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Er hätte die Rennsportwelt verändert

Der Alfa Tipo 512 hätte ein großartiger Rennwagen werden können, mit unglaublichen Leistungswerten. Doch Enzo Ferrari hatte etwas dagegen.

31.07.2016 radical mag

Eigentlich war Wilfredo Richard ja Flugzeug-Ingenieur. Und in dieser Funktion war der Spanier von Ugo Gobbato auch nach Portello geholt worden, er brauchte jemanden, der die immer wichtiger werdende Abteilung für Flugzeuge leitete. Ricart entwickelte dort auch den Flugzeug-Motor 1101, der anscheinend ein technischer Meilenstein war, was wir aber nicht beurteilen können, weil wir lieber am Boden sind als in der Luft. Ab 1940 leitete Ricart das Design- sowie das Special Research Department – zu dem auch Alfa Corse gehörte.

Warum der Durchbruch des Alfa Romeo Tipo 512 ausblieb

Seine erste Auto-Entwicklung hätte das Zeug gehabt, die Rennsport-Welt zu verändern. Doch dann kam der 2. Weltkrieg dazwischen. Und noch so manches anderes. Und so wurden zwar drei Exemplare des GP Tipo 512 gebaut, doch bei einem Rennen wurden sie nie eingesetzt. Den Ruhm schnappte sich nach dem Krieg der Tipo 158 von Gioachino Colombo, ein Fahrzeug, das Ricart schon 1940 als «Museumsstück» bezeichnete. Und es war tatsächlich so, der Tipo 512 von Ricart war um Welten fortschrittlicher als der spätere Weltmeister.

Alfa-Romeo-Tipo-512 (1)
© Bild: Werk

Technische Meisterleistungen

Es ging um die Klasse der «Voiturettes», jene 1,5-Liter-Formel, die schon vor dem Krieg entstand und die ab 1950 die Basis für die Formel 1 war. Ricart konstruierte einen der ersten Rennwagen mit Mittelmotor, mit einer DeDion-Achse hinten und Doppelquerlenkern vorne, mit Scheibenbremsen, die deutlich besser zupackten als alles, was es damals gab. Höhepunkt war aber ein fast quadratischer 12-Zylinder-Boxer aus Magnesium, der mit einem zweistufigen Kompressor auf die unglaubliche Leistung von 335 PS bei 8.600/min kam. Das bedeutete: 225 PS pro Liter Hubraum. Ein Jahr zuvor hatte der Mercedes M165 186 PS/L geschafft, eine Zahl, die als unschlagbar galt. Geschaltet wurde über fünf Gänge, die theoretische Höchstgeschwindigkeit des 710 Kilo schweren Rennwagens lag bei 300 km/h.

Nahezu unfahrbar

Der Tipo 512 erwies sich zu Beginn als fast unfahrbar. Weil das Chassis zu wenig steif war. Und weil Ricart als Flugzeug-Ingenieur wohl einfach zu wenig Ahnung von Bodenhaftung, sprich: Fahrwerken hatte. Doch es half ihm in Portello auch niemand, Enzo Ferrari hatte in der Scuderia Ferrari die gesamte Erfahrung gesammelt und war ein klarer Gegner von Ricart. Und deshalb wurde der Tipo 158 forciert, nicht das innovativere Projekt von Ricart. Der Spanier kehrte kurz darauf in seine Heimat zurück und gründete dort eine Automarke, die den wahrscheinlich besten Sportwagen der 50er Jahre baute: Pegaso.

Alfa Romeo Museo Storico

Es ist dies ein weiterer Teil über unsere liebsten Ausstellungsstücke im Museo Storico von Alfa Romeo, wo wir eine Nacht verbringen durften. Was wir schon hatten:

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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