AC 428 Frua Coupe seitlich von hinten weiß
Hier braucht es keinen Schlangenbeschwörer, diese Cobra will nur spielen.
 

Zahme Cobra

AC 428 Frua, die Zahme Cobra ist richtig schnell, denn sowohl Fahrwerk wie auch Antrieb sind bestens, und die Ersatzteil-Situation ist eigentlich problemlos.

19.08.2013 radical mag

AC, da sieht der Normal-Interessierte eigentlich nur: Cobra. Es gibt noch ein paar wenige Eingeweihte, die haben auch schon vom Ace gehört oder gelesen oder gar vom Aceca, und ein noch kleinerer Kreis weiß auch noch, dass AC einer der ältesten englischen Hersteller überhaupt ist und eigentlich auch noch existiert, obwohl die Besitzverhältnisse unterdessen sehr unübersichtlich sind und die Konkurserklärungen die Modellneuheiten bei weitem übersteigen. Was allerdings nicht besonders schwierig ist, denn zuletzt hat von AC gehört, als sie die Rechte am smart Roadster kauften, und das ist ja eine geistige Bankrotterklärung par excellence.

Armaturen des AC 428 Frua

Tokyo, Paris, London, New York

Die Cobra 427 war eine „bitch“

Cobra haben wir beschrieben, Ace/Aceca auch, nun also noch: der AC 428 Frua. Caroll Shelbys Liebe zur Cobra dauerte bis 1967 und endete mit dem bösen, bösen 427 (der eigentlich ja ein 425er war); AC baute noch bis 1969 Cobras, mit dem «small block». Doch man hatte in England viel investiert in den 427er, und irgendwie war es ja schade, dieses Ungeheuer sterben zu lassen. Um das Fahrverhalten zu verbessern (yep, die Cobra 427 war eine «bitch»), wurde der Radstand verlängert um 6 inch – jetzt fehlte nur noch ein Gehäuse. Charles und Derek Hurlock, die Scheffen von AC und dank der Cobra zu einigem Wohlstand und sogar Ruhm gekommen, wandten sich zuerst an Bertone, doch die Dienste von Scaglione und Co. waren wohl leicht überteuert. Also fand man: Frua.

Der Designer Pietro Frua

Pietro Frua, geboren 1913, war eine ganz besondere Nummer. Zwar werden ihm 210 Fahrzeuge zugeschrieben, die er gezeichnet oder ausgeführt haben soll, doch wo immer Frua auch auftauchte, gab es auch – Ärger. Er verließ Stabilimenti Farina im Krach, er verließ Ghia im Krach, und man darf behaupten, ohne dem Italiener allzu nahe treten zu wollen, das keiner sich selber besser kopieren konnte als er selbst.

Licht und Schatten

Böse Zungen – und wir gehören dazu – würden sogar schreiben, dass die größte Leistung von Frua darin bestand, das immer gleiche Design an verschiedene Auto-Hersteller als exklusiv verkauft zu haben. Eines der Opfer: AC. (Halt, Stopp, wir wollen die Leistung von Pietro Frua nicht schmälern, er war ein guter, ein sehr guter Designer, ein ruhiger, anscheinend auch bescheidener Mann, der einige ganz wunderbare Autos auf die Räder brachte. Aber es gab, eben, auch: Schatten.)

Innenraum des AC 428 Frua

… aber typisch englisch

Im April 1965 erhielt Pietro Frau den Auftrag von AC, das neue Modell, das mit einem Ford-7-Liter-V8 (428 ci) ausgestattet sein sollte, einzukleiden. Im Oktober 1965 wurde in London ein erster Prototyp vorgestellt, ein zweisitziges Cabrio – das dem 1963 von Frua eingekleideten Maserati Mistral so täuschend ähnlich sah, dass keine Verwechslung ausgeschlossen werden konnte. Im März 1967 folgte dann auch noch das Coupé; ein Schelm, wer da nicht wieder den Mistral sah. Und auch noch den Monteverdi 375 (Monteverdi hatte ja auch nie Geld, da passte Frua bestens ins Schema). Gebaut wurde der 428 ab Herbst 1966, und ja, auch das Coupé.

Horsepower scheitert an Ölkrise

Wie auch immer, der AC 428 (so hieß das Ding offiziell) war ein scharfes Gerät. 345 britische Horsepower aus sieben Ford-V8-Litern, entweder eine 3-Gang-Automatik oder ein manuelles 4-Gang-Getriebe, Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen rundum – da ging was. Und auch wenn man Frua nicht besonders mag: der AC 428 sah gut aus. Trotzdem war er kein Erfolg, nur gerade 81 Stück wurden gebaut, 49 Coupé, 29 Cabrio und noch 3 Spezial-Anfertigungen (von denen man nicht viel weiß – oder kann uns da jemand helfen?). 1973 war dann Schluss, die Ölkrise brach dem 428er das Genick.

Knöpfe und Hebel des AC 428 Frua

James Bond lässt grüßen

Abenteuerliche Produktion

Außerdem war er schlicht: zu teuer. Für die knapp über 4000 Pfund, die er kostete (das Cabrio war noch 200 Pfund teurer), konnte man auch einen Aston Martin kriegen. Ein Grund für den hohen Preis war die komplizierte Produktion: AC bastelte in England die rollfähigen Fahrgestelle, die per Bahn nach Turin zu Frua verschickt wurden, wo die Karosse aufgesetzt wurde. Dann ging es wieder zurück nach Thames Ditton, wo dann noch das Innenleben eingebaut wurde sowie die ganze Chose lackiert Und weil die Italiener damals gerne streikten, gab es teilweise massive Produktionsverzögerungen, was dem Image des AC 428 nicht unbedingt förderlich war. Die Qualität des Wagens war aber erstaunlich gut – was der Grund dafür sein könnte, dass von den 81 gebauten Fahrzeugen heute noch 70 existieren.

Motorraum des AC 428 Frua

Hier schlummert die Cobra

Der Wert steigt

Erstaunlich ist aber, dass diese AC 428 zu verhältnismäßig tiefen Preisen gehandelt werden – erst kürzlich kam ein Convertible erstmals auf einen sechsstelligen Betrag. Mittelfristig könnte sich das wohl ändern, denn die «zahme Cobra» ist nicht nur selten, sie wurde auch von einem berühmten italienischen Designer geschaffen, ist richtig, richtig schnell, denn sowohl Fahrwerk wie auch Antrieb sind bestens, und die Ersatzteil-Situation ist eigentlich problemlos.

AC dümpelte dann ein paar Jahre vor sich her, bis 1979 dann der 3000ME kam. Dann dümpelte AC weiter. Und dann 2010…

Vielen Dank an die Kollegen von www.radical-mag.com

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