Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 10/1981

Ausgabe der Autorevue vom Oktober 1981 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Lieber Leser,

häufigste, schon leicht lähmend wirkende Frage an den IAA-Heimkehrer: Wie ist die Stimmung in der Branche? Naja.

Die ganz großen Bosse sind bei ihren Reden, die den konzentriertesten Extrakt von (gewiß notwendigem) Lobbyismus darstellen, schmallippiger gewesen denn je zuvor. Tenor: Das Wirtschaftliche packen wir noch mit letzter Kraft, wenn uns nicht auch noch der Staat in den Hintern kickt, zusätzlich, mit irgendwelchen Maßnahmen, die zwischen Bahn-Bevorzugung, Tempolimit, Besteuerung und Autobahn-Baustop liegen.

Von diesen düsteren programmatischen Reden abgesehen, ist die Stimmung nicht gar so schlecht. Auf der Suche nach kraftvollen Wortbildern ist die Titanic, wo die Leute getanzt, geschlunzt oder geschnaxlt haben, bloß daß wir jetzt wissen, daß der Eisberg kommt. Man wird ihn durchkratzen, dabei aber kurzzeitig zum Tanzen usw. aufhören.

Zu Jahrestagen haben wir eine ernsthafte, altmodische Beziehung nehmen sie gern als Anlaß zum Umdrehen.

Der 24. Oktober ist so ein Tag. Vor zehn Jahren starb Jo Siffert in Brands Hatch. Wir können Siffert guten Gewissens auch den Jungen, die kaum seinen Namen gehört haben, ans Herz legen: Er war ein „moderner“ Einzelkämpfer, in mancher Weise aus dem Holz des Jochen Rindt, ein starker Typ. Wir trieben den, wie wir meinen, besten Autor für eine „Seppi“-Geschichte hinter einem dicken dunkelgrünen bayerischen Kachelofen hervor: Sifferts seinerzeitigen Hofpoeten Dieter Stappert, der damals für „powerslide“, mein Gott!, in der Schweiz arbeitete und heute als BMW-Rennleiter die Exklusivität sophistischer Triebwerke hütet. Österreicher, der er ist (militanter Villacher), blieb er all die Jahre Autorevue-Freund und einer ihrer Autoren mit dem stärksten Leser-Echo. Die Story über Jo Siffert beginnt auf Seite 64.

 

Ihr

Herber Völker

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