Zwei Legenden konstruierten den Volpe
Zwei Legenden konstruierten den Volpe
 

Der einsame kleine Wolf

Zwei berühmte Männer waren bei der Entwicklung des A.L.C.A. Volpe maßgeblich beteiligt, durchsetzen konnte sich das Microauto nicht.

09.08.2014 radical mag

Es waren wilde Zeiten, damals, direkt nach dem 2. Weltkrieg. Endlich, endlich war der Schrecken vorbei, das Leben normalisierte sich, so langsam, und was unbedingt brauchte, das waren Transportmittel. Geld hatte niemand, aber fahren wollten alle. Doch es gab auch kaum Material, aus dem man Fahrzeuge bauen konnte, Stahl war knapp, Gummi auch, und die Auto-Produktion kam nur langsam wieder in Fahrt. In Italien stand Fiat am besten da, mit dem Topolino konnten die Turiner das Bedürfnis der Italiener nach einem kleinen, günstigen Fahrzeug schon bald nach Kriegsende wieder so einigermaßen befriedigen. Doch der Erfolg von Fiat weckte selbstverständlich auch Begehrlichkeiten, auch andere Hersteller wollten profitieren._A.L.C.A. Volpe detail

Zwei Legenden konstruierten den Volpe

Am 30. März 1947 präsentierte ein Unternehmen namens A.L.C.A. (Anonima Lombarda Cabotaggio Aereo) in Rom ein Kleinstfahrzeug namens Volpe (Wolf). Der kleine Wagen sorgte für viel Aufsehen, auch deshalb, weil der berühmte Komiker Erminio Macario ihn vorstellte. Hinter der Konstruktion des Volpe standen zudem zwei Männer, die schon berühmt waren (oder es noch werden sollten). Einer davon war Gioacchino Colombo, der vor dem 2. Weltkrieg zuerst bei Alfa Romeo gearbeitet hatte (P2!), dann zur Scuderia Ferrari wechselte (wo er nach dem 2. Weltkrieg den berühmten 1,5-Liter-V12, der als Colombo-Motor in die Geschichte einging, konstruierte). Und der andere Flaminio Bertoni, der nicht nur Bildhauer und Architekt war, sondern auch einer der begnadetsten Auto-Designer aller Zeiten. Vor dem Krieg hatte er für Citroën den Traction Avant (1934) entworfen und auch den 2CV (1936), nach dem Krieg setzte er sich dann mit der DS (1955) endgültig ein Denkmal.

Ein Motörchen im Volpe

Colombo entwickelte also für A.L.C.A. einen Zweizylinder-Zweitakter mit 124 Kubik, der 6 PS bei 5000/min schaffte. Es gab von diesem Motörchen anscheinend auch eine «versione turbocompressa», zumindest waren für die Mille Miglia 1948 gleich fünf Volpe mit dieser Bezeichnung eingeschrieben; genaue Leistungsangaben sind nicht bekannt. Das Design des Volpe, das eine gewisse Ähnlichkeit mit Vorkriegs-Cadillac hatte und bedeutend mehr hermachte als der simple Topolino von Fiat, stammte von Bertoni. Es macht den Eindruck, dass der Volpe als reines Cabrio geplant war, dass ihm das Dach erst nachträglich aufgesetzt wurde. Bertoni zeichnete für die Milla Miglia anscheinend auch eine aerodynamisch modifizierte Variante, doch von diesen Fahrzeugen existieren unseres Wissens keine Aufnahmen._A.L.C.A. Volpe

Das 300-Millionen-Lire-Auto

Der Volpe war 2,5 Meter lang und 1,02 Meter breit, und er wog nur gerade 135 Kilo. Gebaut wurde er in Trient. Wobei: es entstanden wohl nur gerade 6 Exemplare. Und dann wird die Geschichte wirklich spannend: Anscheinend begeisterte der Volpe so viele Kunden, dass sie 300 Millionen Lire (nach heutigem Wechselkurs: immerhin 6 Millionen Euro, damals viel, viel Geld) im Voraus bezahlten, um sich einen dieser A.L.C.A. zu sichern. Bloß: das Geld floss nie in die Produktion. 1948 wurde A.L.C.A. aufgelöst, Bankrott, Konkurs, keine Lire war mehr da. Und die Verantwortlichen über alle Berge. Ähnliches geschah übrigens in Spanien, wo ab 1947 ein Hispano Volpe angeboten werden sollte – kein einziges Stück wurde je gebaut.

Der Wolf wechselt den Besitzer

Dieses hier gezeigte Exemplar, wahrscheinlich der einzige überlebende Wolf, kommt aus der Sammlung von Bruce Weiner. Am 16. Februar 2013 versteigerte RM Auctions in Madison, Georgia, die Sammlung von Bruce Weiner, der in den vergangenen 15 Jahren die weltweit sicher außergewöhnlichste Kollektion von Kleinstwagen zusammengebracht hat. Rund 200 Fahrzeuge, ausschließlich Microcars, kam unter den Hammer, darunter auch den A.L.C.A. Volpe. Um 41.400 Dollar.

Vielen Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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