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30 Dienstreisen in den letzten 10 Jahren wurden mit dem Rettungshubschrauber gemacht. © gynti_46 / flickr.com
 

ADAC: Chef nutzte Rettungshubschrauber für Dienstreisen

Nach der Manipulation des Autopreises „Gelber Engel“ kommt die nächste Negativschlagzeile für den ADAC. Die Führungsspitze nutzte für Dienstreisen den Rettungshubschrauber.

24.01.2014 APA

Der Deutsche Automobilclub ADAC kommt nicht zur Ruhe. Nach der Manipulation des Autopreises „Gelber Engel“ wurde jetzt durch das Magazin „Stern“ bekannt, dass die Führungsspitze für Dienstreisen Hubschrauber – der gemeinnützigen Luftrettung – verwendet hat. ADAC-Präsident Peter Meyer sowie die weiteren Präsidiumsmitglieder dürften in begründeten Ausnahmefällen Reservemaschinen nutzen, sagte ein Sprecher des Automobilclubs am Freitag und bestätigte einen Vorabbericht des Magazins „Stern“.

30 Flüge in den letzten 10 Jahren

In den vergangenen zehn Jahren habe es rund 30 solcher Flüge gegeben. „Das ist beileibe nicht an der Tagesordnung.“ Die Hubschrauberflüge seien vom Verein „komplett und voll transparent“ bezahlt worden.

Keine öffentlichen Gelder für die Flüge verwendet

In dem Magazinbericht hieß es, die Abrechnung der Flüge werfe Fragen auf. Die Hubschrauber der ADAC-Luftrettung werden demnach aus Bundesmitteln, Krankenkassenbeiträgen, von Vereinsmitgliedern und durch Spenden finanziert. Der ADAC-Sprecher sagte, alle 30 Flüge seien intern überprüft worden. Es seien „keine öffentlichen Gelder“ dafür verwendet worden. Die Luftrettung GmbH habe dem ADAC e.V. die Flüge in Rechnung gestellt.

Höhe der Kosten noch nicht bekannt

Wie hoch die Kosten waren, konnte der Sprecher nicht sagen. Er betonte, auf Hubschrauber werde nur zurückgegriffen, wenn keine andere Möglichkeit bestehe, rechtzeitig zu Terminen zu reisen. Zudem sei der Einsatz der eigenen Maschinen günstiger als gemietete Hubschrauber. Die Präsidiumsmitglieder hätten weder Dienstwagen noch nutzten sie eine Fahrbereitschaft, sondern meist ihre Privatautos.

Luftrettung ist eine wichtige Kernleistung

Der ADAC bezeichnet die Luftrettung als eine seiner wichtigsten Kernleistungen und gründete dazu 1982 die gemeinnützig anerkannte Luftrettung GmbH. Diese verfügt laut ADAC-Sprecher über 51 Hubschrauber, davon 15 zur Reserve. Diese Reservemaschinen würden – gegen Entgelt – auch an andere Luftrettungsorganisationen verliehen oder kämen bei Sport-Großveranstaltungen zum Einsatz.

Chronologie der bisherigen Ereignisse

Das Jahr 2014 hat für den ADAC denkbar schlecht begonnen. Eine Übersicht von den bisherigen Ereignissen die von Manipulationen, Kommunikationspannen und Ungereimtheiten dominiert werden.

13. Jänner 2014

Der ADAC gibt bekannt, dass die Leser der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ den VW-Golf zum Lieblingsauto der Deutschen gewählt haben. Das Magazin hatte den knapp 19 Millionen Clubmitgliedern Fahrzeuge aller Klassen zur Wahl gestellt.

14. Jänner

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über Manipulationen bei der Wahl. Es soll nur 3.409 Stimmen für den Sieger gegeben haben. Ein ADAC-Papier hatte dagegen 34.299 Stimmen für den Gewinner des „Gelben Engels“ genannt. Der Club weist den Vorwurf zurück, will aber keine Zahlen nennen.

16. Jänner

Bei der Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem „Gelben Engel“ in München spricht Geschäftsführer Karl Obermair von „Unterstellungen und Unwahrheiten“.

17. Jänner

Um 9.56 Uhr gesteht ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter die Fälschungen, wie Obermair zwei Tage später berichtet. Ramstetter übernimmt die alleinige Verantwortung und legt sein Amt nieder. Der ADAC geht damit aber nicht an die Öffentlichkeit.

19. Jänner

Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ räumt der ADAC die Manipulationen ein und bestätigt Ramstetters Abgang. Laut ADAC wussten Präsidium und Geschäftsführung nicht von den Unregelmäßigkeiten.

20. Jänner

Ramstetter schönte nach eigener Aussage auch die Jahre zuvor bei der Umfrage zum Lieblingsauto die Zahlen, sagt Obermair. Er kündigt eine umfassende Aufklärung an. Der ADAC will zudem seine Strukturen reformieren und für mehr Transparenz sorgen. Weitere personelle Konsequenzen soll es zunächst nicht geben.

21. Jänner

ADAC-Präsident Peter Meyer lehnt einen Rücktritt ab. Die Staatsanwaltschaft München untersucht in einer „Vorprüfung“, ob Straftatbestände berührt sein könnten.

22. Jänner

Meyer verspricht ein Reformprogramm für den ADAC. Er werde der Hauptversammlung im Mai Vorschläge unterbreiten, „die dauerhaft für mehr Offenheit, höhere Transparenz und direktere Mitgliedereinbindung sorgen sollen“. Der Autopreis wird vorübergehend eingestellt.

23. Jänner

Wegen der frisierten Zahlen beim „Gelben Engel“ will sich der ADAC bei Autoherstellern und Zulieferern entschuldigen. Unklar ist die Zukunft des Autopreises. Meyer sagt, dieser habe „sicherlich“ keine Zukunft. Ein Sprecher betont jedoch, es sei noch nicht entschieden, ob und in welcher Form es den Preis künftig geben werde. Das Registergericht beim Amtsgericht München kündigt an, dass der Vereinsstatus des Autoclubs überprüft wird.

24. Jänner

Mitglieder des ADAC-Präsidiums haben die gelben Rettungshubschrauber des Autoclubs für Dienstreisen genutzt. Eine Sprecherin des ADAC bestätigt einen entsprechenden Bericht des Magazins „Stern“ und sagte, solche Flüge seien in den vergangenen zehn Jahren „weniger als 30 Mal“ vorgekommen. Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft der „Welt“ zufolge eine mögliche strafrechtliche Relevanz dieses Vorgehens.

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