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ADAC-Präsident Peter Meyer. © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH / Jan-Philipp Strobel/Archiv
 

ADAC: Präsident Peter Meyer legt sein Amt nieder

„Möchte nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden“

10.02.2014 APA

Die ADAC-Führung hat ihren seit dem Manipulationsskandal in der Kritik stehenden Präsidenten Peter Meyer gestürzt: Nachdem das ADAC-Präsidium am Montag ein Suspendierungsverfahren gegen den 64-Jährigen einleitete, erklärte dieser seinen Rücktritt. Meyer erklärte, er wolle nicht länger alleiniger Sündenbock sein. Das Präsidium wiederum hielt ihm seine Krisenaufarbeitung vor.

Meyer hatte Rücktritt mehrfach ausgeschlossen

Der ADAC steht seit Bekanntwerden von Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ in der Kritik. Der seit 2001 amtierende Meyer hatte ursprünglich einen Rücktritt wegen der Affäre abgelehnt und stattdessen eine umfassende Reform des Vereins angekündigt. Inzwischen wurden weitere Vorwürfe gegen den ADAC laut, etwa wegen der Nutzung von vereinseigenen Rettungshubschraubern für Dienstreisen des Präsidiums.

In einer vom Präsidium und Verwaltungsrat des größten europäischen Automobilclubs verbreiteten Erklärung heißt es, Meyer sei in besonderem Maße für die Kommunikation und Außenwirkung des Clubs verantwortlich gewesen. „Angesichts der aktuellen Vertrauenskrise und der erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung“ sei ein Suspendierungsverfahren beschlossen worden. Dieser Suspendierung kam Meyer mit seinem sofortigen Rücktritt zuvor.

Vorest übernimmt August Markl die Geschäfte

Kommissarisch wird der 65-jährige Vizepräsident August Markl Meyers Geschäfte führen, ein neuer Präsident soll bei der nächsten Hauptversammlung im Mai gewählt werden. Markl erklärte, die Struktur des unter Meyer stark gewachsenen ADAC werde den mit der Organisationsgröße verbundenen Anforderungen nicht mehr gerecht. Markl bekannte sich zur Notwendigkeit eines tief greifenden Reformprozesses, „der auch vor vermeintlichen Tabus nicht zurückschreckt und den ADAC für die Zukunft neu aufstellt“.

Meyer ging in seiner Rücktrittserklärung nicht auf das Suspendierungsverfahren ein. Er begründete seinen Rücktritt mit der fehlenden vereinsinternen Unterstützung. „Wenn die Gremien in Krisen eine Gefolgschaft nicht leisten, kann es keine strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderungen im ADAC geben.“ Er glaube an den vorgestellten Zehn-Punkte-Plan zur Reform des Clubs, betonte Meyer.

Meyer streitet Verantwortung für Manipulation ab

Der Ex-Präsident stritt weiter jede Verantwortung für die Skandale ab. Es handle sich um „Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften“. Dafür wolle er nicht weiter alleine verantwortlich gemacht werden. In seiner Erklärung heißt es, die Angriffe und Diffamierungen seiner Person belasteten nicht nur den ADAC, sondern auch seine Familie. Die Entscheidung zum Rücktritt sei von ihm „allein und sorgfältig überlegt“ gefällt worden.

Der Rücktritt erfolgte zum Zeitpunkt des ersten größeren Schritts bei der Aufarbeitung des Manipulationsskandals. Am Montag stellte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte der ADAC-Spitze in München die ersten Ergebnisse ihrer Untersuchung der Fälschungen beim „Gelben Engel“ vor. Nach Angaben eines ADAC-Sprechers ist noch offen, wann und in welchem Rahmen diese Ergebnisse öffentlich präsentiert werden. Womöglich würden sie am Dienstag vorgestellt.

Justizminister: Meyers Rücktrit ist nicht genug

Justizminister Heiko Maas (SPD) erklärte, Meyers Rücktritt werde allein nicht ausreichen. „Der ADAC muss sich das verlorene Vertrauen seiner Mitglieder zurück erarbeiten.“ Dafür brauche es größtmögliche Transparenz und grundlegende Reformen. „Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass Produkttests und Umfragen nicht manipuliert werden.“

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