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50 Jahre Porsche 911 Targa: Targa auf Rezept

Anlässlich des 50. Geburtstags des Porsche 911 Targa geht’s mit Vertretern aus den Targa-Epochen über die wunderbaren Straßen im Tessin.

17.09.2015 radical mag

50 Jahre Porsche Targa. Ein runder Geburtstag. Vier wunderbare Fahrzeuge aus allen Targa-Epochen. Und die feinen Straßen im Tessin. Viel besser kann es im Leben eines Automobil-Journalisten schon mal nicht werden. Doch, bevor wir uns hinters Steuer eines 1967ers, eines 1983ers und eines 1993ers setzen, fragen wir uns: wieso gibt es eigentlich Targa-Modelle?

Ursprung des Targa

Klar, den Spezialisten wird klar sein, wieso. Allen anderen sei gesagt: die USA sind schuld. Wie so an vielen Dingen. Aber, für einmal haben die US-Amerikaner auch was Feines geschaffen. Denn Anfang der Sechzigerjahre gab es in den Staaten einige Vorstöße, Cabriolets zu verbieten. Nach einigen schweren Unfällen mit offenen Fahrzeugen war der Ruf dieser Autos ruiniert, sie standen wie Blei in den Showrooms. Und eben, nicht Wenige forderten, sie gleich ganz zu verbieten. So weit ist es dann doch nicht gekommen, aber bei Porsche hatte man schon reagiert. Der Targa war die Lösung, dank des feststehenden Überrollbügels war die Sicherheit auch bei einem Überschlag gegeben. Also theoretisch zumindest, denn den Beckengurt zogen damals die wenigsten an, und erst recht nicht straff. So purzelten auch mit dem Targa die Leute ungebremst aus dem Auto – mit entsprechenden Folgen. Aber das ist eine andere Geschichte.

1967 Porsche 911 Targa

Wenden wir uns dem Fahren zu. Und beginnen, am Anfang. 1965 präsentierte Porsche das erste Targa-Modell, unser «Testwagen stammt aus dem Jahr 1967. Bestückt mit dem wunderbaren Sechszylinder-Boxer, zwei Liter Hubraum, zwei Dreifachvergaser und ohne, wirklich ohne jegliche Fahrhilfen. Der kleine Sechsender ist kein Übermotor, die 130 PS wollen rausgekitzelt werden. Aber das Auto ist halt sehr leicht. Es dauert einen Moment, bis man sich mit den beiden Vergasern über das richtige Kommunikationsverhalten geeinigt hat. Man ist als Fahrer von modernen Autos halt schon sehr verwöhnt. Pedal runter, die Turbolader und die Elektronik werden es schon richten – das gibt’s nicht bei einem alten Targa. Heute würde man sagen, der Wagen schwimmt, das Fahrwerk ist zu lasch. Ist es nicht, denn der 1967er macht genau das, was der Fahrer will. So lange man die Zügel etwas schleifen lässt. Sich verkrampft an eine Linie halten mag der Porsche nicht. Etwas nach rechts oder links abweichen muss schon sein. Aber das Fahrgefühl ist trotzdem ein grandioses, erst recht, wenn sich die Kurbelwelle im Heck schneller als 3.500 Mal pro Minute um die eigene Achse dreht.

Da klappert nichts

Dazu ein Getriebe mit vier Gängen, das reichte damals locker aus. Klar sind die Schaltwege nicht superkurz, aber wir dürfen verraten: die Sache ist dennoch nicht so hakelig. Die Übersetzung stimmt einigermaßen, nur der dritte Gang ist für die mittlerweile innerorts geltenden Tempolimits zu lang. Also lässt man den Boxer halt im 2. Gang etwas drehen. Und dann eben, dieses Feeling unter freien Himmel, im Heck mahlt, stampft und ächzt der Boxer, innen hingegen klappert nichts. Gut, um ehrlich zu sein, viel hat es im Innenraum auch nicht, das Klappern könnte.

1981 Porsche 911 SC Targa

Welch eine Wonne so ein Auto mittels dem dünnen Lenkradkranz durch die Gegend zu dirigieren, jenseits vom Stress des Alltags. Eigentlich müsste man solche Targa-Tage vom Arzt verschrieben bekommen. Doch, es ist Zeit umzusteigen. Der 911 SC von 1981 wartet. Er ist ungeduldig, das metallische Klacken verrät uns, dass der luftgekühlte Dreilitermotor gerade dabei ist, Temperatur abzubauen. Aber, wir wollen kein kaltes Motorenöl, also ab auf die Strecke. Was für ein Quantensprung zum Ur-Targa. Zwar gibt’s auch beim SC Targa keinerlei Fahrhilfen. Das Fahrgefühl ist dennoch ein ganz anderes. Viel präziser als im Vorgänger, dazu dieser metallisch-mahlende Sound im Heck.

Welche Frage bleibt

Das ist Porsche 911 pur, dieses G-Modell ist der Inbegriff eines Elfers – für mich zumindest. Der schlanke, lange Schalthebel, die wunderbaren Instrumente frei von jeglichem Firlefanz. Einzig an der Einbauposition des Drehzahlmessers erkennt man, dass es ein Museumsauto und nicht der Wagen eines Porsche-Enthusiasten ist… Bremse, Fahrwerk und Lenkung sind Welten vom Urmodell entfernt. Und es gibt heute noch japanische Kleinwagen, die nicht nur den Hauch der Agilität eines SC an den Tag legen. 204 Pferde stehen im Stall und ja, es sind im Laufe der Jahre sicher nicht mehr geworden. Aber, und das ist das fantastische an alten Autos: es reicht völlig. Es kann sogar zu viel sein wenn der Fahrer wieder mal vergisst, dass der Motor ja im Heck montiert ist und gerne zum Kurvenausssenrand drängt. Jedenfalls frage ich mich nach den 100 Kilometern im SC: wie konnten wir mit solchen Dingern damals so verdammt schnell fahren?

1993 Porsche Targa

Und schon ist es wieder Zeit, das Auto zu wechseln. Wir kommen langsam in die Neuzeit, genauer gesagt ins Jahr 1993. Und ins Plastikzeitalter. Im Vergleich zu den anderen Modellen hat der 964er innen in etwa so viel Charme wie ein Betonpfeiler in einer Bahnhofsunterführung. Plastic Fantastic, und so Sachen wie Airbags sind an Bord des jüngsten Targa im Trio. Also alles schlecht? Nein, ganz im Gegenteil, der Wagen fährt wunderbar. Das unmittelbare Erlebnis, das ungefilterte spüren des Wagens geht im 964 leider nicht mehr. Sicher, er ist mit seinem 3,6 Liter großen Boxer mit 250 PS sicher der Schnellste im Vergleich. Aber halt nicht der Emotionalste. Dafür ist er sicher der angenehmste Reisewagen des Trios. Mit ihm kann man stundenlang in den Sonnenuntergang gleiten.

Eine Frage des Geschmacks

Doch wozu nun so einen Targa, wenn man fast alle Modelle auch als echtes Cabrio bekommt? Der Sicherheitsgedanken kann man bis zum 964er sicher gelten lassen. Danach aber waren Cabrios aber auch ziemlich sicher. Es geht also nicht um das fehlende Dach, sondern eher um die Exklusivität. Und um die Optik, die einem gefallen mag oder dann eben halt nicht. Sicher ist, dass solche Autos unglaublich viel Spaß machen, gegenüber einem Coupé oder Cabrio aber kaum Vorteile bringen. Also ist es alleine eine Frage des Geschmacks, was für einen Elfer man fährt. Wenn man es sich denn leisten kann.

Bemerkung am Rand

Die zahllosen Touristen aus Deutschland die sich im Tessin zu Fuß vergnügten bekamen zuweilen den Mund nicht mehr zu ob all den tollen Autos aus vergangener Zeit. Der mitfahrende Targa 4 aus aktueller Produktion wurde meist – trotz offener Sportabgasanlage – einfach nicht ignoriert. Und wir bedanken uns bei Porsche Schweiz und dem Museum in Stuttgart für die Möglichkeit, die tollen alten Wagen zu fahren.

Besten Dank an die Kollegen von radical-classics.com

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