Adnan ist nicht nachtragend

Der Leiter des Autorevue-Ressorts „Möbel, Pelz und teure Getränke“ ließ sich zum Eis-Poloturnier nach St. Moritz chauffieren. Aber ordentlich.

28.12.2010 Autorevue Magazin

Polo wurde ein paar hundert Jahre vor Christi Geburt in Indien erfunden, und wenn kein Schachspieler zuhört, nennen es die Polospieler das Spiel der Könige. Letzteres dürfte der Grund gewesen sein, dass man uns zum 24. Cartier Polo World Cup on Snow in St. Moritz einlud.

Polo St. Moritz Maybach

St. Moritz hat den auch von uns geschätzten Vorteil, dass es einer von zwei Skiorten weltweit ist, den man auch mit halbwegs größeren Privatjets wie der beliebten Gulfstream 500 anfliegen kann, der andere ist Aspen, welches wir aber meiden, denn wir finden es affig, zum Skisport nach Amerika zu fliegen.

Auch nach St. Moritz sind wir nicht geflogen. Weil nämlich Maybach eines der vier am Polo Cup teilnehmenden Teams sponsert – die anderen sind Penny Markt, Eduscho und Red Bull, nein Witz, es sind Cartier, Brioni und ein Bankhaus namens ­Julius Bär, das trotz seines Namens eine seriöse Institution sein soll, wie man uns eilig versicherte – weil also Maybach eines der Teams sponsert, ließ man in Stuttgart eine Flotte vom Stapel. Vornehmlich 62er, versteht sich. Der Maybach ist ein stattliches und laufruhiges Automobil mit elektrisch verstellbaren, gerafften Vorhängen, welche es, zumal in Schwarz, für den Einsatz auf vornehmen Begräbnissen prä­desti­nieren. In Weiß oder Weißblau nicht so.

Werks-Chauffeur Gustav fuhr einen weißblauen 62er. Im gekühlten Fach zwischen den beiden Rücksitzen befand sich eine vorgerüttelte Flasche Moët & Chandon. Um Gustav nicht zu kränken, ließen wir ein wenig Luft in die Flasche, zunächst durch Versprühen der einen Hälfte im Wageninneren, sodann durch Austrinken des Rests. Gustav navigierte den Maybach mit Zwozwanzig durch den dichten Morgenverkehr und überging diplomatisch unsere kleinen Fauxpas. Während sich von den weichen Schafwollteppichen ein zarter Champagnerduft ausbreitete, näherten wir uns der Schweizer Grenze. Dort mussten wir den Maybach verzollen, was, wie jedermann, der eine Herkunft hat, weiß, bei einem Automobil mit Chauffeur Pflicht ist. Die kleine Formalität nimmt aber nicht viel Zeit in Anspruch und rechtfertigte es, wenn man die Mühen des Selberfahrens bedenkt, keinesfalls, den Chauffeur zu Hause zu lassen. Ein kleiner Tipp für Pfennigfüchse: Wer sich was sparen will, kann ihn ja für den Grenzübertritt im Kofferraum verstecken.

Polo St. Moritz Maybach

Nun, die kleine Formalität war im Handumdrehen überstanden, und in einem ebensolchen waren wir auch schon in St. Moritz. Bei der Wahl des ­Hotels hat Maybach zu Kempinski gegriffen, eine Wahl, die unsere volle Zustimmung fand. Denn das Kulm ist ein alter Kasten und von modriger Atmosphäre, das muss auch einmal gesagt sein. Am Abend stand eine stimmungsvolle Kutschenfahrt für ca. 70 Maybach-Owner am Programm, sodann ging es mit dem Sessellift auf 2147 Meter Seehöhe, wo im „el paradiso“ schon ein gediegenes original Schweizer Geißenpeter-Almhütten-Nachtmahl auf uns wartete.

Während wir uns an frischen Belon-Austern labten, gab es einen hässlichen Zwischenfall. Einem der Gäste kam in der Garderobe ein Kleidungsstück abhanden, was ihn zu der patzigen Bemerkung veranlasste, dass man hier über einen 100.000-Dollar-Pelzmantel spräche. Mir schien, dass vor allem er über den Mantel sprach, während die Garderobiere, an derlei Lappalien offenbar gewöhnt, hinhaltendes Desinteresse zeigte in der Hoffnung, der Gast würde das Kleinliche seines Auftrittes erkennen, die Sache auf sich beruhen lassen und sich für die Talfahrt mit einer der großzügig bereitgestellten Pferdedecken zufriedengeben. So war es denn auch. Der Calon-Ségur 1990 sowie die Gespräche von Maybach-Owner zu Maybach-Owner hatten uns alle angenehm erwärmt.

Polo St. Moritz Maybach

Jetzt werden Sie sicher wissen wollen, worüber Maybachfahrer so reden, wenn sie unter sich sind. Themen, die nicht behandelt wurden: der Benzinpreis, die Premiere von Kung Fu Panda und die umfangreiche Serienausstattung des Automobils Maybach-Zwölfzylinder. Stattdessen erfuhr die Tatsache Verwunderung, dass der Lift, der uns nach hier heroben brachte, ein Einzelsessellift aus den Sechzigerjahren war, der, und das war der eigentliche Kritikpunkt, offenbar nicht extra für die Maybachfahrer aufgestellt worden war.

Da wurde anderntags für uns schon anderes Material herangezogen. Per Heli­kopter ging’s auf die Fuorcla Chamuotsch in 2923 m Höhe zum Champagner-Empfang. Das war einmal ein luftiger Spaß! Leider war es auf dem kleinen Fels-Plateau ein wenig überfüllt, so dass so mancher Maybachfahrer die Aussicht vor allem auf andere Maybachfahrer genoss, nur die, die am Rand standen, blickten weit übers Land.

Polo St. Moritz Maybach

Es wird nun Zeit, ein paar Worte über das Polo­spiel zu verlieren. Dessen schneidige Eleganz steht außer Frage, zumal, wenn der Pulverschnee stiebt. Das Publikum ist angenehm zurückhaltend und mehrheitlich durchdrungen von der Erhabenheit der kolonialen Idee. Dass nach jedem Tor die ­Seiten gewechselt werden, sorgt für Verwirrung, verhindert gleichzeitig aber auch, dass man das ganze Spiel über zur selben Mannschaft hält, vor allem dann, wenn man etwas vergesslich ist. Im VIP-Zelt biegt sich das Eis – denn das Eispolo findet auf dem St. Moritz-See statt – unter der Last der Austern, Champagnerkelche, aufgespritzten Lippen und Crème Brulées mit Maracujakugerln. Außerdem wird traditionsgemäß Spanferkel gegrillt.

Vor dem Pologelände parken auch ohne Maybach-Einladung zum Beispiel immer ein paar Maybachs ­(Porschefahrer lassen ihre Autos einsichtig am Festland stehen). Am zweitlustigsten war Societylady Renate Hirsch-Giacomuzzi. Am lustigsten war, wie unser Fotograf den Ball voll auf die Zitrone bekommen hat. So was sollte öfters passieren.

Zuletzt stand noch ein Treffen mit Adnan ­Kashoggi und Monica Bellucci am Programm. Dass Adnan vorbeischaute, fanden wir echt nett, immerhin war er erst 1989 in der Schweiz verhaftet worden, weil er mit Marcos von den Philippinen illegale Geschäfte getrieben haben soll. Aber Adnan ist nicht nachtragend. Monica, eine Filmschauspielerin, wiederum trägt manches vor sich her. Sie ernährt sich ja auch gut. Zum Beispiel Spanferkel. Im Schweizer Nachrichtenmagazin „Blick“ stand denn auch tags darauf zu lesen: „Das Spanferkel vom Spieß ist hervorragend, rühmte das Sexsymbol.“

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