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Der ADAC muss mit einem großen Imageverlust rechnen.
 

ADAC Autowahl: Geschäftsführer nimmt Stellung zu Betrug

Karl Obermaier, der Geschäftsführer des ADAC, nimmt zu den Manipulationen der „Lieblingsauto der Deutschen“-Wahl Stellung.

20.01.2014 APA

Der Geschäftsführer des ADAC Karl Obermair hat dem Kommunikationschef Michael Ramstetter wegen der Manipulationen Dreistigkeit vorgeworfen. Bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen habe er die Zahlen „in einer unglaublich dreisten Art und Weise“ nach oben verändert, sagte der gebürtige Oberösterreicher Obermair am Montag in München.

Betrug bei Autowahl: Geständnis des Chefredakteurs

Geschäftsführung und Präsidium seien bis zum Geständnis des Chefredakteurs der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ am vergangenen Freitag von dessen Unschuld ausgegangen. „Dieser Vorgang tut uns leid, er trifft den ADAC ins Mark, weil wir als eine der vertrauenswürdigsten und seriösesten Organisationen galten“, sagte Obermair. „Dieser Ruf ist jetzt angeschlagen.“ Obermair versprach eine umfassende und möglichst rasche Aufklärung, organisatorische und strukturelle Veränderungen sind geplant. Andere Zahlen des ADAC – etwa bei Verbrauchertests – sind laut Obermair aber korrekt.

Karl Obermair

Karl Obermair (Geschäftsführer des ADAC). © Bild: REUTERS / Michaela Rehle

Verlangen nach Organisationsreform

Die neue Vorsitzende des Verbraucherschutz-Ausschusses, Renate Künast, verlangte vom ADAC eine Organisationsreform zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit. „Der ADAC hat Millionen Autofahrer hinter die Fichte geführt“, sagte die Grünen-Politikerin am Montag. Da der ADAC sich als unabhängig und gemeinnützig darstelle, habe er einen enormen Einfluss auf Kauf- und Mietverhalten. Seit langem wird dem ADAC von Kritikern mangelnde Transparenz vorgeworfen.

CSU-Chef ist nicht überrascht

CSU-Chef Horst Seehofer war für eine unabhängige Prüfung der Vorgänge beim ADAC. Er sei von den Manipulationen „nicht überrascht“, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert, so sagte Seehofer am Montag vor einer CSU-Vorstandssitzung in München.

Autobauer fordern Aufklärung

Volkswagen und Daimler forderten den Automobilclub ebenfalls zur umfassenden Aufklärung des Vorfalls auf. Gedanken über mögliche Konsequenzen könne man sich danach machen, ergänzte ein VW-Sprecher. Ford zeigte sich enttäuscht vom ADAC. „Der Preis hat eine große Reputation. Da geht man davon aus, dass es bei der Findung der Sieger mit rechten Dingen zugeht“, sagte ein Sprecher der Kölner Ford-Werke.

Manipulation der Leserwahl

Der Automobilclub hatte eingeräumt, die Wahl des Lieblingsautos der Deutschen durch die Leser seines Magazins „ADAC Motorwelt“ manipuliert zu haben. Demnach stimmten viel weniger Leser für das mit dem „Gelben Engel“ ausgezeichnete Auto als angegeben. Die „Süddeutschen Zeitung“ berichtete davon, dass etwa statt 290.000 kolportierter abgebener Stimmen nur rund 76.000 tatsächlich abgegeben wurden. Die Rangfolge der beliebtesten Autos sei aber nicht verändert worden. Die Organisation erklärte, weder die Geschäftsführung noch das Präsidium hätten von den Unregelmäßigkeiten gewusst.

ÖAMTC-Preis nicht betroffen

Obermair ist seit Juli 2012 ADAC-Geschäftsfüherer, von 1991 bis 2002 war er als Geschäftsführer der ÖAMTC-Akademie und in der Folge als Mitglied der Geschäftsleitung des ÖAMTC tätig. Als „ärgerliche Malversation“ hat ÖAMTC-Verbandsdirektor Oliver Schmerold die aufgedeckten Manipulationen um den deutschen Autopreis „Gelber Engel“ im Gespräch mit der APA bezeichnet. Der „Einzelfall“ werde jedoch keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit zum Schwesterclub ADAC haben. Der ÖAMTC selbst vergibt 2014 zum zweiten Mal den Autopreis „Marcus“.

ADAC mit 1 Milliarde Euro Mitgliedsbeiträgen

Laut dem jüngsten Geschäftsbericht im Jahr 2012 nahm der ADAC eine Milliarde Euro an Mitgliedsbeiträgen ein. Eine weitere Milliarde nahmen die Tochtergesellschaften ein, vor allem die Versicherungen, Finanzdienstleistungen und Autovermietung wuchsen kräftig. Eine weitere halbe Milliarde steuerten die Regionalgesellschaften zum ADAC-Umsatz bei. Nach Abzug der Kosten etwa für die Pannenhilfe erwirtschaftete der ADAC 167 Millionen Euro Gewinn. Das Anlagevermögen erreichte zuletzt 1,94 Milliarden Euro, das Eigenkapital gut eine Milliarde Euro.

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