Der Medienrummel um Mary Barra reißt nicht ab - wenn auch mittlerweile aus anderen Gründen als zu ihrem Amtsantritt.
 

100 Tage GM-Chefin Mary Barra

Die erste Frau an der Spitze eines großen Autokonzerns ist seit 100 Tagen im Amt – der Großteil davon wurde vom Zündschloss-Skandal überschattet.

24.04.2014 APA

Bei der Automesse in Detroit Mitte Jänner war die neue General Motors-Chefin Mary Barra ein Star. Die 52-jährige Ingenieurin hatte es als erste Frau an die Spitze eines großen Autokonzerns geschafft. Wenige Tage vor ihrem Amtsantritt waren in Detroit daher alle Augen auf sie gerichtet.

Mary Barra: Vom Star zur Krisenmanagerin

Heute, 100 Tage später, hat sich Barra gezwungenermaßen vom Star der Branche zur Krisenmanagerin gewandelt. Der Opel-Mutterkonzern ruft weltweit rund 7 Millionen Autos wegen diverser Defekte in die Werkstätten. Im spektakulärsten Fall der Zündschlösser steht der Vorwurf im Raum, GM-Verantwortliche hätten einen gefährlichen Defekt ein Jahrzehnt lang verschwiegen. Zündschlüssel können bei 2,6 Millionen Wagen in voller Fahrt zurückspringen, was nicht nur den Motor abschaltet, sondern auch Airbags, Servolenkung und Bremskraftverstärker.

Zündschloss-Skandal weltweit in den Medien

„Ich denke, dass es zu lange gedauert hat“, sagte Barra kürzlich bei einem Auftritt am Rande der Automesse von New York. „Aber als wir es bemerkt haben, haben wir es angepackt.“ Auch bei diesem Auftritt war Barra von Kamerateams und Reportern umringt. Besonders in US-Medien ist das Zündschloss-Debakel ein heißes Thema, denn hier wurden die meisten Wagen verkauft. Seit Wochen zeigen Fernsehsender und Zeitungen die Fotos von Unfallopfern und erzählen ihre traurigen Geschichten. Auf den Bildern sind lachende Teenager zu sehen, die später bei Unfällen ums Leben kamen – und ihre trauernden Eltern. Denn die meisten betroffenen Modelle sind typische Anfängerautos.

Mindestens 13 Todesopfer

GM zählt 13 Unfalltote, Verbraucherschützer kommen auf mehr als 300. Barra musste reagieren: Sie ernannte einen Sicherheitsbeauftragten, baute die Entwicklungsabteilung um und engagierte Staranwalt Anton Valukas, den Versäumnissen innerhalb des Autokonzerns nachzugehen. Zwei Ingenieure wurden beurlaubt und mehrere Posten von Topmanagern neu besetzt. „Ich bin überzeugt, dass das Team von dem Rückruf lernen und GM ein besseres Unternehmen werden wird“, sagte Barra. Doch der Fall ist noch lange nicht ausgestanden: Anwälte im ganzen Land haben Sammelklagen eingereicht. Angehörige von Opfern verlangen Wiedergutmachung und Autobesitzer pochen auf Schadenersatz, weil sie den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen.

Komplizierte Rechtslage für Klagen

Dabei ist die Rechtslage kompliziert: Die heutige General Motors ist nicht mehr das gleiche Unternehmen, dass die betroffenen Wagen einst entwickelte und baute, weswegen die Opel-Mutter bereits die Aussetzung von Klagen beantragt hatte. „Old GM“ ging 2009 insolvent. „New GM“ wurde mit Staatshilfe aus der Taufe gehoben. Allerdings haben die Kläger eine Chance, wenn sie nachweisen können, dass die gefährlichen Mängel im Insolvenzverfahren bewusst verheimlicht wurden.

Auch Barra kann die Zeit nicht zurückdrehen

Doch auch unabhängig davon steht Barra unter starkem öffentlichen Druck, die Unfallopfer zu entschädigen. Gleich zwei Mal lud der US-Kongress die Managerin zu Anhörungen nach Washington vor. Die Firmenveteranin, die schon bei GM gelernt hatte, wirkte angespannt, als Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses sie in die Zange nahmen. Der Zauber der ersten Auftritte war verflogen. Antworten auf die drängendste Frage, warum GM so lange untätig geblieben war, hatte sie nicht zu bieten. Bei den Opfern entschuldigte sie sich: „Wir können die Zeit nicht zurückdrehen.“

Gewinneinbruch im ersten Quartal

Wegen der Kosten für die Rückrufe schrammte General Motors im abgelaufenen Quartal nur knapp an roten Zahlen vorbei. Die neuen Modelle kämen bei den Kunden aber gut an, versichert Barra. GM wolle die „weltbesten Autos bauen mit den höchsten Standards an Sicherheit und Qualität“.

  • Ravenbird

    Nachdem bekannt geworden ist, daß GM Kunden GETÖTET hat (wie sonst nennt man das Absichtliche vom Leben zum Tod Befördern von Menschen trotz besseren Wissens?), hat man eine Frau zur Chefin ernannt.
    Nicht weil sie so gut ist, sondern weil eine Frau besser als Schuldige ankommt. Erstens kann sie nichts dafür, trotzdem muss sie den Kopf hin halten – armes Weibchen.
    Zweitens kann man mir jetzt Sexismus vorwerfen, weil ich einen Konzern angreife, der von einer Frau geführt wird.
    Okay, ich bin schon still…

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