Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 09/1977

Ausgabe der Autorevue vom September 1977 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Sonnenkönigs Fettnäpfchen

 

Es gibt zwei prinzipielle Arten, Eishockey zu spielen.

A. Power Play: Planvoll vorgetragene Kombinationen, durch die möglichst gleichzeitig alle Angriffsspieler in die Nähe des gegnerischen Tores kommen. Der Torschuß ist Abschluß eines „Aufbaus“.

B. Forechecking (klassische Spielart der Kanadier): Die Scheibe wird aus dem Mittelfeld planlos in Richtung gegnerisches Tor geschossen, prallt naturgemäß von der Bande ab und schafft in jedem Fall eine neue Situation. Wenn man Glück hat, kommt die Scheibe einem eigenen Stürmer vor den Schläger, ansonst gibt’s einen Gegenstoß.

Kreisky und sein Team spielen kanadisch: Man hat den Puck an die Bande und wartet: Wie kommt er zurück?

Keiner von uns, die wir in schlichten Berufen stehen, wird unbeschadet seine unausgegorenen Gedanken so sorglos heraussprudeln. Je grantiger das Alter unseren Bundeskanzler macht, um so lockerer päppelt er uns die Bälle hin: Um jeder Attacke oder jeder Patenidee nachzuhechten, reicht die Kondition dieses Volkes jedoch nicht, denn da steht der Zampano im Mittelpunkt und feuert ab, während die da draußen, am Rande des Kreises, wie die Narren springen müssen.

Es ist schlichtes Cabaret, was sich beispielsweise rund um den Austro-Porsche abspielt. Der Kanzler kommt aus Stuttgart und erklärt bedächtig, daß wir „aber keinen Sportwagen“ bauen wollen. Sapperlott, eine vernünftige Idee! Benya ist tief beeindruckt, daß man Autos auc in kleiner Serie so fix zusammenbauen kann, allerhand! Geist hat im FS-2-Club gesagt, daß man die Möglichkeiten des Heimatabsatzes nicht unterschätzen sollte. Weil man ja alle öffentlichen Stellen zwingen könne, den Austro-Porsche als Dienstwagen einzustellen. Und wir wollen ja einen sogenannten exklusiven Wagen bauen, da werden die Postler und Polizisten und Beamten aber jubeln. Da redet der Kanzler von Langzeitauto, läßt das Thema zwei Wochen drauf wieder fallen, redet zwischendurch von Transaxle-Prinzip als einem der Merkkmale des österreichischen Autos! Nebenbei kommt immer wieder durch: Beim Vertreib stehen wir an. Aber dafür haben wir eine Transaxle-Konstruktion! Demnächst wird Kreisky die N- und L-Ausstattung festlegen und nebenbei sagen: Lediglich der Vertrieb ist noch nicht geklärt.

Kommt denn keiner drauf, daß sich die Wege von Porsche und Österreichs Projekt jetzt trennen müßten? Daß zuerst Vertriebspartner gesucht werden müssen, ehe man ein Auto maßschneidert, das exakt zum Angebot dieses Partners paßt. Und der wird vielleicht sagen, daß Transaxle out ist, und dann kann man ja unseren Politikern erklären, daß es etwa bei Vorderradantrieb gar nicht so viel bringt, wenn das Getriebe hinten ist. Beim Austro-Porsche redet der Kanzler von „Konsumgut“. Wenn es aber um den Konsumenten geht, ist das Auto, noch im selben TV-Interview, ein „Luxusgut“. Damit sind wir vom Cabaret zur Attacke gekommen. Verstanden: Die Regierung dieses Landes ist in ihrem Match um eine positive Zukunft arg in Rückstand geraten. Wie man das präziser ausdrücken will, hängt von der politischen Heimat ab, der Tenor muß aber überall aufs gleiche herauskommen: Maßnahmen des Gestern belasten das Morgen. Und: Es muß etwas geschehen. Man suchte einen Gegner und fand den Autofahrer. Man suchte ein System und fand das Forechecking, das versuchsweise Hinausrotzen einer Attacke nach der anderen – mal sehen, was dabei herauskommt. Dies ist das sogenannte Malus-Malus-System: Autofahren ist Luxus, und Luxus muß zur Ader gelassen werden, ob in direkten oder indirekten Steuern, ob in Pickerln oder schlichten Verteufelungen. Daß jeder einzelne Politiker Wasser predigt und Benzin braucht, läßt sich an den Dienstwagen ablesen – und natürlich am Austro-Porsche. Der AUTOREVUE wird man in diesem Zusammenhang immer vorwerfen, Partei zu sein: Das Auto ist ja unsere Existenzgrundlage. Das sehen wir ein und verhalten uns auch schon brav: Philipp Waldeck feiert unseren Finanzminister (Seiten 4, 5), dahinter liefern wir Ihnen die notwendigen Facts aus der Aktualität des Malus-Malus-Supermalus. Daß wir dann auch die Österreich-bezogene Thematik des Austro-Porsche (also nicht das gewiß brillante Konstruieren im luftleeren Raum, sondern schnöde Grundsätzlichkeiten) mit Fachleuten diskutieren, wird sicherlich als Abwechslung empfunden werden.

 

Ihr

Herbert Völker

 

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

Neue Modelle

Fritz Indra: BMW 323 (Seite 20)

Eckhard Eybl: Die neuen Ford Granada (Seite 22)

Herbert Völker: Die neuen Opel Rekord (Seite 24)

Fahrberichte

David Staretz, Bernd Schilling: Citroen LN (Seite 26)

Herbert Völker, Bernd Schilling: Mercedes 280 CE (Seite 28)

Eckhard Eybl, Bernd Schilling: Alfetta 2000 (Seite 30)

Fritz Ehn, Bernd Schilling: Steyr-Puch Pinzgauer (Seite 60)

Information

10 Seiten Revue im September (Seite 2)

Sport

Herbert Völker, Kumpa, Pikes-Peak-Rennen (Seite 33)

Alois H. Rottensteiner: AUTOREVUE-Mittelbild R-5-Rennen am Österreichring (Seite 40/41)

Helmut Zwickl, Rottensteiner: Großer Preis von Österreich (Seite 44)

Niki Lauda erzählt (Seite 51)

Heinz Prüller, Rottensteiner, Streimelweger: Großer Preis von Deutschland (Seite 52)

Internationaler Motorsport (Seite 64)

Nationaler Motorsport – Vollgasrevue (Seite 66)

AUTOREVUE-Kalender (Seite 72)

Motorrad

Zweirad-News (Seite 56)

Fritz Ehn, Bernd Schilling: Kawasaki 650 Z (Seite 58)

Leserdienst

Leserbriefe (Seite 2)

Gebrauchtwagenbörse (Seite 73)

Steuer, Zulassung, Versicherung (Seite 74)

Neu- und Altwagenpreise (Seite 75)

Motorradpreise (III. U.)

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