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Starker kleiner Abarth 595

Liebend gerne verzichten wir beim Abarth 595 auf ein Radio oder sonstigen Schnickschnack, plädieren überdies für das Extra keine Extras zu haben.

26.06.2016 radical mag

Die Neuauflage des Fiat 500 ist ja auf den ersten Blick nicht dringend als Neuauflage zu erkennen, da muss man schon ein Auskenner sein, um die Unterschiede zu sehen. Doch der kleine Italiener, seit Jahren mit großem Abstand Bestseller im Fiat-Programm, ist als Gesamtpaket um Meilen besser geworden, Fahrwerk, Komfort, Sitzposition entsprechen endlich dem seit jeher großartigen Design. Jetzt reichen die Italiener noch die erste scharfe Variante von der Neuauflage nach, den Abarth 595.

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© Bild: Werk

Die 3 Motorisierungen im Abarth 595

Den gibt es selbstverständlich wieder in den verschiedensten Versionen. Es beginnt mit dem Normalprogramm, der 1,4-Liter-Turbo leistet da 145 PS und stemmt ein maximales Drehmoment von 206 Nm. Als 595 Turismo sind es dann schon 160 Pferde. Und dann ist da noch der 595 Competizione, der es schließlich auf 180 PS und 250 Nm bringt. Und in 6,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen will; gegen oben ist erst bei 225 km/h Ende der Fahnenstange. Was für ein Wägelchen dieser Größe – 3,55 Meter lang – dann schon sehr flott ist; und wir jetzt bei einem Radstand von gerade einmal 2,3 Metern auch nicht unbedingt ausprobieren möchten.

Wunderbarer Sound

Wir fuhren selbstverständlich nur die grobe Fuhre. Mit den serienmäßigen Brembo-Bremsen. Und dem neuen, mechanischen Sperrdifferential mit der Bezeichnung «Abarth D.A.M.», das dafür sorgen soll, dass das Drehmoment fair zwischen den beiden Vorderrädern verteilt wird. Unser Proband hatte dann auch noch das «Performance Pack», die «Supersport»-17-Zöller und die wunderbare Abgasanlage mit der schönen Bezeichnung «Record Monza». Wir staunen immer wieder, wie die Italiener solche Sound-Maschinen an den Prüfern vorbei kriegen, das ist schon ein ziemlicher Radau, den der Kleine da macht. Und: herrlich. Es ist ein tiefes Grollen bei tiefen Drehzahlen – das sich dann zu einem kleinen Orkan auswächst so ab 3.500/min.

Das tiefe Turboloch, der laute Knall

Er ist halt schon eine Wuchtbrumme. Bei langsamer Fahrt hoppelt er ein bisschen über die Straße, kann vor lauter Kraft kaum gehen – der Abarth 595 schreit geradezu danach, grob getreten zu werden. Das manuelle 5-Gang-Getriebe wird zwar über einen etwas gar langen Stock bedient, doch die Wege sind kurz, präzis, knackig, die Übergänge bestens; es macht halt Freude, mal wieder fleißig zwischen den Zahnrädern zu wühlen. Leider fehlt es nach oben etwas an Drehzahl, aber so ist das halt bei den Turbos, auch wenn sie aus Italien stammen. Und ja, er hat ein tiefes Loch – und ja, es gibt dann einen mächtigen Knall, wenn die Zwangsbeatmung einsetzt. Daran kann man durchaus auch Freude haben.

Kurvenhatz und beeindruckende Akustik

Dort am Berg ist es aber so richtig fröhlich. Untermotorisiert ist der knapp über eine Tonne schwere Abarth sicher nicht, er schiebt bestens vorwärts, und wenn man ihn bei Laune hält, dann erfolgt die Kraftentfaltung sehr linear. Lenkeinflüsse sind nicht zu verneinen, überhaupt ist das ziemlich streng, sportlich, aber deswegen auch präzis – die Kurve lässt sich auf Zug bestens durcheilen. Und das Sperrdifferential sorgt auch in engen Kehren dafür, dass man sauber wieder rauskommt; gut gemacht, da ziehen wir den Hut. Will man ihn richtig flott bewegen, den 595er, dann ist das ein schönes Stück Arbeit, aber da sind wir froh drum, es sind alle Sinne wach, beide Hirnhälften aktiviert (weil es ja den linken Fuß und den rechten Arm auch braucht). Ist man wirklich schnell? Keine Ahnung – aber man hat immerhin das Gefühl, man sei es. Was sicher auch an der beeindruckenden Akustik liegt, es röhrt, es sprotzt, es knallt.

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© Bild: Werk

Die Sitzposition im Abarth 595

Es ist auch irgendwie ein bisschen so – wie früher. Die Sitzposition ist trotz der großartigen Schalensitze von Sabbelt doch ziemlich hoch, man muss auch nahe ans Lenkrad. Entspannt ist anders, doch auch das ist gut so, denn mit dem Messer zwischen den Zähnen will man ja auch nicht locker sein. Die Höhe des Wagens allerdings, wir plaudern da von über 1,4 Meter, ist zwar für das Raumgefühl gut, für den Bauch allerdings nicht so: zwar liegt der Abarth 595 als Competizione schon wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße, aber irgendwie hat man auch Respekt, will nicht dringend gefühlt auf nur zwei Gummis durch die Kehre. Auf den Fotos sieht man dann zwar, dass der kleine Italiener noch weit davon entfernt ist, auch nur ein Beinchen zu heben, aber trotzdem, man versucht schon, die Orgie nicht ausufern zu lassen.

Wo ist das Extra, auf alle Extras zu verzichten?

Ob man überhaupt Zeit haben will, sich am gut gemachten Innenraum, der im Kleinwagen-Segment in Sachen Design und Bedienerfreundlichkeit weiterhin so etwas wie «Benchmark» ist, zu erfreuen, ist eine andere Frage. Wir würden im Abarth selbst auf ein Radio verzichten: er ist gemacht für den stetigen Angriff, der Abarth 595 Competizione, «Schöner Wohnen» sollen die andern. Es sollte gerade bei solchen Fahrmaschinen das Extra geben, dass man auf sämtliche Extras verzichten will; das dürfte sogar einen Aufpreis kosten.

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© Bild: Werk

Womit wir dann beim Thema Geld wären

Den Basis-Abarth 595 gibt es ab erfreulichen 19.493 Euro; der 160-PS-Turismo kostet dann 23.108 Euro. Diese beiden Varianten gibt es auch als Pseudo-Cabrio, das kostet dann um knapp 2.000 Euro mehr. Der richtig gute Competizione ist ab 24.666 Euro zu haben. Das ist nicht wenig Geld für solch ein Tierchen, das zwar auch im Alltag einigermaßen lieb ist, aber wohl auch schnell mal für nochmals zusätzliche Kosten in Form von Geschwindigkeitsbussen sorgt. Man darf übrigens davon ausgehen, dass wie bislang mit dem 595er noch nicht alle Grenzen ausgelotet sind bei Abarth.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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