Henry Ford revolutionierte mit der Massenproduktion des Model-T die industrielle Produktionsweise.
Henry Ford revolutionierte mit der Massenproduktion des Model-T die industrielle Produktionsweise.
 

100 Jahre Fließband

Am 7. Oktober 1913 ging das erste Fließband des US-Autobauers Ford in Betrieb – mit dem neuen Verfahren wurde die gesamte Produktionsweise revolutioniert.

07.10.2013 APA

Als Ford am 7. Oktober 1913 das erste Fließband für die Produktion des „Modell T“ in seinem Werk „Highland Park“ in Detroit einsetzte, war das der Startschuss für eine ganz neue Produktionsweise. Ford selbst beschrieb den Grundgedanken als „Verminderung der Ansprüche an die Denktätigkeit des Arbeitenden und eine Reduzierung seiner Bewegungen auf das Mindestmaß“. Das – so die Idee – erhöhe die Produktivität und die Stückzahlen. Und er sollte Recht behalten: Nach Jahrzehnten der Vorerfahrung in anderen Branchen sowie seit April 1913 durchgeführten Experimenten bei Ford konnte die Bauzeit eines „Modell T“ schon mit dem primitiven, handbetriebenen ersten Band von zwölf Stunden und 30 Minuten auf fünf Stunden und 50 Minuten mehr als halbiert werden. 1914 waren es auf dem nun vollautomatischen Gleitband nur noch eineinhalb Stunden. Das Auto wurde dank der billigen Herstellung zu einem Massenprodukt – ganz in Sinne Fords, der auf Preissenkungen setzte, um seinen Absatz zu steigern.

Vom Schlachthof ins Ford-Werk

„Fließarbeit“, also das Weiterreichen eines Werkstücks von einem Arbeiter zum anderen, war längst bekannt. Paradebeispiel dafür waren die riesigen Schlachthöfe von Chicago, in denen Rinder und Schweine in einer Art fortlaufender Fertigungsstraße zerlegt und ihr Fleisch in Konserven verpackt wurde. Aber erst die Übernahme dieses Produktionsprinzips in der Automobilindustrie und die vollständige Automatisierung dort machte das Fließband zum umstrittenen Symbol einer neuen Zeit. Der Automobilsektor galt damals als „prägende Zukunftsindustrie“, so Jürgen Bönig vom Hamburger Museum der Arbeit. Mitentscheidend war auch, dass bei Ford & Co. Männer arbeiteten – und die hatten in Gewerkschaften und Gesellschaft die Macht.

Experimente zur Verringerung der Störungsanfälligkeit

Die neue Arbeitsweise, die ihren weltweiten Höhepunkt in den 1950er und 1960er Jahre erreichen sollte, hatte für die Unternehmer jedoch nicht nur Vorteile. „Alle anderen Formen sind flexibler und anpassungsfähiger gegen Störungen“, sagt Bönig. „Wird ein Arbeitsschritt nicht schnell genug abgewickelt, stockt das gesamte System.“ Auch Ford musste die richtigen Abläufe erst finden. „Sie haben wirklich lange experimentiert.“

Fließbandarbeit trotz immer weiter erneuerter Produktionsverfahren noch weit verbreitet

Ab den 1970er Jahren wurden die Produktionsweisen in der Autoindustrie dann zunehmend flexibler. Hersteller wie Toyota setzten auf die Gruppenfertigung statt auf starren Fließbandtakt. Außerdem eroberten nun Roboter die Werkshallen, in denen sich früher dicht an dicht Arbeiter an endlosen Montagebändern gedrängt hatten. Vorbei aber ist die Zeit der Fließbandarbeit deshalb noch lange nicht. In der globalen Textilindustrie mit ihren Zulieferfabriken in Bangladesch oder Pakistan etwa ist sie allgegenwärtig. Das sind Bönig zufolge „Bereiche, in denen sie in ihrer traditionellen Form bis in die Gegenwart eine Rolle spielt“.

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