Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 10/1965

Ausgabe der Autorevue vom Oktober 1965 mit Cover, Editorial & Impressum

07.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Amerika im Aufbruch

 

Vor ein paar Jahren war alles so einfach, es gab fixe, als allgemein gültig akzeptierte Vorstellungen. Aus der Warte des Europäers gesehen, waren amerikanische Automobile technisch uninteressant, weil sie alle einer starren Schablone entsprachen: Große Sechs- oder Achtzylindermotoren von mäßiger spezifischer Leistung, Motor vorne, angetriebene Starrachse hinten. Verglichen mit einer gewissen technischen Stagnation in der Neuen Welt bot Europa fürwahr eine unerhörte Vielfalt an Lösungen und Neuerungen.

Dieses Bild hat heute keine Gültigkeit mehr. Seit Amerika mit dem Chevrolet Corvair, offensichtlich unter dem Eindruck des VW-Verkaufserfolges, seinen ersten Heckmotorenwagen in Großserie baute sind die Dinge in Fluß geraten. Zwar erschrak Ford anfangs noch über die eigene Courage, den frontgetriebenen Cardinal geschaffen zu haben und trat das Kind hastig an die Kölner Filiale ab, verschrieb sich aber dann in großen Stil dem Motorsport und geriet damit auf das Experimentierfeld der Technik. Dies führte zu einer Reihe von Co-Produktionen Amerika–Europa und eine solche war es schließlich, welche die motorsportlichen Dinosaurier in ihrer Indianapolis-Reservation ausrottete.

General Motors, durch die konservative Einstellung der obersten Geschäftsleitung mit Gewalt vom Motorsport ferngehalten, witterte im Zuge des Revirements an der Spitze Morgenluft. Allerdings scheint es, daß alle Sportpläne vorerst wieder aufs Eis gelegt werden müssen, seit der große alte GM-Boß in der Frage der inneren Sicherheit seiner Automobile vor dem Untersuchungsausschuß des Senats den hitzigen Senatoren Ribicoff und Kennedy vis-à-vis eine recht unglückliche Figur machte. Egal nun, ob der GM-Sporteinsatz aufgehoben oder nur aufgeschoben ist, der größte Automobilkonzern der Welt legt nun plötzlich eine technische Aktivität an den Tag, die ihresgleichen sucht. Man offeriert Lösungen, die als typisch europäisch gegolten haben, so den Heckmotor (Chevrolet Corvair), die obenliegende Nockenwelle (Pontiac Tempest, Opel Rekord) und den Frontantrieb (Oldsmobile Toronado).

Und was tut Europa? Es entdeckt die Vorzüge der Getriebeautomatik und beginnt endlich, im Zuge des Wohlstandsdenkens, die alte amerikanische Binsenwahrheit zu begreifen, daß es für Hubraum keinen Ersatz gibt. Just in dem Moment aber, da die Neue und die Alte Welt gemeinsam den Frontantrieb als die letzt große Modeerkenntnis propagieren, ringt einer der alten Pioniere auf diesem Gebiet mit dem Tode. Doch der „kranke Mann in Ingolstadt“ darf lächeln: Wer hätte je gedacht, daß im Rahmen des Volkswagenkonzerns einmal ein Fronttriebswagen gebaut und verkauft würde?

 

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INHALTSVERZEICHNIS

 

Sportresultate (Seite 2)

Leserbriefe (Seite 4)

Buchbesprechungen (Seite 4)

Joseph Lowrey: Oldsmobile Toronado (Seite 6)

Joseph Lowrey: Der neue Ford Corsair V4 (Seite 8)

Joseph Lowrey: Rootes mit größeren Motoren (Seite 11)

 

Paul Frère: Der Frankfurter Automobilsalon (Seite 12)

 

Helmut Zwickl: Gaisberg-Finale im Regen (Seite 18)

Gösta C. Zwilling: II. Internationale Castrol-Rallye (Seite 20)

Heinz Prüller, Helmut Zwickl: Großer Preis von Italien (Seite 22)

Helmut Zwickl: Speedpilot (Seite 24)

Paul Frère: AUTOREVUE-Prüfung Mustang V8 (Seite 28)

Ing. Heinrich Goldhann: Franz Josephs Austro Daimler (Seite 32)

Aus Handel und Industrie (Seite 34)

Automobilbörse (Seite 37)

Neuwagenpreise (Seite 38)

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