B-Wunderteam
 

1954 – Was noch geschah

Ein Blick auf FIlm, Fernsehen, Musik und Sport im Jahr 1954.

17.11.2011 Autorevue Magazin

Werbung: Wie im Film


Der Mann von Welt hatte vor allem gut frisiert zu sein, und überhaupt sahen Menschen aus wie einem Heimatfilm entstiegen (rote Wangen!), die Leibesfülle blieb wieder hinter der Realität zurück (nicht aber, wenn Semperit-Reifen zu stemmen waren), die Freizeit durfte Spaß machen, man hatte eine Mundharmonika dabei oder einen Motorroller, die Reiche-Radios laborierten noch am Vorkriegs-Design, Tesa-Film und Uhu klebten sogar Dachziegel fest, Eidran kümmerte sich um Herz, Hirn und Nerven des von der Moderne überforderten Mannes (Frauen wurden von „Frauengold“ betreut).

­Autofahrer wurden bereits von der Werbung adressiert, aber die meisten Menschen saßen noch dort, wo sie den Dirtl-Trench, den absolut wasserdichten Motorradmantel, gut ­gebrauchen konnten. Oder im Winter eine Elbak-Batterie, mit der der Wagen anspringen sollte wie eine attraktive Läuferin.

Sport: Fangio!

Mercedes kehrt zurück auf die Rennstrecken, das Auto wird aber erst während der Saison fertig, weshalb Mercedes-Pilot Juan Manuel Fangio ein paar Rennen auf Maserati fahren darf. Er wird zum ­zweiten Mal Weltmeister, drei Titel sollen noch folgen. Mehr Titel schaffte die Vienna, sie wurde 1954 zum sechsten Mal Fußball­meister.

Ein Novum gab’s bei der Tour de France: Erstmals startete sie nicht in Frankreich. 110 Fahrer legten in Amsterdam los, 69 davon kamen nach 23 Etappen in Paris an. Italiener waren keine darunter, da sie wegen Unstimmigkeiten mit der Tourleitung gar kein Team entsandt hatten, es gewann Louison Bobet (Schnitt: 34,7 km/h) vor ­Ferdy Kübler. Deutlich mehr Österreicher lagen bei der Alpinen Schi-WM vorne, es war die Zeit des Wunderteams, 2 Gold- und je 3 Silber- und Bronzemedaillen schaffte sonst kein Land.

Film & Musik: Wir und die Welt


Freilich kommen die meisten Filme aus Hollywood, nicht aber Echo der Berge (in Deutschland: Der Förster vom Silberwald), weil der kommt aus Österreich. Wer den Arzt- dem ­Heimatfilm vorzog, wird eher Sauerbruch – das war mein Leben genossen haben, während Freunde der Seebären-Romantik mit Auf der Reeperbahn nachts um halb eins auch einen Ohrwurm davontrugen, von Hauptdarsteller Hans Albers gesungen.

Alfred Hitchcock bringt Bei Anruf Mord ins Kino, bei der Oscar-Verleihung räumt Verdammt in alle Ewigkeit vier Oscars ab, einen davon Frank Sinatra für die besten Nebenrolle. Trifft sich gut, musikalisch gibt’s fortan nämlich heftige Konkurrenz. 1954 nimmt der 19-jährige Lastwagenfahrer Elvis Presley That’s All Right, Mama auf, und Bill Haley spielt Rock Around The Clock ein. 1954 gilt somit als Entstehungsjahr des Rock ’n’ Roll (bei den Jungen) bzw. als Beginn des Untergangs des Abendlandes (bei der Elterngeneration).

US-Top-Ten 1954

1 – Kitty Kallen – Little Things Mean A Lot
2 – Perry Como – Wanted
3 – Rosemary Clooney – Hey There
4 – Crew Cuts – Sh-Boom
5 – Jo Stafford – Make Love To Me
6 – Eddie Fisher – Oh! My Pa-pa
7 – Four Knights – I Get So Lonely
8 – Four Aces – Three Coins In The Fountain
9 – Doris Day – Secret Love
10 – Archie Bleyer – Hernando‘s Hideaway

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