Alfa Romeo Giulia Spider Oldtimer Gebrauchtwagen 1966 Test
Das Verdeck nagt keineswegs an der Schönheit des Spider.
 

Frühe Reife

Das Erbe, das der Alfa Spider antrat, war nur mit eigener Linie, eigener Persönlichkeit, einer Hauptrolle im Film und viel Zeit zu bewältigen.

10.08.2012 Autorevue Magazin

In „The Graduate“ (Die Reifeprüfung) mit Dustin Hoffman, Anne Bancroft und Katharine Ross spielt der sehr neue ­Spider 1967 eine wesentliche Hauptrolle, wird von Dustin Hoffman meistens flott bewegt, und der benützt zum Aussteigen manchmal auch die Tür. Dass als finales Fluchtfahrzeug der Linienbus her­halten musste, während der Spider unbeachtet stehen blieb, war zwar schade, konnte aber an der ­Berühmtheit des neuen Spider nicht mehr nagen. In den USA ist er bis heute als Graduate-Alfa bekannt, einer der schmeichelhafteren Spitznamen.

Denn bei seinem Erscheinen war der Spider keineswegs das, was wir heute in ihm sehen, sondern für Alfafans eine ­Enttäuschung auf Rädern. Nach dem unantastbaren Giulietta Spider, mit dezentem Barock in schlanker Linie längst ein Denkmal, kam der Neue völlig ansatzlos ums Eck – die einzige Verwandtschaft fokussierte im Motor, in Zeiten seitlicher Nockenwellen und langer ­Stößelstangen pure Renn­technologie: Zwei oben ­liegende Nockenwellen,Kopf und Block aus Alumi­nium, dazu ein Fünfganggetriebe, als vier Gänge gerade erst gefestigt ­waren als Standard.

Das ­Design aber wurde in Italien „Osso di Sepia“ genannt, also Schulp (Schale) des Tin­ten­fisches. Im deutschsprachigen Raum, ungeübt mit Tintenfisch, wurde das Wort Schlauchboot flügge, etwas ­dezenter wurde der Spider auch per „Bootsheck“ angesprochen. Also schrieb Alfa einen ­Ideenwettbewerb aus. Die Einsendungen enthielten noch unbrauchbarere Vorschläge (Al Capone, Pizza, Sputnik, Stalin, beispielsweise), aber auch den Namen Duetto. Der erinnerte zwar an die Kombiversion des Buckelvolvo (Duett), durfte aber zum werksseitig genehmigten ­Namen reifen.

Heute ist die aus allen Blickwinkeln rundum geschlossene Linie einfach nur schön, die filigranen Zier­leisten und Absteppungen innen erzählen von den 60ern, der Schalthebel zeigt eine ­Länge, die einst als sportlich galt. Ein Spider im neuwertigen ­Zustand liegt solide am ­Asphalt, wendig und fein aus­balanciert zwischen knorrigem Roadstertum und zweisitzigem Cabrio. Man sitzt tief, aber nicht auf der Straße, hört den Motor arbeiten, aber nicht brüllen, und lässt die 115 PS gerne über die 1040 kg herfallen, sobald das Motoröl behutsam warmgefahren wurde.

 

Alfa Romeo Giulia Spider Oldtimer Gebrauchtwagen 1966 Test

 

Bald kamen Spider-Versionen mit 1779 und 1290 ccm dazu, alle basierten auf Alfas denkmalgeschütztem DOHC-Aggregat, und schon 1969 kam ein Facelift, vor allem am Heck: Fortan war der Spider hinten kantig und 12 cm kürzer, er bekam zwecks Unterscheidung den Namen Fastback mit auf den Weg, verlor die Plexiglas-Abdeckungen über den Scheinwerfern (die das US-Modell nie hatte), die Frontscheibe stand flacher, die Pedale waren hängend angeordnet, die Bremse verfügte über zwei Kreisläufe, das Interieur wurde dezent Richtung 70er gebürstet.

Der Neue blieb unverdrossen, 1980 schrieb Phil Waldeck, unermüdlicher Botschafter des Fahrtwindes im Haar, unter dem Titel „Die Mailänder Droge“ über den Fastback-­Spider und eine 17-Stunden Reise Wien-Wolkersdorf-Wien. Langsam zeichnete sich die Mission des Spider ab: das ­Cabrio an sich am Leben zu erhalten, als feingliedrige Trutzburg den Verlöteten eine Narrenkappe aufzusetzen und den Roadstergedanken zu befeuern, mit wenigen Gleich­gesinnten. Der Fiat 124 Spider war ähnlich lange am Leben, der MGB ging schon 1980, der Mazda MX-5 sollte erst 1989 zu Hilfe kommen. Dabei sah es auch um den Alfa Spider zeitweise gar nicht gut aus, vor allem hinten: Der Plastikspoiler, der ihm 1983 nach einer Pininfarina-Studie von 1974 aufgebrummt wurde, ließ die Fans um Gnade winseln. Die kam allenfalls von Tunern, die in der Herstellung schöner Kofferraumdeckel ein neues Betätigungsfeld fanden, bis Alfa 1990 alles wieder gutmachte: In seiner letzten Evolutions­stufe war der Spider in der Neuzeit gelandet, der dezente Heckspoiler war gut integriert, die Ästhetik der ­Karosserie war wieder durchgängig und sie zeigte erfreuliche Rostresistenz, verglichen mit früheren Jahren. Die lagen beim Produk­tionsende 27 Jahre zurück: Der 1994er Spider hatte mit dem Vorgänger praktisch nur mehr den Namen gemein.

 

Alfa Romeo Giulia Spider Oldtimer Gebrauchtwagen 1966 Test

Der Besitzer
Alfas waren wunderbare Exoten in ­Gerhard Hackls Jugend, „anders als die Käfer, NSU und Toyotas damals im Waldviertel“. Während seiner HAK-Zeit konnte er bei einem Schulkollegen erkennen, dass ein Bertone-Alfa bei den Schulkolleginnen den besten Eindruck hinterließ, damit war die Zukunft endgültig vorgezeichnet: „Mein erstes Auto war eine Giulia Super“, seither sind ­etliche Alfas dazugekommen, 1986 der Fotomodell-Spider, damals noch durch mattschwarzen Lack und Käfig entstellt. Später hat Gerhard Hackl den originalgetreuen Zustand des US-Modells wieder hergestellt, selbst und mit extremer Sorgfalt.

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