Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 10/1985

Ausgabe der Autorevue vom Oktober 1985 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Liebe Leserin, lieber Leser,

Endlich gibt es ein Straßenauto, das in vier Sekunden von Null auf Hundert beschleunigt. Wenn einer es wirklich eilig hat, ist das natürlich sehr praktisch.

Auch wir wollen nicht verabsäumen, Ihnen in diesem Herbst ungeahnter technischer Sophistikation etwas Nützliches auf den Weg zu geben. Es ist der lang erwartete Sprachführer durch die Subkultur der Veteranen-Umgangssprache. Ab sofort können Sie daher mitreden, wenn von einer Gatschpledern (Geländemotorrad), einer Piss-Rotunde (mieses Veteranenfahrzeug) oder einer Pippn (Gasgriff) die Rede ist. Verfasser des nutzbringenden Werks ist kein kleinerer als Fritz Ehn, der Kardinal unter Österreichs Veteranen-Diakonen, auch Tempelherr des Eggenburger Museums.

Ehn: „Eine technische Welt ist in den sechziger Jahren untergegangen durch die Borniertheit von Menschen die treue technische Gegenstände durch den Wohlstand gering geachtet haben. Sie haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, sie zur Verschrottung zu bringen, sondern haben ihre Motorräder in der Nähe ihrer neuerbauten Wochenendhäuser ausgesetzt.“

Soviel Grausamkeit hat sich wie die Bremsspur eines genagelten Reifens über das zartpflanzige Gemüt des jungen Ehn gelegt, und er begann zu retten, was zu retten war. Als junger Techniker begeisterten ihn die Ingenieur-Lösungen der frühen Jahre, und alles kam, wie es kommen mußte – bis zur tiefsten Verstrickung seiner Leidenschaften in alte Motorradln. Warum er das Zweirad höherschätzt als das Vierrad: „Du kniest dich nieder und bist mitten in der Technik, drum haben sich auch verkleidete Motorräder und Roller nie durchgesetzt.“ Die Frage nach Ehns Lieblingsmotorrad ist so einfach nicht zu beantworten. Er spricht von einer Lieblingsreihe, bestehend aus sechs Brough Superiors, Jahrgänge 1927 bis 1933. Das Automobil hat er allerdings nie verachtet, wie schon der Besitz eines Rolls-Royce 20/25 aus dem Jahr 1933 andeutet. Und zwar, was wichtig ist, in der Owner-Driver-Ausführung, also ohne Trennwand zwischen Chauffeur und Passagieren, denn Klassenschranken sind dem Ingenieur ein Greul. Ehns Duden beginnt auf Seite 30. Herzlichst, Ihr

 

Herbert Völker

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