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1982 – Was noch geschah: Die Gute, das Böse, der Gemeine

Wir wollten nur ein bisschen Frieden, doch US-Präsident Ronald Reagan machte Politik zur Westernshow. Arnold Schwarzenegger grunzte sich durch „Conan der Barbar“, und wir lebten mit Pumphosen hinterm Mond. Es war ein gutes Jahr.

01.02.2009 Autorevue Magazin

Das Gute kommt 1982 aus Deutschland und heißt – abhängig von der persönlichen Interessenlage – Walter Röhrl oder Nicole. Ersterer holt für Opel völlig überraschend die Rallye-WM, Letztere gewinnt gar nicht überraschend den ­Eurovision Song Contest. Das Siegerlied, eine klebrige Heile-Welt-Schmonzette aus der Feder des noch klebrigeren Ralph ­Siegel, heißt „Ein bisschen Frieden“ und ist eiskalt auf den ­friedensbewegten Zeitgeist zugeschnitten. Der kommt nicht von ungefähr, selbst im verschlafenen Wien gehen 70.000 Menschen für Frieden und Abrüstung auf die Straße. Die größte Demonstration in der Geschichte der Zweiten Republik bis dahin.
Ansonsten neigt sich die Regentschaft von Kanzler und „Sonnenkönig“ Bruno Kreisky ihrem Ende zu, man hat Muße, mangels richtiger Sorgen den Konflikt um das Wiener Austria Center zum Volksbegehren hochzujazzen. Markus Rogan, der künftige Gold- und Silberfisch, kommt zur Welt, wie auch der spätere – nunja – Radsportler Bernhard Kohl.
In der Welt da draußen geht es hingegen etwas deftiger zu: In Polen treibt die renitente Gewerkschaft Solidarność einen ersten Keil in den Krypto-Kommunismus und wird prompt verboten. Der sowjetische KPdSU-Chef Leonid Breschnew nimmt das erfreut zur Kenntnis. Dann stirbt er. Ihm folgt eine 68-jährige Nachwuchshoffnung an die Spitze der dahinsiechenden Super-Macht: Juri Andropow.
Sein Gegenüber auf der anderen Seite des Stacheldrahts ist indes noch voll im Saft: US-Präsident Ronald Reagan bezeichnet die Sowjetunion gemeinerweise als „Reich des Bösen“, was im Schatten des atomaren Wettrüstens nicht unbedingt als gute ­Gesprächsbasis gewertet werden konnte.
Seine Schwester im Geiste, die britische Premierministerin Margaret Thatcher, ist ebenfalls keine Freundin des Dialogs: Im Frühjahr holt sich die „Eiserne Lady“ mit dem natürlich gewachsenen Helm per Falklandkrieg ein paar öde ­Inseln samt Schafbestand von offenbar durchgeknallten argentinischen Militarios zurück.
Den Boulevard beherrscht hingegen der rätsel­hafte Unfalltod von Monacos Fürstin Gracia ­Patricia. Viel zu früh stirbt auch die unvergessene Romy Schneider.
Eher künstlerische Tragödien passieren hingegen auf der Kinoleinwand: Arnold Schwarzenegger erobert mit „Conan der Barbar“ Hollywood und wird mit dem grenzbanalen Bizeps-Epos eine Weltkarriere begründen.
Vogel des Jahres ist völlig zu Recht der ­Große Brachvogel (Numenius arquata), eine ­Vogelart aus der Familie der Schnepfenvögel.

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