1/6
 

Erfolgreich. Verscherbelt. Zerlegt. Restauriert. Verkauft um $ 1,8 Mio.

Manche Fahrzeuge haben ein bewegteres Leben als unsereins, voll mit Höhe- sowie Tiefpunkten, so wie dieser wunderbare 1949 Ferrari 166 MM.

06.03.2016 radical mag

Der Ferrari 166 MM hatte zusammen mit dem 166 Inter 1948 seine Premiere auf dem Turiner Auto-Salon erlebt. Doch dann ging es gleich richtig los für den kleinen Rennwagen, Clemente Biondetti gewann 1948 die Mille Miglia auf einem 166 MM – und 1949 gleich nochmals. 1949 siegte Luigi Chinetti mit so einem Ferrari auch bei den 24 Stunden von Le Mans, und wir nennen hier bewusst nur seinen Namen, denn er saß 23,5 Stunden am Steuer.

Ferrari 166 MM, der erste wahre Ferrari

Der 166 MM war auch kommerziell ein großer Erfolg für die noch junge Marke Ferrari. 46 Stück konnten verkauft werden, 25 davon waren – wie das hier gezeigte Fahrzeug – sogenannte «Barchetta», kleine Schiffchen, die von Touring eingekleidet wurden. Ein Design für die Ewigkeit, sehr einfach, aber halt perfekt, wunderschön. Man liegt wohl nicht komplett daneben, wenn man diese Touring-Barchetta als die ersten wahren Ferrari bezeichnet. Oder wie Dean Batchelor im «Automobile»-Magazin schrieb: «Das Herz des Ferrari-Mythos war immer diese etwas verworrene Unterscheidung zwischen Straßen-Fahrzeug und Rennwagen – und der 166 MM war das Modell, mit dem diese Magie begann.»

1949-Ferrari-166-MM (8)
© Bild: RM Sotheby's

Besondere Farbe

Dieser 166 MM trägt die Chassis-Nummer 0024 M – die geraden Chassisnummern waren Renn-Fahrzeugen vorbehalten. Und doch ist es ein ungewöhnliches Fahrzeug, denn der Innenraum war nicht so spartanisch wie sonst bei den Rennwagen. Was etwas damit zu tun haben dürfte, dass 0024 M 1949 auf dem Salon von Paris ausgestellt war. Und das Fahrzeug war hellblau lackiert, auch eher außergewöhnlich. Das hatte einen Grund: Der argentinische Rennfahrer Carlos Menditeguy hatte das Fahrzeug bestellt. Es gab in Paris Gerüchte, dass der 166 MM Evita Peron zum Geschenk gemacht werden sollte, doch die patriotische Lackierung hatte einen viel profaneren Hintergrund: Menditeguy wollte die Peronisten beeindrucken – und hoffte, die horrenden Einfuhr-Steuern erlassen zu bekommen. Interessant ist, dass 0024 M den Motor mit der Seriennummer 0022 M eingebaut erhielt.

Die Reise beginnt

Menditeguy nahm am 15. Januar mit dem 166 MM an einem Rennen in Mar del Plata teil. Das er locker gewann. Doch der Steuervogt zeigte sich unnachgiebig, im Juni 1950 wurde 0024 M zurück nach Italien verschifft. Der nächste Besitzer, ein Francesco Zaccaria Terravazzi aus Nerviano, kaufte 0024 M am 6. November 1950 für 6,2 Millionen Lire. Am 28. April 1951 fuhr er zusammen mit Aprile Palmer die Mille Miglia, mit der Startnummer 344. Das Duo schaffte den 94. Rang und den 8. Platz in ihrer Klasse, was ein gutes Resultat für ein Privat-Team war. Palmer kaufte Terravazzi den Wagen ab – und verkaufte ihn am 23. September 1952 an einen Paolo Berio, der in Imperia wohnte.

1949-Ferrari-166-MM (2)
© Bild: RM Sotheby's

Der Tiefpunkt

Nun begann eine Leidenszeit für 0024 M. Berio ließ dem 166 MM eine Vignale-Berlinetta-Karosserie verpassen. Aber die Freude war eine kurze, am 4. September 1954 verschacherte er den Ferrari für 1,2 Millionen Lire an Francisco Rizzoli aus Turin. Sechs Monate später war ein anderer Turiner der neue Besitzer, Ermani Garbuccio. Der starb am 1955, und im April verschenkten seine Erben 0024 M quasi an den Amerikaner Theodore Pala. 200.000 Lire bezahlte der Mann, und erhielt dafür ein in drei Farben lackiertes Auto, weiß, blau, grau. Pala brauchte den 166 MM als «Muli» für die Mille Miglia 1956, dann verschiffte er das Auto nach Los Angeles.

Und dann kommt es noch schlimmer

Jetzt wird es bitter: Pala hatte technische Probleme mit 0024 M, also baute er den gesamten Antriebsstrang aus und verkaufte die Hülle an Donald Oreck. Der ließ sich bei Warren Olson einen 283-ci-Corvette-V8 (4,6 Liter Hubraum) samt Corvette-Getriebe und -Hinterachse einbauen. Oreck verkaufte das Auto 1960 an Joseph Spencer, der mit dem Ferrari am 3. September 1961 eine Parkstrafe kassierte. Er bezahlte die Strafe nicht, sondern verkaufte den Wagen 1962 an Armand La Rue, der ihn immerhin bis 1966 behielt. Und der nächste Besitzer, Peter Negri, schaffte es noch länger, bis 1974. Dann verkaufte er 0024 M an Stanley Nowak, einen bekannten Ferrari-Händler in Mount Vernon im Bundesstaat New York.

1949-Ferrari-166-MM-m
© Bild: RM Sotheby's

Das Glück ist auf seiner Seite

Dass war das Glück des Ferrari 166 MM. Denn Nowak vertiefte sich in die Geschichte von 0024 M, trug jede Menge Dokumente zusammen. Aber schon im Dezember 1974 verkaufte er den Wagen an einen Mister Schonwald, für 4.000 Dollar. Doch Nowak tat noch mehr: Er machte auch den originalen Motor ausfindig. Pala hatte diesen 1962 an Tasso Haritos verkauft, der ihn wieder auf- und dann in seinen Siata-Special-Rennwagen einbaute. Harritos war 1974 noch im Besitz der originalen Weber-32-DCF-Vergaser und anderer Teile, den Motorenblock fanden Nowak und Schonwald bei John Mead in New Jersey.

Der Hammer fällt bei 1.870.000 Dollar

Nun begann eine längere Restauration bei Chris Leydon, der die Vignale-Karosse (die eigentlich zur Chassisnummer #0097S gehörte) abbaute – und die Barchetta wieder zum Leben erweckte. Doch ganz zu Ende kam Leydon nie, 1986 wurde 0024 M samt Motor an Keith Duly weiter verkauft. 1989 war der Wiederaufbau endlich fertig, und 1990 kaufte der Kalifornier Don Young das Auto. 1995 ging es nach Japan, 2006 kaufte ein anderer Japaner den Wagen, und 2008 wurde er wieder in die USA verkauft. 2011 versteigerte RM Auctions 0024 M in Arizona – und erzielte einen Preis von 1.870.000 Dollar. Seither hat man nichts mehr gehört oder gelesen von 0024 M.

Vielen Dank für den Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

pixel