um mehr als 60.000 Euro ist schon ausverkauft. Es wird sowieso jährliche Limitierungen geben. ­Europa bekommt 1.000 Stück. Damit bleibt das Auto im Rahmen der Kleinserie, was Begehrlichkeiten der Legislative bezüglich Fußgängerschutz unterläuft. Der 4C muss nicht verkaufen, er muss ein Zeichen setzen: Jetzt ist Alfa wieder da, und wie!
Kleinserie heißt auch, dass nicht unendlich viel Geld für die Entwicklung zur Verfügung stand. Ständig waren sie auf der Suche nach Teilen aus dem Konzern, sagt der Chefdesigner Alessandro Maccolini. Und sie wurden in allen Regalen fündig. Heckleuchten, ­Außenspiegel, Seitenstrahler, Lautsprecher, Fensterheber, Luftauslassdüsen, DNA-Schalter – es fallen Namen wie Alfa Mito, Giulietta, Fiat Cinquecento, Lancia Delta. Regelrecht ein Patchworkauto.

Vignon sagt, die 1.000 Stück im Jahr zu verkaufen ist kein Problem, sie würden locker ein Vielfaches anbringen. Der 4C wird irgendwas um die 50.000 Euro kosten und ist für zahlungskräftige Alfisti ein Must-have, aber auch für diese anderen, die keinen Sechziger für einen Porsche Cayman ausgeben wollen, weil genau in dieser Gruppe wirkt der Alfa Romeo 4C – wenn wir schon vergleichen müssen. Weil eigentlich ist der Alfa um fast 400 Kilo leichter, entsprechend auch zum Beispiel um eineinhalb Sekunden schneller auf Hundert.

Von der Fahrdynamik  reden wir nach dem ersten Test. Aber so überaus pass­genau, wie das Auto um den Fahrer herumgebaut ist, so passgenau wird es wohl auch fahren, dieses schöne italienische Fliegengewicht.

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