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AK Steiermark kritisiert Pendlerrechner

Die AK Steiermark entdeckte „gravierende Ungereimtheiten“ beim Pendlerrechner des Finanzministeriums – Pauschale fällt in meisten Fällen zu gering aus

13.02.2014 APA

Die Arbeiterkammer Steiermark übt weiter Kritik am Pendlerrechner des Finanzministeriums. Dieser ist seit Mittwoch online abrufbar. Die AK Steiermark kritisiert, die schon während der Testphase geäußerten Mängel seien nicht behoben worden. In 20 von 30 zufällig ausgewählten Fällen führe der Rechner zu geringerer Pauschale. In einem dokumentierten Fall sind es gar um mehr als 300 Euro pro Jahr weniger als zuvor.

Mängel wurden nicht korrigiert

Die AK hatte im Jänner 30 Datensätze in den nun amtlichen Pendlerrechner im Internet eingegeben und dabei „gravierende Ungereimtheiten“ entdeckt und eine Überarbeitung gefordert. Nachdem der Rechner nun für alle online ist, gaben sie die 30 Datensätze erneut ein und es wurden abermals die gleichen Ergebnisse wie in der Testphase geliefert: Nur in acht Fällen blieb die Höhe der Pauschale gleich, in zwei Fällen konnte eine Verbesserung in Form von mehr Geld festgestellt werden. Bei der Mehrzahl sind Einbußen zu verkraften.

Beispiel: Differenz von 304 Euro

Am Beispiel von AK-Steuerexperten Bernhard Koller beträgt die Differenz knapp 304 Euro. Der Oststeirer setzt seit Jahren auf den öffentlichen Verkehr und fährt stets von seinem Wohnort zum nächstgelegenen Bahnhof sechs Kilometer, um von dort mit dem Zug 56 Kilometer über Gleisdorf nach Graz zurückzulegen. Macht in Summe 62 Kilometer und eine jährliche (kleine) Pendlerpauschale in der Höhe von 2.016 Euro. Der neue Pendlerrechner dagegen geht davon aus, dass er von seinem Wohnort mit dem Auto direkt 21 Kilometer nach Gleisdorf fahren könnte und erst dort in den Zug einsteigt. Das mache in Summe nur 52 Kilometer und eine Pauschale von 1.356 Euro. Abzüglich aller Abgaben und eingerechneten Pendlereuro habe Koller einen Verlust von 303,8 Euro. Kurioses Detail: Würde er in Gleisdorf arbeiten und nicht weiter nach Graz fahren, bekäme er laut Rechner sogar um 120 Euro mehr Pauschale.

Finanzministerium: Ergebnis des Pendlerrechners ist „amtliche Grundlage“

Seitens des Finanzministeriums (BMF) hieß es, dass der Rechner „von Experten unter Federführung des BMF sorgfältig geplant und umgesetzt und allen technischen Tests vor Inbetriebnahme erfolgreich unterzogen“ worden sei. Er werde gut angenommen und verzeichnete Donnerstagvormittag stündlich rund 15.000 Zugriffe. Das Ergebnis des Pendlerrechners gelte als „amtliche Grundlage“.

Nur Routenvorschlag des Rechners wird ausbezahlt

Das Routenergebnis sei „nicht als Fahrtempfehlung zu betrachten“, jeder könne natürlich andere Wege in die Arbeit wählen, ausgezahlt wird jedoch nur das, was der Rechner liefert, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Ministerium. Laut Koller gehen die Annahmen des Pendlerrechners „an der Realität vorbei“. Pendler könnten zwar den Gegenbeweis erbringen, das aber nur, wenn man gegen den Steuerbescheid beruft. AK-Präsident Josef Pesserl schlug deswegen eine kilometerabhängige Pendlerförderung vor sowie die Möglichkeit für Pendler, gleich bei ihren Firmen den Gegenbeweis vorlegen zu können.

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  • Prohaska Franz

    Wir sind ein Unternehmen bei Wr.Neustadt 60% unserer Mitarbeiter (250)grossteils Schichtarbeiter haben bei diesen Rechner ein massives Minus.
    Danke für den Pendlereuro, auf der einen Seite 40 Euro erhalten auf der anderen 400 Euro abgezweigt. Wo ist der Aufschrei der Autofahrerklubs,politische Parteien aus der Opposition. Wir werden abgezockt keinen interessiert es!!!

  • audi123

    Hm ich finds ja interessant, dass die „Steuerexperten“ der AK offenbar die Verordnung nicht kennen: da ist zu lesen, dass eine Strecke, die bis zu 50% mit dem PKW zurück gelegt wird noch als Öffi-Strecke gilt. Das hat also nix mit „ungerecht“ zu tun sondern war bisher auch schon so.

    Die angeführte P+R Strecke wird halt schneller sein also alles wie im Gesetz.

    Als steuerzahlender Bürger ist mir das Recht, wenn diese Dinge transparent werden.

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