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ADAC-Betrug: Autokonzerne planen Rückgabe aller Preise

Neuer Verdacht der Platzierungsmanipulation. Ein Untersuchungsergenbnis wird nächste Woche erwartet.

07.02.2014 APA

Der ADAC soll einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ nicht nur die Stimmenzahl, sondern auch die Platzierung manipuliert haben. Das ergebe sich aus internen Unterlagen des Vereins, berichtete die Zeitung am Donnerstag vorab.

ADAC bestätigt Platzierungsmanipulation nicht

ADAC-Sprecher Christian Garrels sagte, er könne den Bericht nicht bestätigen. Der Club verwies auf die Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. „Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Dem ADAC sind bisher keinerlei Ergebnisse bekannt“, sagte Garrels. „Den Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Ergebnisse gibt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vor.“ Diese hatte angekündigt, am nächsten Montag oder Dienstag erste Erkenntnisse zu veröffentlichen.

Dem „SZ“-Bericht zufolge landete bei der Publikumsabstimmung zum „Gelben Engel“ 2014 kein 5er BMW unter den ersten fünf Gewinnern. Das Modell rangierte stattdessen auf dem siebenten Platz. In der offiziellen Pressemittlung des ADAC sei dieser BMW dann aber auf Platz fünf zu finden gewesen.

Das eigentlich fünftplatzierte VW-Modell Tiguan sei dafür nicht erwähnt worden, schreibt die Zeitung weiter. Sieger sei der VW Golf geworden. Nach der Veränderung der Reihenfolge sei neben VW und Mercedes auch BMW vertreten gewesen, also die drei größten deutschen Autohersteller.

Hersteller wollen Preise zurückgeben

Die Autohersteller planen wegen des neuen Fälschungsverdachts beim ADAC nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gemeinsam Konsequenzen. Wenn sich der Verdacht bestätigt, wollen die Hersteller demnach alle ADAC-Preise zurückgeben.

Eine entsprechende Erklärung der Autokonzerne ist laut „FAZ“ (Freitag) schon vorbereitet. Sie gelte für den Fall, dass der ADAC bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ nicht nur die Teilnehmerzahlen geschönt, sondern auch die Reihenfolge der Sieger manipuliert hat.

„Dann wären die Preise für uns wertlos, und wir würden sie zurückgeben“, hatte BMW-Sprecher Kai Lichte bereits am Donnerstag mitgeteilt. Die Ergebnisse werden Anfang nächster Woche erwartet.

Reformkurs: Funktion eines CCO wird geschaffen

Der ADAC beschloss unterdessen einen Zehn-Punkte-Plan zum angekündigten Reformkurs. So werde die Funktion eines Chief Compliance Officers (CCO) geschaffen, teilte der ADAC am Freitag in München mit. Dieser solle künftig auf die Einhaltung von Verhaltensrichtlinien achten und eventuelle Verstöße aufdecken. Zudem will der ADAC eine externe Website freischalten, auf der Mitglieder – auch anonym – auf Missstände hinweisen könnten. Der ADAC brauche eine Zäsur, sagte sein Präsident Peter Meyer.

Die Rechtsanwaltskanzlei Freshfields soll zudem sämtliche Compliance-Regelungen des ADAC überprüfen und ein erweitertes Compliance-System entwickeln. Nach dem Zehn-Punkte-Plan gibt es ab sofort für Pannenhelfer des ADAC keinen Bonus mehr für den Verkauf von Auto-Batterien. Damit reagiert der Autoclub auf Vorwürfe, als Folge der Bonuszahlungen würden liegengebliebenen Autofahrern oftmals ohne Not neue Autobatterien aufgeschwatzt.

Die ADAC-Hubschrauber würden ab sofort ausnahmslos im Rahmen der Rettungshilfe eingesetzt, teilte der Autoclub weiter mit. In der Vergangenheit hatte führende ADAC-Vertreter die Helikopter in Ausnahmefällen für dienstliche Zwecke genutzt.

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