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Beim Ferrari 512 BB stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis, eigentlich

Es gibt sie noch, die Klassiker, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Zumindest so einigermaßen und Fahrspaß bietet der Ferrari 512 BB auch noch obendrein.

12.06.2016 radical mag

Viel gibt es eigentlich nicht zu schreiben zum Ferrari 512 BB. Er war ab 1976 der Nachfolger des schon beschrieben 365 GT4 BB, und die Veränderungen sowie Verbesserungen hielten sich in überschaubaren Grenzen. Was deshalb erstaunlich war, weil die erste Berlinetta Boxer mit nur gerade 387 verkauften Exemplaren ja nicht unbedingt ein durchschlagender Erfolg gewesen war. Beim 512 wurde das mit den Verkaufszahlen dann deutlich besser, bis 1981 konnten immerhin 929 Stück abgesetzt werden. Und das, obwohl der Mittelmotor-Ferrari weiterhin nicht offiziell in die Vereinigten Staaten importiert wurde; man traute den dortigen Piloten weiterhin nicht zu, den Wagen zu beherrschen. Gut, es gab noch andere Gründe, die Sicherheits- und Abgasbestimmungen in den USA, aber uns gefällt halt die andere Begründung besser.

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© Bild: RM Sotheby’s

Namensgebung und Gewichtsanstieg beim Ferrari 512 BB

Es gab schon ein paar Unterschiede. Die wichtigste Verbesserung war sicher die Maschine, deren Hubraum auf 4.943 cm³ erhöht wurde. In diesem Zusammenhang darf man sich dann fragen, wie es zur Bezeichnung kam, bei der Ferrari ja sein bislang übliches System vom Inhalt eines Zylinders verließ. Und bei 4,9 Liter wäre da ja dann eigentlich 412 an der Reihe gewesen. Dass es 512 wurde, war dann den fast 5 Litern Hubraum geschuldet. Die Leistung ging beim größeren «falschen» Boxer auf offiziell 360 PS bei 6.200/min zurück, dafür gab es dafür gab es deutlich mehr Drehmoment, 451 Nm bei 4.600/min. Für diese zusätzliche Kraft wurde die Kupplung mit zwei Scheiben ausgestattet, man konnte sie im 512er im Gegensatz zum 365er auch durchtreten, ohne vorher im Fitnessclub geschwitzt zu haben. Neu war auch die Trockensumpfschmierung; es wurde aber auch Zeit. Am Fahrwerk wurde nur ein Feintuning unternommen, was deshalb etwas erstaunlich ist, weil das (offizielle) Gewicht doch massiv anstieg, im Ferrari-Manual werden 1.515 Kilo angegeben (beim 365 GT4 BB waren es noch 1.235 Kilo gewesen).

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© Bild: RM Sotheby’s

Woran erkennt man einen 512 BB?

Optisch waren die Veränderungen eher gering. Am einfachsten erkennt man den 512 BB an der Front und dem neuen Spoiler dort (vorher gab es keinen), an der breiteren Spur samt Reifen hinten, plus 6,3 Zentimeter sind doch ziemlich beachtlich (und verbesserten das Fahrverhalten dann eben doch), und an den nur noch vier Auspuffrohren. Und ja, man hört es auch, der Sound ist tiefer als beim 365 GT4 BB, der mehr kreischt als tönt.

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© Bild: RM Sotheby’s

Der Preis stimmt

Zwar sind die Preise für die 512 BB in jüngerer Vergangenheit auch gestiegen, aber sie gehören sicher zu jenen Ferrari, bei denen das Verhältnis von Preis zu Leistung noch so einigermaßen stimmt. Auch wenn die letzten Auktionen gezeigt haben, dass es wohl eine Verschnaufpause geben wird, die Preise nicht mehr derart absurd schnell in den Himmel schießen, mit einem 512 BB macht man sicher nichts falsch. Weil er auch jede Menge Fahrspaß macht – falls man diese Viecher im Griff hat.

Das hier gezeigte Exemplar wurde übrigens im August 2015 von RM Sotheby’s verkauft. 467.500 US-Dollar war es damals dem neuen Besitzer wert.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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