Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 09/1973

Ausgabe der Autorevue vom Jänner 1973 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Neue Fronten

Die Recherchen der AUTOREVUE zum jüngst aufgetretenen Spannungsverhältnis innerhalb des österreichischen Motorsport-Managements zielten auf Hintergründigeres ab, als in den aktuellen Massenmedien mit einiger Vereinfachung präsentiert wurde.

Das spektakuläre Auftreten des Proponenten-Komitees zur Loslösung der OSK vom ÖAMTC erlöste uns aus einem Dilemma: Dadurch war das öffentliche Aufhängen von nur teilweise gewaschener Schmutzwäsche nicht mehr eine journalistische Notwendigkeit. Denn all jenes, was zwischen Martin Pfundner und dem ÖAMTC vorgefallen war, kann ab jenem Augenblick als vergangene Affaire betrachtet werden, deren Wahrheitsfindung nicht mehr wesentlich – weil nicht mehr relevant – ist: Schließlich gibt es keinen Weg zurück mehr, nur eine Abzweigung.

Zugegeben: Die Recherchen zu dieser „vergangenen Affaire“ hatten unangenehme Totpunkte erreicht: Aussage gegen Aussage, Anschuldigung gegen Anschuldigung; von beiden Seiten gab es handfeste Akten, Protokolle und Tonbänder genauso wie nicht beweisbare Aussagen, über deren Richtigkeit es höchstens emotionell begründete, nicht aber objektiv fundierte (= Beweis  durch Zeugen oder Akten) Urteile geben kann.

Spannungen und Krisensituationen auf jedweder Ebene der Politik (im weitesten Sinne von Führen und Regieren) sind zwar an der Tagesordnung, der Motorsport sollte aber tunlichst in der Behandlung  seiner Krisen etwas leisetreten: Branchenfremde scheinen darauf zu warten, sich an Details hochzuziehen, um ein verzerrtes Bild zu geben. Man muß nur die Berichte der Massenmedien zu den Begleitumständen des Zeltweger Grand Prix als Maßstab dafür nehmen, wie sehr die Öffentlichkeit bereit ist, den Motorsport schlechthin als Synonym für Geschäftemacherei, Unruhestiftung, sogar Kriminalität zu interpretieren… als hätte sich der Ausbund eines Volkes samt seinen Gästen und Gastarbeitern just zwischen Zeltweg und Knittelfeld konzentriert, um hemmungslos zu saufen, zu stehen, Messerstechereien abzuhalten und letzten Endes – Gipfel der Frechheit – gar noch die großartige Bundesstraße 17 zu verstopfen.

Man verzeihe uns deshalb, wenn wir die „Affaire“ nur in geraffter Form wiedergeben:

Martin Pfundner, unbestritten in seinen Verdiensten um unseren Motorsport und um unsere Motorsportler (was nicht zwangsweise das gleich bedeutet), ist vom ÖAMTC entmachtet worden (er wurde als Delegierter Österreichs bei der CSI abberufen und wurde zur Aberkennung der Funktion eines stellv. Vorsitzenden der OSK dem Spruch eines Schiedsgerichts unterworfen).

Schwache Punkte – und das ist nun die subjektive Meinung der AUTOREVUE – gibt es auf beiden Seiten:

Wir sind nach Prüfung mehrerer Aussagen der Ansicht, daß die zum Anlaß des Bruchs erhobene Sitzung der OSK dem Martin Pfundner tatsächlich das Gefühl geben konnte, hier sei vom Vorsitzenden der OSK – Ing. Eduard Müller, Jahrgang 1905 – seltsam, falsch oder manipulierend (je nach Interpretation) vorgegangen worden. (Wir räumen der OSK oder dem ÖAMTC gerne redaktionellen Raum für eine Diskussion darüber ein.)

Andererseits gibt es natürlich in solchen Gremien Spielregeln der Loyalität. Der ÖAMTC lastet Pfundner an, nach dieser Sitzung nicht den „Dienstweg“ gewählt zu haben, sondern direkt an die Presse (Rundfunk) Negatives über den OSK-Vorsitzenden berichtet zu haben. Dies ist – formal – der wundeste Punkt des Martin Pfundner.

Laut Pfundner sei dieser wunde Punkt nur der Anlaß zu einem Hinauswurf gewesen, den die Generalsekretäre seit anderthalb Jahren im Sinn gehabt hätten (nämlich seit der Schranz-Affaire, bei der ÖAMTC-Präsident Mautner Markhof ins Fettnäpfchen getreten und von ÖAMTC-Generalsekretär Dr. Veit zum Rücktritt aufgefordert worden war: In dieser Situation, die später mit einem Friedensschluß endete, war Pfundner pro Mautner und kontra Veit aufgetreten).

Dr. Veit und sein Stellvertreter Dr. Schuchlenz bestreiten die These der „langen Vorbereitung“ und erheben Pfundners ORF-Kommentar zum entscheidenden, nicht verzeihbaren Sündenfall.

Seine nunmehrige Kehrtwendung vom ÖAMTC zum Proponentenkomitee begründet Pfundner damit, daß er bis zuletzt gehofft habe, den ÖAMTC zu einer sportfreundlicheren Haltung zu bewegen, dies aber nun chancenlos sei.

ÖAMTC-Antwort: Der ÖAMTC sei ohnedies sportfreundlich, es gäbe keinen Grund, die Sporthoheit in Österreich aufzugeben.

Die Situation: Der ÖAMTC ist als oberster Chef der Motorsportler Österreichs nach wie vor mächtig, seine Verankerung in der FIA wird kaum zu erschüttern sein. In Österreich ist er nun allerdings von einer Allianz eingekreist.

 

Ihr

Herbert Völker

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

Test

Franz Stehno, Bernd Schilling: Alfetta (Seite 18)

Information

Neue Modelle, Technik, Wirtschaft, Verkehr, Motorrad (Seite 6)

Fahrbericht

Herbert Völker: Matra-Simca Bagheera (Seite 16)

Neue Modelle

Helmut A. Gansterer: Neue Mercedes (Seite 10)

Helmut A. Gansterer: Opel Kadett (Seite 12)

Sport

Alter Lorbeer – die AUTOREVUE blättert zurück Hopkirk/Liddon, Alpenfahrt 1964 (Seite 1)

Heinz Prüller, DPRI, Kräling: Großer Preis der Niederlande (Seite 22)

Helmut Zwickl, Rottensteiner, Kräling: Großer Preis von Deutschland (Seite 25)

Heinz Prüller, Rottensteiner, Mayerhofer: Großer Preis von Österreich (Seite 29)

A. H. Rottensteiner: AUTOREVUE-Mittelfoto: Start zum großen Preis von Österreich (Seite 32)

Herbert Völker: Tausend-Seen-Rallye (Seite 48)

Niki Lauda – Formel inside (Seite 50)

Internationaler Motorsport (Seite 52)

Nationaler Motorsport (Seite 56)

AUTOREVUE-Kalender (Seite 60)

Sportresultate (Seite 60)

Leserdienst

Leserbriefe (Seite 2)

Buchbesprechungen (Seite 53)

Gebrauchtwagenbörse (Seite 61)

Neuwagenpreisliste (Seite 63)

Zulassungsstatistik Juni 72/73 (Seite 64)

Autosteuer, Versicherung (Seite 64)

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