Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 10/2011

Ausgabe der Autorevue vom Oktober 2011 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Liebe Leserin,
Lieber Leser,

 

im Internet hat es eine gewisse Tradition, dass bei jedem neu erschienenen Supersportler die Fangemeinde begierig auf das erste Crashfoto wartet. Vom Lamborghini Aventador, dem schnellsten Supersportler ever (den überirdischen Bugatti ­Veyron einmal ausgenommen), steht seit dem 30. August eines im Netz, die besseren Bilder finden Sie leider untenstehend. Denn ohne jeden Stolz muss ich vermelden: Wir waren’s.

Man stellte uns in Sant’ Agata extra für den Supertest eines der ersten Autos überhaupt zur Verfügung, noch nicht einmal der offizielle Testwagen war zu dem Zeitpunkt fertig. Wir waren also eines der ersten Medien weltweit, das bedient wurde, und wir haben Lamborghini diese bevorzugte Behandlung nicht gedankt. Das Unheil kam übers Telefon, wir waren alle gerade Richtung Adria Raceway unterwegs.

„Christian, ich hab den Lambo geschrottet.“
„Echt witzig“
„Nein, glaub mir.“

Das Entsetzen in Thomas Glavinics Stimme brachte die ­Gewissheit. Nachdem geklärt war, dass er ohne einen Kratzer ausgestiegen war, machte sich Erleichterung breit, die schnell in tiefe Betroffenheit umschlug. Die Stimmung war dahin. Ich hatte den Bestsellerautor als Gast eingeladen, um für dieses Heft sozusagen eine literarische Außenansicht des Supertests zu bekommen.

Glavinic qualifizierte sich durch hemmungslose Autoliebe, dementsprechend vorsichtig ging er mit dem 700-PS-Gerät um. Deshalb ist ihm auch kein heroischer Ausritt gelungen, sondern ein höchst banaler Landstraßenknaller passiert: Eine kurze Kolonne auf schnurgerader Landstraße überholt, der führende LKW will links einbiegen, und das war’s auch schon.

Glavinic touchiert den LKW, kappt einen Telefonmast, schlägt in ein armdickes Stahlrohr ein. Passiert ist ihm dabei absolut nix, dem Kohlefaser-Monocoque des Aventador sei es gedankt, es hält tatsächlich atemberaubenden Kräften stand. Glavinics neuestes Buch erschien am Tag des Unfalls, es heißt „Unterwegs im Namen des Herrn“.

Die Polizei stellte übrigens keine überhöhte Geschwindigkeit fest, es setzte einen Strafzettel über 39 Euro für das Fällen eines Telefonmastes. Die Reparatur am Aventador wird vermutlich deutlich teurer. Thomas Glavinic ist bis heute ungefähr so geknickt wie der Telefonmast, hat aber aus der traurigen ­Geschichte das Beste gemacht, was er konnte: Eine brillante, absolut lesenswerte Story, beginnend ab Seite 54.

Herzlichst
Christian Kornherr

Mondeo Traveller

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